Woche vom 4. bis 10. Dezember
Weg der Erfüllung
Sonntag (2. Advent): Psalm 80 ; Montag: Jesaja 42, 18-25; Dienstag: Jesaja 43, 1-7; Mittwoch: Jesaja 43, 8-13; Donnerstag: Jesaja 43, 14-21; Freitag: Jesaja 43, 22-28; Samstag: Jesaja 44, 1-8
Wie eine liebevolle Zwiesprache einer Mutter oder eines Vaters mit ihren Kindern lesen sich häufig diese Abschnitte des Deutero-, also des zweiten Jesaja. Es finden sich Trostworte von unglaublich lebendiger Kraft, die ursprünglich den Verzagten im babylonischen Exil gesagt wurden, die aber bis heute beim Hören oder Lesen mehr von der Nähe Gottes spüren lassen als man eigentlich in Worte fassen kann. Immer wieder zeigt sich: Trösten ist ermutigen und nicht beklagen oder bemitleiden!
Kyros ist nicht der Retter
Der christliche Leser geht natürlich mit dem Wissen und den Erfahrungen der heutigen Zeit an diese Texte heran und findet doch hier schon rund fünfhundert Jahre vor Christus vieles ausgedrückt, was sich durch ihn erst vollends erschließen lässt.
Der leidende Gottesknecht ist zum Beispiel ein Thema, das durch Jesus wieder aufgenommen wird und bis heute lebendig geblieben ist.
Aber man tut gut daran, sich zunächst die Situation vor Augen zu halten, in der sich die ersten Zuhörerinnen und Zuhörer dieser Verkündigung vorfanden.
Die alten Machtverhältnisse sind noch nicht zerbrochen, und auch die neue persische Weltmacht unter Kyros wird nicht das erhoffte Reich Gottes sein, obwohl der kommende Hoffnungsträger von Jesaja als „Gottes Hirte“ (44, 28), ja als „Gesalbter des Herrn“ bezeichnet wird.
Das sind „Titel“, die man in Israel ausschließlich dem Messias vorbehält! Aber in solchen Persönlichkeiten der Geschichte sahen die Israeliten Gott am Werk. Er zeigt sich hier gleichsam auf dem Weg der Erfüllung seiner Verheißungen.
Völker der Welt - immer im Blick
Die Wärme und Zuwendung, die Gott hier sein Volk Israel spüren lässt, verliert niemals den Blick auf die anderen Völker der Welt! „Gott redet mit Israel, aber er kümmert sich um die ganze Welt!“, so hat es einmal jemand ausgedrückt.
Jahwe ist darum in der Bibel nie wie ein National-Gott eines Volkes, auch nicht des erwählten, verstanden und dargestellt worden, sondern als der, der die gesamte Schöpfung und Geschichte in seiner Hand hält.
Darum können noch heute Menschen in diesen trostvollen Worten Gottes Liebe spüren, auch wenn diese ursprünglich nicht an sie gerichtet waren.
Leserinnen und Leser, die es gewohnt sind, mit einem Bleistift oder Farbmerker zu lesen, werden besonders in Abschnitten der kommenden Woche erleben, wie schnell die Seiten der Bibel „bunt“ werden.
Vielleicht sind bereits Stellen angestrichen, die jetzt im Advent beim Lesen an Lebenssituationen erinnern, die schwer waren und ohne Ausweg zu sein schienen. Bei aller Zuwendung, die Gott hier spüren lässt, gibt es aber auch mahnende Worte.
Denn bei dieser Liebe Gottes wäre jeder menschliche Götzendienst (44, 9) unverständlich und unverzeihlich. Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 11.12.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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