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Schneider fordert grundlegende Konsequenzen

Aus dem Ruder gelaufene Finanzmärkte zähmen

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, fordert grundlegende Konsequenzen aus der anhaltenden Finanzkrise.

Die Schuldenpolitik der letzten Jahrzehnte müsse beendet werden, sagte er am Montag vor der Synode seiner rheinischen Landeskirche in Bad Neuenahr. Außerdem müsse »das Primat der Politik gegenüber den Finanzmärkten weiter durchgesetzt werden«.

Die verzweifelten Rettungsversuche der Politik zeigten, »dass einiges grundsätzlich aus dem Ruder gelaufen ist«.

Schneider begrüßte die weltweite Occupy-Bewegung. Sie nähre die Hoffnung, »dass das Bemühen der Politik, den 'Casino-Kapitalismus', organisierte Verantwortungslosigkeit und Gier zu zähmen, Unterstützung aus der Bevölkerung erfährt«.

In Deutschland muss nach Schneiders Ansicht mehr gegen wachsende Armut getan werden.

Politische Regelungen wie Mindestlöhne seien nötig, um Menschen vor Ausbeutung etwa im Niedriglohnsektor zu schützen. »Viele Menschen verdienen durch ihre Arbeit so wenig, dass sie trotz einer Vollzeitstelle die Armutsschwelle nicht überschreiten können«, kritisierte der Theologe.

Im Alter sei dann auch die Rente nicht existenzsichernd. Kinderarmut schließe schon junge Menschen von gesellschaftlicher Teilhabe aus.

Selbstkritisch äußerte sich der rheinische Präses zum Finanzskandal beim Beihilfe- und Bezügezentrum (bbz) in Bad Dürkheim, das der Evangelischen Kirche im Rheinland gehört und durch riskante Spekulationen an den Rand des Ruins geraten war - die Kirche musste 20 Millionen Euro zuschießen.

Die Firma habe »offenkundig selbst Maß und Ziel aus den Augen und damit viel Geld verloren«.

»Auch kircheneigene Firmen genügen nicht den von uns erkannten Wegweisungen Gottes für ein gerechtes Wirtschaften.«

Das beschädige auch das öffentliche Eintreten der Kirche für ein gerechtes und nachhaltiges Wirtschaften.

Die Synode sollte am Montagnachmittag in nichtöffentlicher Sitzung ausführlich über die Vorgänge informiert werden. In dem Skandal geht es auch um kriminelles Handeln. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs und Bilanzfälschung, die rheinische Kirche untersucht parallel Fehler bei der Aufsicht über das Unternehmen. epd

Dieser Beitrag wurde am 9.1.2012 um 11.34 Uhr veröffentlicht.

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