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Tag 1 nach dem Rücktritt

»Kirche droht kein Imageschaden«

<b>Übernimmt kommissarisch den Ratsvorsitz</b> in der EKD: der rheinische Präses Nikolaus Schneider. Foto: Archiv/gmh

Übernimmt kommissarisch den Ratsvorsitz in der EKD: der rheinische Präses Nikolaus Schneider. Foto: Archiv/gmh

Der Rücktritt der Ratsvorsitzenden Margot Käßmann wird nach Einschätzung von Synodenpräses Katrin Göring-Eckardt keinen Imageschaden für die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) nach sich ziehen.

»Im Gegenteil: Wenn man mit einem Fehler so umgeht, dann wird man auch in der gesellschaftlichen Debatte weiter gehört«, sagte Göring-Eckardt dem epd. Käßmann habe nach der Alkoholfahrt am Steuer ihres Dienstwagens diesen Fehler sofort bereut und mit dem Rücktritt von allen kirchlichen Leitungsämtern äußerst harte Konsequenzen gezogen.

Aus Sicht des Rates der EKD, dem Göring-Eckardt als Leiterin des Kirchenparlaments angehört, hätte Käßmann weiter im Amt bleiben können. »Sie hat in ihrer Gradlinigkeit anders entschieden«, sagte die Grünen-Politikerin und Vizepräsidentin des Bundestages.

Das verdiene hohen Respekt und sei ein »großer Dienst an unsere Kirche«.

Göring-Eckardt sprach sich dafür aus, dass zunächst Käßmanns Stellvertreter Nikolaus Schneider den Ratsvorsitz übernimmt. Für eine kurzfristig anzusetzende Sondersynode sehe sie keine Notwendigkeit. Der Rat werde bei seiner Sitzung am Freitag und Samstag in Tutzing über das weitere Vorgehen beraten.

Schneider könnte die Geschäfte laut Kirchenordnung zunächst bis zu einer Neuwahl bei der turnusgemäßen Synodentagung im November führen. »Ich würde mich freuen, wenn er das tut«, sagte Göring-Eckardt.

Die Evangelische Kirche wird sich nach den Schneiders Worten weiter politisch zu Wort melden.

Fragen der sozialen Gerechtigkeit seien ihm selbst schon immer sehr wichtig gewesen, sagte Schneider in den ARD-Tagesthemen. »Das Eintreten für diejenigen, die ihre Stimme nicht erheben können, wird auch für mich verbindlich bleiben.«

Auch bei Käßmanns Kritik am Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr habe »die übergroße Mehrheit der Kirche zu ihr gestanden«, sagte der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland.

Er betonte, der Rücktritt der Bischöfin von ihren kirchlichen Ämtern sei kein Rückschritt für die Kirche. Viele Menschen hätten aber gehofft, dass Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende weitermacht.

Schneider äußerte erneut Respekt für Käßmanns Rücktritts-Entscheidung.

Dieser offene und ehrliche Umgang mit eigenem Versagen werde auch dem Amt des EKD-Ratsvorsitzenden wieder hohen Respekt verschaffen, das eine »gewisse Beschädigung« erfahren habe. Käßmann haben nicht an ihren Ämtern geklebt, sondern »sich frei entschieden, so wie sie es für sich rechtfertigen konnte«. epd

Dieser Beitrag wurde am 25.2.2010 um 08.25 Uhr veröffentlicht.

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