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Maria Jepsen stellt Ämter zur Verfügung

Deutschlands dienstälteste Bischöfin ist zurückgetreten.

<b>Zurückgetreten:</b> Bischöfin Maria Jepsen. Foto: www.nordelbien.de

Zurückgetreten: Bischöfin Maria Jepsen. Foto: www.nordelbien.de

Deutschlands erste und dienstälteste Bischöfin Maria Jepsen ist zurückgetreten.

Das gab sie am Freitag auf einer Pressekonferenz bekannt. Jepsen war wegen ihres Umgangs mit Missbrauchs-Vorwürfen gegen einen Ahrensburger Pastor in den vergangenen Tagen zunehmend in die Kritik geraten. Die 65-Jährige war die erste lutherische Bischöfin weltweit.

Durch Vorwürfe in den Medien, sie sei der Sache nicht entschieden genug nachgegangen, sei ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen worden.

»Von daher sehe ich mich nicht mehr in der Lage, die frohe Botschaft so weiterzusagen«, sagte Jepsen Sie forderte eine zügige Aufklärung der Vorfälle.

Die Bischöfin war verstärkt unter Druck geraten, nachdem die Schwester eines der Opfer am Donnerstag eine eidesstattliche Erklärung über ihre Begegnung mit Jepsen Ende der 1990er Jahre veröffentlicht hatte.

Danach hatte sie die Bischöfin damals sinngemäß über den sexuellen Missbrauch des Pastors Dieter K. an Kindern und Jugendlichen informiert. Jepsen habe daraufhin erklärt, sie wolle sich darum kümmern.

Bei dem Opfer handelt es sich um eine Ahrensburgerin, die nach eigenen Angaben von K. im Alter von 16 bis 20 Jahren missbraucht wurde.

Pastor K. soll von Ende der 70er bis Mitte der 80er Jahre mehrere männliche und weibliche Jugendliche sexuell missbraucht haben.

Der heute pensionierte Seelsorger war nach ersten Hinweisen 1999 aus der Gemeinde genommen worden, hatte aber weiterhin in der Jugendstrafanstalt Schleswig als Seelsorger und an einem Ahrensburger Gymnasium als Religionslehrer gearbeitet.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) bedauerte den Rücktritt.

Der amtierende Ratsvorsitzende, Nikolaus Schneider, würdigte in einem Brief an Jepsen deren Verdienste. Der rheinische Präses hob besonders ihr Engagement für die weltweite Ökumene sowie das Verhältnis zu Israel hervor.

Propst Jürgen Bollmann wird zunächst kommissarisch ihre Amtsgeschäfte übernehmen.

Der 62-jährige Theologe war bisher Stellvertreter Jepsens. Er ist Propst im Kirchenkreis Hamburg-Ost und für den Bezirk Harburg zuständig. Nach der Wahl Jepsens zur Bischöfin 1992 trat Bollmann ihre Nachfolger im Propstenamt des damals noch selbstständigen Kirchenkreises Harburg an.

Bollmann ist gebürtiger Hamburger und war nach einer Lehre Industriekaufmann bei einer Mineralölfirma.

Sein Abitur holte er auf dem Zweiten Bildungsweg nach. Anschließend studierte er Betriebswirtschaft und Theologie. Seine erste Pfarrstelle hatte er an der Harburger Stadtkirche St. Johannis, ehe er 1984 Referent im Nordelbischen Missionszentrum für die Kontakte zu den Partnerkirchen in der Dritten Welt wurde.

Im Oktober 1992 wählte ihn die Kirchenkreissynode dann zum Harburger Propsten. epd/UK

Dieser Beitrag wurde am 16.7.2010 um 17.40 Uhr veröffentlicht.

Portrait: Maria Jepsen

Seit Maria Jepsen 1992 ihr Amt als weltweit erste lutherische Bischöfin angetreten hatte, stand sie oft in der Kritik. Ihr Engagement für die Rechte von Homosexuellen oder ihr Dialog mit Muslimen wurden ihr von konservativer Seite übel genommen. Auch wurde ihr vorgeworfen, sie stehe den Gewerkschaften zu nahe.

