Woche vom 7. bis 13. März
Profil des neuen Lebens
Sonntag: Psalm 35, 17-28; Montag: Johannes 12, 37-50; Dienstag: Johannes 13, 1-11; Mittwoch: Johannes 13, 12-20; Donnerstag: Johannes 13, 21-30; Freitag: Johannes 13, 31-38; Samstag: Johannes 14, 1-7
Auffällig sind die häufigen und langen Reden Jesu, vor allem die Abschiedsreden, die sich ohne größere Unterbrechungen über fast fünf Kapitel erstrecken (13–17). Es sind nahezu ausnahmslos Reden, die später zusammengestellt worden sind, die also nicht als das Protokoll einer tatsächlich gehaltenen Ansprache zu verstehen wären, sondern aus der Sicht der späteren Gemeinde zusammengestellt worden sind.
Es geht bei den Reden vor allem um die Innenseite der Nachfolge.
Im Grunde ist auch die Fußwaschung eine Rede, denn es ereignet sich ja nicht die übliche Reinigung vor dem Betreten der Wohnräume, sondern eine Gleichnishandlung, eine sprechende Geste, die einen Lernvorgang der Jüngerinnen und Jünger ermöglicht.
Dabei zeigt das „christliche Menschenbild“: Hier tut einer freiwillig und ohne Gegenleistung etwas, was ansonsten nur von Unfreien, Unterworfenen oder Unterwürfigen, von Sklaven vorzugsweise getan wird, die auf niederster gesellschaftlicher Stufe stehen.
Rangfolge auf den Kopf gestellt
Hier tut genau das der Höchste und stellt damit die übliche Rangfolge auf den Kopf. Aber indem er das tut, stellt er damit das menschliche Miteinander wieder her, den Frieden, das Paradies, das Geschöpf so wie es der Schöpfer gemeint hat.
Selig seid ihr, wenn ihr das tut! Das heißt doch: Ihr werdet auf Erden wie im Paradies leben, wenn ihr euch untereinander genauso wertschätzt und behandelt.
Am Ende des Johannesevangeliums ist es die Trennung von Jesus, der Abschied von ihrem gemeinsamen Leben, der die Jünger ängstigt.
Angst und Schrecken aber helfen erfahrungsgemäß wenig weiter.
Sie lähmen und halten in der beklemmenden Angststarre fest wie das Kaninchen, das erstarrt zur Beute wird. Erzählt werden diese Szenen, damit die nachfolgenden Generationen Glauben lernen: Glauben nicht als „Für richtig halten von etwas Unwahrscheinlichem“, sondern im Sinne von Vertrauen: Ja, du kannst über diese Brücke zum Leben gehen!
Vertrauen ist darum nicht nur eine Leistung des Kopfes, sondern eine Lebenskraft. Gottvertrauen trägt dann noch, wenn vieles andere im Leben unsicher und zerbrochen ist.
Geschöpfe des einen Gottes
Die Leitlinie, die Jesus für das Leben gibt, ist das neue und alte Gebot der Liebe. Im Griechischen steht da das Wort „agape“, die teilende, achtsame, gerechte Zuwendung zum Mitmenschen, das friedliche, geradezu normale Verhalten zwischen Geschöpfen des einen Gottes.
Später hat man diesen Begriff für das Musterbeispiel christlichen Zusammenlebens genommen, für das Abendmahl.
Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 10.3.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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