Deutliche Mehrheiten
Kirchenfusion im Norden beschlossen
Die Fusion dreier evangelischer Landeskirchen in Norddeutschland ist beschlossen.
Grauer Himmel, Regen und starker Wind: Es war ungemütliches Wetter, das am Samstag in Rostock-Warnemünde die Synode der nordelbischen, mecklenburgischen und pommerschen Kirche zur Abstimmung über Verfassung und Einführungsgesetz der künftigen evangelischen Nordkirche begleitete.
Doch als das Präsidium die Zustimmung zur Kirchenfusion bekanntgab, waren Sturm und Regen egal: Die Synodalen erhoben sich von ihren Plätzen und applaudierten minutenlang. Mit deutlichen Mehrheiten über dem notwendigen Quorum von zwei Dritteln war die Nordkirche aus der Taufe gehoben.
Den Bischöfen war die Erleichterung über die Entscheidung anzusehen.
Der Schleswiger Bischof Gerhard Ulrich sprach von einer »historischen Stunde« und räumte zugleich ein, sämtliche Aspekte noch gar nicht recht fassen zu können.
Wiederholt hatte er davon gesprochen, dass die Nordkirche kein Ausrufezeichen, sondern ein Doppelpunkt sei: »Der Weg, den wir gemeinsam gehen wollen, fängt jetzt erst an«, sagte er. Auch Andreas von Maltzahn aus Mecklenburg sprach von Chancen und Herausforderungen, die noch erst kommen würden.
Zunächst aber kann gefeiert werden.
Am 27. Mai, dem Pfingstsonntag, soll das Gründungsfest der Nordkirche das schleswig-holsteinische Ratzeburg mitsamt seiner historischen Dominsel in eine Fest-Stadt verwandeln. Und bereits auf dem Weg dorthin sind diverse Veranstaltungen geplant, um Abschied von den alten Strukturen zu nehmen.
478 Jahre gab es laut Bischof Hans-Jürgen Abromeit eine pommersche Kirche.
Doch die Fusion sei keine Beendigung dieser Geschichte, sondern eine Transformation. Vor allem aber in Mecklenburg dürften auch noch einige Tränen zum Abschied fließen, insbesondere bei denjenigen kirchlichen Mitarbeitern im Ruhestand, die sich mit der Fusion nicht mehr oder noch nicht anfreunden konnten.
Künftig erstreckt sich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland von der dänischen bis zur polnischen Grenze.
Mit 2,3 Millionen Mitgliedern umfasst sie die Bundesländer Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Die Nordkirche wird die fünftgrößte unter den künftig noch 20 deutschen Landeskirchen sein.
Positiv stimmten auf die Nordkirche bereits etliche farbige Blätter ein, die im Foyer des Tagungshotels mit Holzklammern an Bindfäden festgemacht waren.
Darauf hatten Synodale Hoffnungsworte notiert: »Zusammen wachsen, Früchte tragen«, »Missionarischer Aufbruch der Nordkirche«, »einander vertrauen«, »Hoffnung sei Wanderstab«, »Seit mit dem Herzen dabei, wagt Neues!, «Alle Tränen werden abgewischt» und «Alles wird gut".
Diese Hoffnung beflügelte die Stimmung jedenfalls am Samstag in Rostock.
Obwohl auf allen Fluren ebenfalls immer wieder zu hören war, dass die Arbeit jetzt erst richtig beginnt. epd
Dieser Beitrag wurde am 7.1.2012 um 17.46 Uhr veröffentlicht.
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