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Musik im Gottesdienst

Große Unterschiede bei den Generationen

<b>Singen im Gottesdienst:</b> Die geschmäcker der Besucher sind offenbar sehr verschieden. Foto Michael Klug

Singen im Gottesdienst: Die geschmäcker der Besucher sind offenbar sehr verschieden. Foto Michael Klug

Beim Musikgeschmack der Gottesdienstbesucher gibt es nach eienr Studie er Universität Paderborn Unterschiede zwischen den Generationen.

Ein nasskalter, nebliger Sonntagmorgen in dem kleinen Ort Haltern am See, nördlich des Ruhrgebiets: Die Gläubigen sitzen in dicken Winterjacken und Schals auf den Holzbänken der evangelischen Erlöserkirche. Die Reihen sind mit rund 80 Menschen gut gefüllt, die Orgel spielt Lied 591: »Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, es hat Hoffnung und Zukunft gebracht.«

Deutlich ist die Stimme von Pfarrer Karl Henschel zu hören, auch der ehemalige Presbyter Bernhard Abendroth singt kräftig mit.

»Das Singen gehört zur Liturgie«, sagt er bestimmt. Doch sonst haben nur wenige Gottesdienstbesucher Gesangbücher in der Hand, viele Münder bleiben geschlossen.

Über das scheinbar mangelnde »Singen im Gottesdienst« machte sich auch die Liturgische Konferenz der Evangelischen Kirche in Deutschland Gedanken und gab eine Studie in Auftrag, deren Ergebnisse jetzt vorliegen.

Im Advent 2008 ließen die Institute für Begabtenforschung in Musik und für Evangelische Theologie an der Universität Paderborn Fragebögen an Gottesdienstbesucher verteilen. Mehr als 4.600 konnten sie schließlich auswerten.

Zwei der wichtigsten Ergebnisse: Die Motivation, im Gottesdienst zu singen, ist »besser als erwartet«, erklärt der Musikwissenschaftler Heiner Gembris. Und: Beim Musikgeschmack gibt es offenbar große Unterschiede zwischen den Generationen.

Während jüngere Gläubige die neue geistliche Musik bevorzugten, ein wenig mit Rock und Pop vermischt, seien bei älteren Christen über 50 Jahren die Choräle beliebter.

Von den Befragten im Alter von zwölf bis 97 Jahren gaben knapp 70 Prozent an, immer im Gottesdienst mitzusingen, mehr als 24 Prozent tun es immer noch »meistens«. Dabei gelte bis zu einem Alter von 70 Jahren: »Je älter die Menschen sind, desto häufiger wird im Gottesdienst mitgesungen«.

Unterschiede auch zwischen den Geschlechtern: Frauen singen öfter mit als die Männer.

Allerdings ist die Studie nicht repräsentativ. Diejenigen, die antworteten, sind überdurchschnittlich gebildet - 30 Prozent haben einen Hochschulabschluss - und in der Mehrheit Frauen (65 Prozent).

Außerdem stammen die meisten ausgewerteten Fragebögen aus dem Gebiet der Evangelischen Kirche im Rheinland (54 Prozent) und aus dem Gebiet der Evangelischen Kirche von Westfalen (28 Prozent). Kaum Rückmeldungen kamen aus dem Osten Deutschlands oder aus Bayern.

Dass fast 70 Prozent der Gottesdienstbesucher mitsingen, lässt sich jedenfalls in der Halterner Erlöserkirche nicht beobachten.

Pfarrer Karl Henschel hat vielmehr festgestellt, dass das Singen gerade mit den jungen Konfirmanden schwieriger geworden ist - »trotz oder gerade wegen der ständigen Sing- und Casting-Shows im Fernsehen«.

Das Motto scheint bei den Jugendlichen zu sein: »entweder perfekt oder gar nicht«.

Dabei gibt sich die Halterner Organistin Sung-Jin Suh größte Mühe, gerade die Konfirmanden für Musik und Singen zu begeistern. »Wir üben gemeinsam vor der Orgel die Lieder ein«, erzählt sie.

Nach ihrer Erfahrung richtet sich das Mitsingen auch sehr stark nach der Art des Gottesdienstes, bei Taufen oder Konfirmationen klinge der Gesang der Angehörigen schon mal kräftiger.

Damit gerade junge Menschen der Kirche als Sänger erhalten bleiben, sollte nach Ansicht von Gembris die neue geistliche Musik stärker bei der Ausbildung von Kirchenmusikern berücksichtigt werden.

Denn junge Menschen mögen mehr swingenden, poppige oder rockige Töne als getragene Choräle. »Diese unterschiedliche Präferenz sollte Konsequenzen für die Gestaltung des Liedrepertoires in den kommenden Jahren haben«, regt Gembris an.

Natürlich bleibt es auch sinnvoll, das Singen regelmäßig in den Gemeinden zu üben. Denn die Studie zeigt: Wer von seinen stimmlichen Fähigkeiten überzeugt ist, der singt auch lieber mit.

www.uni-paderborn.de

Dieser Beitrag wurde am 9.2.2010 um 09.29 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
denkglaub schrieb am 09.02.2010 12:47:

Das Problem ist: Es wurden nur Gottesdienstbesucher gefragt.

Was ist mit den vielen Nicht-Gottesdienstbesuchern?

Ich behaupte: Viele kommen auch deswegen nicht, weil sie sich von den gebräuchlichen Musikstilen gar nicht angesprochen fühlen. Und das wäre gerade interessant: Wie müssten die Musikstile aussehen, damit man diesen Nicht-GottesdienstbesucherInnen entgegen kommen kann?

Tico schrieb am 09.02.2010 14:27:

Es macht wenig Sinn, Nicht-Busfahrer zu fragen, ob sie nachts lieber bei grünem oder weißem Licht im Bus sitzen.

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