Woche vom 28. Februar bis 6. März
Sehen - und doch nicht sehen
Sonntag: Psalm 35, 1-16; Montag: Johannes 11, 32-45; Dienstag: Johannes 11, 46-57; Mittwoch: Johannes 12, 1-11; Donnerstag: Johannes 12, 12-19; Freitag: Johannes 12, 20-26; Samstag: Johannes 12, 27-36
Im Zusammenhang mit der Auferweckung des Lazarus steht auch eines der zentralen „Ich-bin-Worte“ Jesu. Nur bei Johannes sind insgesamt sieben dieser auffälligen Selbstbezeichnungen überliefert: Brot des Lebens (6, 35), Licht der Welt (8,12), die Tür (10,9), der gute Hirte (11), der Weinstock (15, 1), Weg und die Wahrheit und das Leben (14, 6) und das Auferstehungswort bei Lazarus (11, 25).
Ferner noch das A und O, was sich auf den ersten (alpha) und letzten (omega) Buchstaben des griechischen Alphabets bezieht (Offenbarung 1, 8). Eine Wurzel für diese Formulierungen liegt in der Gottesbezeichnung JAHWE, die allerdings eine konkrete, auch bildhafte Aussage spürbar vermeidet: Ich bin (eben), der ich bin!
Gott verweist auf Geschichte
Im Alten Testament stellt sich Gott ansonsten oft mit einem Verweis auf die Geschichte vor: Ich bin der Gott deiner Väter! Ich bin der Gott, der euch aus Ägyptenland geführt hat! Die johanneischen Worte sind auch keine präzisen, exakt greifbaren Definitionen, sondern inhaltsschwere Bildworte, die dann erst im Zusammenhang der jeweiligen Geschichte, hier also der Erweckung des Lazarus, ihre Leucht- und Aussagekraft entfalten.
Eine große Rolle spielt der Einzug Jesu in Jerusalem. Auch hier: Der Evangelist hat verschiedene Ebenen des Geschehens herausgearbeitet. Denn die Erniedrigung ist zugleich eine Verherrlichung, ja ein Triumphzug dessen, der unter „himmlischem Donner“ (12,29) den Ort seiner Herrschaft betritt.
Nichts gleicht dem scheuen Vorführen eines um Gnade flehenden Delinquenten auf seinem letzten Gang. Und es wird ferner klar: Jesus stirbt nicht deswegen am Kreuz, weil die zuständigen Priester und Richter und vielleicht auch noch die römischen Militärs es so wollen.
Jesus liefert sich selbst aus
Hinter allem steht der „Vollzug der Heilsgeschichte“ und die sehr bewusste Entscheidung Jesu, diesen Leidensweg und damit diesen Auferstehungsweg zu gehen. Er ist nicht der grausamen Willkür der Menschen ausgeliefert, sondern er liefert sich selbst dieser Gewalt aus, um einen neuen Anfang zu setzen.
Die Leute, die das miterleben, sehen alles mit offenen Augen, sie stellen die richtigen Fragen (12, 34), und sie entdecken sogar den Zusammenhang mit den Verheißungen der alten Propheten, Jesaja vor allem, und sie erkennen doch nicht das Licht, die Lichtgestalt, denjenigen, der die Welt nicht richten will, sondern retten.
Seine Taten sind Zeichen, Signale Gottes, Wegweiser, die alle Menschen zum Leben führen, wenn sie sich danach ausrichten.
Im Prolog des Evangeliums steht der Satz „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf!“ Beim Einzug in Jerusalem wird besonders offenkundig, was letztlich damit gemeint ist. Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 7.3.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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