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Lob von höchster Stelle

Köhler verteidigt Käßmann gegen Kritik

Zwei Wochen nach der umstrittenen Neujahrspredigt Margot Käßmanns hat die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Lob von höchster staatlicher Stelle bekommen.

»Mit ihrer Neujahrspredigt in Dresden haben sie uns allen einen Dienst erwiesen«, sagte Bundespräsident Horst Köhler am Freitag beim Festakt zur 1.000-Jahr-Feier der St. Michaeliskirche in Hildesheim. Kritik äußerten indes SPD-Außenpolitiker Hans-Ulrich Klose sowie ein Militärdekan, der deutsche Soldaten am Hindukusch betreut.

»Ich mache mir nicht alle Ihre Worte zu eigen«, sagte Köhler. »Aber unser Land braucht solche Beiträge. Das ist eine überfällige Debatte«, betonte der Bundespräsident unter dem Applaus der Besucher des Festgottesdienstes direkt an die Bischöfin gewandt.

Die hannoversche Landesbischöfin hatte gemeinsam mit dem Bundespräsidenten das Jubiläumsjahr in Hildesheim eröffnet.

Tags zuvor hatte sich bereits Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hinter Käßmann gestellt.

»Ich glaube, dass die Einmischung in aktuelle politische Fragen begrüßt werden sollte von der Politik«, sagte die Regierungschefin.

Anders sieht das der SPD-Politiker Hans-Ulrich Klose. Kirche solle Kirche bleiben und nicht zur Partei werden, sagte er der »Bild«-Zeitung (Freitagsausgabe). Für die Soldaten dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass sie keine Christen seien, weil sie unter Umständen töten müssten.

Käßmann hatte in Predigten und Interviews zum Jahreswechsel mehrfach den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan kritisiert und einen Plan für den Abzug der deutschen Soldaten gefordert.

Der Krieg sei nach friedensethischen Maßstäben der evangelischen Kirche nicht zu rechtfertigen. Auf Kritik stieß inbesondere der Satz »Nichts ist gut in Afghanistan« aus Käßmanns Neujahrspredigt.

Militärdekan Karsten Wächter warf Käßmann in einem am Freitag bekanntgewordenen Brief vor, dazu beizutragen, dass »auf Kosten der Soldaten zwischen militärischen und zivilen Optionen polarisiert wird«. Er wünsche sich, »dass unsere Kirche besser und genauer verstehen lernt, was die Soldaten leisten und ertragen«.

»Wenn man die militärische Option grundweg ablehnt, muss man mindestens Alternativvorschläge mit konkreten Handlungsmöglichkeiten aufzeigen. Sonst fällt das Ernstnehmen schwer«, heißt es in dem Schreiben, das das Internetportal »FreieWelt.Net« veröffentlichte.

Zugleich räumte Wächter ein, dass »konzeptionelle Klarheit« über den Einsatz fehle: »Soldaten fühlen sich immer wieder auch als Opfer dieser Unklarheit!« epd

Dieser Beitrag wurde am 15.1.2010 um 20.45 Uhr veröffentlicht.

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