All dies stand sie mit Gottvertrauen und einer Portion Sturheit durch. Als es aber um »sexuellen Missbrauch« ging, traf die Kritik sie ins Mark. Der Vorwurf, sie habe sexuellen Missbrauch in ihrer Kirche vertuscht, verletzte sie so hart, dass sie am Freitagnachmittag in Hamburg ihren Rücktritt erklärte.

Anfang Januar dieses Jahres feierte Jepsen ihren 65. Geburtstag.

Doch nutzte sie eine Sonderregelung für Pastoren, wonach sie bis zum 68. Lebensjahr weiterarbeiten darf. In der Kirche rechnete man erst 2012 mit ihrem Eintritt in den Ruhestand. Dann wäre ihre zweite zehnjährige Amtszeit abgelaufen.

Das Seniorenalter schenke ihr Unabhängigkeit, hatte sie zu ihrem 65. Geburtstag gesagt: »Wenn man selber nichts mehr erreichen muss, kann man freier die Erwartungen für andere formulieren.«

Von dieser Unabhängigkeit hat sie jetzt Gebrauch gemacht.

Ihre Sonderstellung als Bischöfin behielt sie in Deutschland sieben Jahre lang: Erst 1999 wurde Margot Käßmann als zweite Frau Bischöfin in Hannover. Jepsen und Käßmann verbindet jetzt das abrupte Ende ihrer Karriere als Bischöfin: Käßmann war Ende Februar von allen kirchlichen Leitungsämtern zurückgetreten. Sie zog damit die Konsequenz aus einer Fahrt unter Alkoholeinfluss.

Jepsen wurde 1945 in Bad Segeberg geboren.

Sie studierte nach dem Abitur Altphilologie und Theologie in Tübingen, Kiel und Marburg. Gern erzählt sie davon, dass sie jeden Morgen eine Bibelstelle im Original in griechischer und hebräischer Sprache liest.

Von 1972 bis 1990 war sie Pastorin im schleswig-holsteinischen Meldorf und Leck, 1991 übernahm sie im damaligen Kirchenkreis Harburg als erste Frau in Nordelbien das Propstenamt.

Prinzip ihres Amtsstils ist ihre persönliche Präsenz.

»Sprachfähig sein und zuhören können - das ist mir wichtig.« Stets suchte sie das direkte Gespräch, unermüdlich war sie in der Stadt unterwegs. Neben den offiziellen Terminen und Sitzungen, Veranstaltungen und Jubiläen galten die Besuche vor allem sozialen oder diakonischen Einrichtungen und Gruppen an der Kirchenbasis.

Aidshilfe, Hospize, Kitas, Krankenhäuser, Obdachlosenunterkünfte: Kirche müsse auch »Stimme der Stummen sein«.

Der sonntägliche Gottesdienst gehört für sie zum Kern christlichen Lebens.

Die Pastoren ihres Sprengels Hamburg-Lübeck mussten stets damit rechnen, dass die Bischöfin bei ihnen zum Gottesdienst kam. Nicht als offizielle Visitation wollte sie dies verstanden haben, sondern als einladende Begleitung.

»Man sollte als Pastor oder Pastorin nur Gottesdienste feiern, in die man selber gerne geht«, gab sie den Seelsorgern mit auf den Weg.

Auch in der Ökumene und im interreligiösen Gespräch komme es darauf an, direkt miteinander zu reden, nicht übereinander, war ihr Motto.

Persönliche Kontakte zur jüdischen Gemeinde und zu den muslimischen Moscheen waren ihr wichtig. Auch den Muezzin-Ruf könne sie in Hamburg akzeptieren, erklärte sie. Ihr Verhältnis zum katholischen Weihbischof Hans-Jochen Jaschke und zu Erzbischof Werner Thissen galt zuletzt als ausgezeichnet. epd

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