Woche vom 14. bis 20. Februar
Selbst Mördern eine Zuflucht
Sonntag: Psalm 31; Montag: 5.Mose 17, 14-20; Dienstag: 5.Mose 18, 9-22; Mittwoch: 5.Mose 19,1-13; Donnerstag: 5.Mose 24, 6-22; Freitag: 5.Mose 26, 1-15; Samstag: 5.Mose 30, 11-20
Nach dem Einsetzen eines religiösen Obergerichtes als letzter Instanz über der Gerichtsbarkeit der einzelnen Stämme wird nun ein „Königsspiegel“ vorgestellt, der den idealen Herrscher darstellt. Das wird zwar erst über 200 Jahre nach der Wüstenwanderung aktuell werden, wenn nach Saul und David in dessen Sohn Salomo der erste richtig orientalische Machthaber auf dem Thron sitzen wird.
Aber im Deuteronomium wird das Königsgesetz so dargestellt, als ob es schon vorsorgend in uralter Zeit gegeben gewesen wäre. Dieser König sollte einerseits vom Volk aus den eigenen Reihen gewählt werden.
Andererseits soll der von Gott auserwählte Mann bestimmt werden. Volkswahl und Gottesgnadentum schlossen sich also nicht aus.
Zuflucht für alle Mörder und Räuber?
In Kapitel 19 wird das Stichwort „Freistädte“ noch einmal ausführlich behandelt. Die Fälle werden aufgezählt, für die diese Zufluchtsorte gedacht waren.
Keineswegs also für Mörder oder Räuber, die aus niederen Motiven ihrem Nächsten nach dem Leben trachteten. Möglicherweise haben jedoch gegnerische Soldaten hier Zuflucht gesucht. Freistädte sollten nicht nur Lynchjustiz, sondern überhaupt weiteres unkontrolliertes und damit ungerechtes Töten verhindern, insgesamt also Schaden vom zukünftigen Zusammenleben und zwar „auf beiden Seiten der Schuld“ abwenden.
Die Lesung lässt zwar den Vers 21 aus, aber diese Stelle, die so oft missverstanden wurde, schließt den Grundgedanken ab: Für einen Zahn sollst du nur (!) einen Zahn und für ein Auge nur(!) ein Auge fordern oder eben einen entsprechenden Ersatz dafür, also nicht mehr, nicht das ganze Leben eines Menschen und erst recht nicht das Leben eines anderen Familien – oder Stammesmitgliedes.
Freu Entscheidung mit Konsequenzen
Diesen Gedanken greift Jesus auf und setzt ihn in der Bergpredigt (Matthäus 5,38) noch weiter fort: Ich aber sage euch, dass ihr dem Bösen nicht widerstreben (gewaltsamen Widerstand leisten) sollt! Das Gesetz „Auge um Auge“ ist also ein früher Schritt zur Besonnenheit, der versuchte, die Gewalt einzudämmen und die Ehrfurcht vor dem Leben als obersten Maßstab allen Handelns zu begreifen.
In Kapitel 30 wird ein wichtiger Text ausgesucht, den man insgesamt mit den Stichworten „Fluch und Segen“ überschreiben kann. Es geht um die freie Entscheidung des Menschen vor und für Gott. Denn die Tora ist keine Zwangsjacke, auch nicht das unüberschaubare Regelwerk, das jedermann auswendig lernen müsste, um irgendeinen hochkomplizierten Weltmechanismus zu bedienen.
Das Gebot Gottes ist ganz anders: Es ist einfach, es ist nahe, es kann in jedem menschlichen Herzen Platz finden. Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 21.2.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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