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Spendenfinanzierte Leidenschaft für junge Kirche

<b>Ausschließlich durch Spenden</b> finanziert sich die Jugendkirche in Cochem. Foto: youcom Jugendgemeinde

Ausschließlich durch Spenden finanziert sich die Jugendkirche in Cochem. Foto: youcom Jugendgemeinde

Was vielerorts Wunschvorstellung bleibt, ist im Moselstädtchen Cochem Realität: Jugendliche gehen regelmäßig zum Gottesdienst und nehmen am Gemeindeleben teil.

Zudem finanziert sich die selbst verwaltete Jugendgemeinde ausschließlich durch Spenden. Die Kirchengemeinde Cochem ist ein Beispiel für erfolreiche evangelische Diaspora. Der evangelische Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt etwa neun Prozent.

Zwischen Eifel, Hunsrück und Mosel verteilen sich rund 5.000 Gemeindemitglieder auf 77 Dörfer und die beiden Städte Cochem und Kaisersesch.

Die Fläche entspricht in etwa dem früheren West-Berlin. Dass es unter diesen schwierigen Bedingungen eine lebendige Jugendgemeinde »youcom« mit 60 aktiven Mitgliedern gibt, ist dem Cochemer Jugendpastor Maik Sommer zu verdanken.

Der 40 Jahre alte Theologe, seit Herbst 2004 Pastor im Sonderdienst in Cochem, belebte die ohnehin schon aktive Jugendarbeit mit attraktiven neuen Akzenten.

Er rief die Jugendgottesdienste »Won Way« ins Leben, organisierte Jugendhauskreise, kooperierte mit dem Cochemer Kino bei »Cinema meets Church« und initiierte eine Reihe weiterer fantasievoller Projekte.

Als Sommers Sonderdienst nach fünf Jahren auslief, wollte die Kirchengemeinde auf das Angebot für die Jugend nicht mehr verzichten.

»Uns ging es darum, das alles zu erhalten« sagt Rüdiger Lancelle, der Vorsitzende des örtlichen Presbyteriums, der feststellte, dass auf einmal Jugendliche im Gottesdienst waren, die früher nicht erschienen.

Die Gemeinde, finanziell nicht auf Rosen gebettet, fasste den ambitionierten Plan, diesen Arbeitsbereich mit Spenden zu finanzieren.

Der Aufruf »Ein Pastor für die Jugend« zeigte Wirkung: Ab September 2009 konnte Maik Sommer bei der Gemeinde als Jugendpastor angestellt werden.

»Wir sind überglücklich über diese Entwicklung«, sagt der Cochemer Gemeindepfarrer Steffen Tiemann.

Für das Gehalt des Theologen und die Sachkosten der Jugendarbeiten veranschlagt die Kirchengemeinde Cochem 65.000 Euro im Jahr. Eine Anschubfinanzierung kommt vom Evangelischen Kirchenkreis Koblenz, der für drei Jahre, also bis Ende 2012, eine Unterstützung in Höhe von jeweils 25.000 Euro zusicherte.

Mit den gesammelten Spenden kann das Projekt Jugendpastor, vom Presbyterium ohne Befristung beschlossen, bis zum Jahr 2016 überleben.

Solange könnten jährlich 40.000 Euro eingesetzt werden, rechnet Rüdiger Lancelle vor. Dennoch bleibt das Projekt ein Wagnis: »Wenn die Unterstützung des Kirchenkreises wegfällt, brauchen wir doch noch einige Spenden«, gibt der Gemeindepfarrer zu bedenken.

Die selbst verwaltete Jugendgemeinde »youcom« (für Young Community) startete Anfang 2010.

Die Konzeption entstand in Zusammenarbeit von Jugendlichen, Gemeinde und Presbyterium. »Wir wollen hier in Cochem die Leidenschaft der Jugend mit der Weisheit und der Lebenserfahrung der Erwachsenen miteinander verknüpfen«, sagt Sommer.

In der Jugendgemeindeleitung sitzen zehn Jugendliche und sieben erwachsene Gemeindemitglieder. Sie verwalten ihr eigenes Budget, gestalten Gottesdienste, organisieren Freizeiten und Schulungen.

»Wir verstehen uns als Teil der Gemeinde«, unterstreicht der Jugendpastor.

Auch der Presbyteriumsvorsitzende Lancelle lässt keinen Zweifel an der Bedeutung dieser Zugehörigkeit: »Die Jugendlichen arbeiten in der Gemeinde mit, sie stützen die Gemeinde und sie sind im Gottesdienst dabei.«

Dass die Jugendgemeinde auf Dauer Bestand haben soll, ist für alle Beteiligten selbstverständlich.

»Wir sind auch unglaublich stolz über das Erreichte«, sagt Lancelle. Nun werde ein Zuhause für die Jugendgemeinde mit eigenen Räumlichkeiten gesucht.

Bei aller Euphorie verweist Sommer auch auf die Grenzen der Arbeit in einer Region, die jungen Menschen kaum Möglichkeiten für Ausbildung und Job bietet. »Wir arbeiten hier mit ihnen, wir geben ihnen ein Stück Heimat und Orientierung. Doch dann kommen Studium oder Ausbildung, und sie sind weg.« epd

Dieser Beitrag wurde am 27.12.2011 um 12.12 Uhr veröffentlicht.

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