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Als Seelsorger an Bord

Einmal im Jahr auf große Fahrt

<b>Zu den schönsten Plätzen</b> dieser Welt: Auf Kreuzfahrtschiffen ist in der Regel auch ein Seelsorger dabei. Foto: James Steidl

Zu den schönsten Plätzen dieser Welt: Auf Kreuzfahrtschiffen ist in der Regel auch ein Seelsorger dabei. Foto: James Steidl

Einmal im Jahr geht Oliver Ploch, evangelischer Pfarrer in Bonn, auf einem Kreuzfahrtschiff auf Reisen.

Auf die Rolle von Seelsorgern an Bord sei wichtig, nicht nur angesichts des jüngsten Unglücks vor der Westküste Italiens, sagt er. »Wir Seelsorger sind zunächst einfach da. Wir zwingen zu nichts, an uns kann man sich festhalten, uns anschreien, weinen«, sagt der 43-Jährige in einem epd-Gespräch.

Ploch ist einer von rund 100 Theologen, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) als Seelsorger an Bord eines Kreuzfahrtschiffes geschickt werden.

Als Bordpfarrer werde man auf ein Schiffsunglück oder gar einen Untergang nicht speziell vorbereitet, sagt der evangelische Theologe. Allerdings könnten gute Kontakte zur Mannschaft Abläufe erleichtern.

Foto: http://www.thomas-kirchengemeinde.de

Foto: http://www.thomas-kirchengemeinde.de

»Wenn die Katastrophe genügend Zeit lässt, wird man von der Crew stärker in die Informationen und die Abläufe eingebunden und kann durch Gespräche und Durchsagen helfen.«

In einem dramatischen Fall jedoch müsse zügig und professionell gehandelt werden.

Im Notfall kümmerten sich die Bordseelsorger wie auch Notfallseelsorger etwa um frische Kleidung, schirmten Schaulustige ab und schafften Ruhe. »Diese Geistlichen hören zu, halten aus, fragen behutsam, was jetzt am besten tun könnte: ein Kaffee, eine Umarmung oder einfach nur schweigen.«

Wenn es gut tue, werde natürlich auch gebetet, Schuld besprochen oder eine Aussegnung vorgenommen.

Die Seelsorger hätten einfach mehr Zeit als Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst, vor Ort zu bleiben, manchmal viele Stunden bis weitere Angehörige eingetroffen sind, sagt Ploch.

»Normale« Krisen seien auf hoher See natürlich häufiger als echte Katastrophen, schildert der Bordseelsorger.

Menschen würden krank. Einsamkeit oder Konflikte holten die Gäste ein, auch Heimweh sei ein Thema. Bei dem oftmals hohen Altersdurchschnitt auf Kreuzfahrtschiffen gebe es auch Todesfälle.

»Vielen tut es gut, zu wissen, dass ein Pfarrer da ist, auch, wenn sie ihn nicht in Anspruch nehmen. Im Bordgottesdienst wird für alle gebetet, auch für die Mannschaft und die Menschen zu Hause.«

Bordseelsorge ist die pastorale und ökumenisch gehaltene Seelsorge für Gäste und Besatzung an Bord von Kreuzfahrtschiffen in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Sie beinhaltet Gottesdienste, Andachten, Vorträge und vor allem seelsorgerliche Gespräche. Sie ist Bestandteil des Dienstleistungsangebotes der Reiseveranstalter, aber genauso Erfüllung des kirchlichen Auftrags »Gehet hin in alle Welt« und damit ein wichtiger Arbeitszweig der Evangelischen Auslandsberatung in Hamburg.

Geeignete Pfarrer werden mit Zustimmung ihrer Gemeinde, des Kirchenkreises und der Landeskirche geschickt. epd

Dieser Beitrag wurde am 17.1.2012 um 10.16 Uhr veröffentlicht.

Kommentare lesen
Schallblech schrieb am 19.01.2012 07:56:

Und wenn mal was passiert: halten Sie den Kapitän fest, damit er nicht ins Rettungsboot fällt!!!

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