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Seegeschichten

Stark befahren, nicht nur zu Zeiten Jesu, sondern auch noch heute: der See Genezareth. Foto: Hoeffchen

Stark befahren, nicht nur zu Zeiten Jesu, sondern auch noch heute: der See Genezareth. Foto: Hoeffchen

Sonntag: Psalm 53; Montag: Johannes 5, 31-47; Dienstag: Johannes 6, 1-15; Mittwoch: Johannes 6, 16-21; Donnerstag: Johannes 6, 22-27; Freitag: Johannes 6, 28-40; Samstag: Johannes 6, 41-59

Der Abschnitt für Montag gehört noch zu der Rede, die in 5,19 nach dem Ereignis am Teich Betesda in Jerusalem begonnen wurde.

Mit dem Kapitel 6 wechselt der Schauplatz des Geschehens nach Galiläa.

Wenn man so will, ist hier die eigentliche Heimat Jesu. Nazareth und Kfar Naum (Dorf des Naum, meist zu Kapernaum zusammengefasst) liegen nur rund 20 Kilometer entfernt. Die Heilquellen am Westufer des Sees Genezareth hatten dort ein Kurbad der Römer entstehen lassen, das nach dem Kaiser Tiberius genannt wurde.

Tiberias wurde aber von Juden gemieden und blieb lange Zeit eine Enklave der Besatzungsmacht.

Leben am See

Der See, der hier Galiläisches Meer genannt wird, ist wegen seines milden, subtropischen Klimas berühmt. Vor allem das Nord- und Westufer sind sehr fruchtbar. Rund 200 Meter liegt sein Wasserspiegel unter Normal-Null, von den Wassern des hohen Hermon (rund 3000 m) wird er aufgefüllt und ist außerordentlich fischreich.

Der historische Bund der zehn Städte (Dekapolis) zeigt, dass das Gebiet zwischen den Golan-Höhen im Osten und der Jesreel-Ebene im Westen gut besiedelt war. Hier verliefen internationale Handels- und Heerstraßen, hier spielte sich das „normale Leben“ ab. Hier ist auch vieles von dem geschehen, was in den Evangelien berichtet wird.

Johannes setzt andere Akzente

Die Speisung der Fünftausend ist für Johannes eher ein Auftakt. Er setzt die Akzente ein wenig anders als die Synoptiker, so nennt er die Jünger mit Namen, die im Vordergrund agierten. Und: Die Frage an Philippus „Wo kaufen wir Brot?“ kommt von Jesus, der damit den Jünger auf die Probe stellt.

Andreas, der Bruder des Simon Petrus, erscheint als Praktiker, der erstmal überschlägt, was überhaupt an Nahrung vorhanden ist, ehe er weiter plant. Vers 11 lässt sehr bewusst schon hier die sehr viel spätere Einsetzung des Abendmahls anklingen, die für die Leser des Evangeliums aber schon weit zurückliegende Vergangenheit ist.


Am Ende der Speisung will man Jesus zum König machen.

Zum ersten Mal kommt dieses Motiv hier vor, das dann in der Passionsgeschichte wieder aufgenommen wird: Pilatus fragt ihn (18,33 ff.): Bist du der Juden König? Und Jesus antwortet mit „Ja, aber nicht von dieser Welt!“ Dennoch wird der römische Statthalter diese Aussage über das Kreuz als Urteilsbegründung schreiben: Iesus Nazarenus Rex Iudaorum (kurz INRI).


Die Szene, in der Jesus bei Nacht übers Wasser geht, könnte man zwar auch mit den flachen Uferstellen erklären. Aber hier wird sie zum Zeichen und hat sich auch so in die Herzen der nachfolgenden Generationen eingeprägt: Er kommt zu mir, auch wenn alles verloren erscheint.

Walter Schroeder

Dieser Beitrag wurde am 25.7.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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