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Woche vom 22. bis 28. August

Liebesbriefe, die in Bewegung setzen

Ein Liebesbrief, von Hand geschrieben. In Zeiten von E-Mail und SMS etwas Besonderes. Foto: Daniel Täger

Ein Liebesbrief, von Hand geschrieben. In Zeiten von E-Mail und SMS etwas Besonderes. Foto: Daniel Täger

Sonntag: Psalm 41, Montag: 1. Johannes 2,7-11, Dienstag: 1. Johannes 2,12-17, Mittwoch: 1. Johannes 2,18-29, Donnerstag: 1. Johannes 3,1-10, Freitag: 1. Johannes 3,11-18, Samstag: 1. Johannes 3,19-24

Es folgen nun drei Schreiben der frühen Christenheit, die als Johannesbriefe überliefert sind. Etwas gewöhnungsbedürftig ist die Anrede „Kindlein“, die mehrfach benutzt wird.


Vor allem als Verniedlichungsform wäre das heute noch nicht einmal im Kindergarten möglich, geschweige denn in einer Ansprache. Damals pflegte aber durchaus etwa ein Rabbi jeden „Sohn“ zu nennen, dem er Freundlichkeit und zugleich Überlegenheit beweisen wollte, auch wenn er selbst noch kein Greis war und keine besondere Zärtlichkeit signalisieren wollte.


Christen als Gottesfamilie

Solche Gepflogenheiten sind Kennzeichen einer Gemeinschaft, die sich selbst als große Familie versteht und zusammenhält. Dabei dürfen sich Christen sogar als Gottesfamilie erkennen (3,1). Als Söhne und Töchter sind sie eben nicht bloß Geschöpfe oder gar „Produkte“ eines „Herstellers“, sondern stehen in einem ganz anderen Verhältnis zum Schöpfer und Herrn aller Welt. In einer Gesellschaft mit Sklaven und unerbittlichen Herren und Eigentümern war das nicht nur damals ein gewaltiger und gewagter Entwurf des gemeinsamen Lebens.


Während das Johannesevangelium sich in vielen Teilen mit „den Juden“ auseinandersetzt, weil in ihnen der Unglaube „der Welt“ repräsentiert war, streitet der 1. Johannesbrief gegen Christen, die einem falschen, irreführenden Glauben an Christus huldigen. Er will also zu einer notwendig gewordenen Klärung innerhalb der Gemeinde führen. Beide, Evangelium und 1. Johannes, sind sprachlich und gedanklich verwandt. Dennoch gehören sie wahrscheinlich unterschiedlichen Zeitepochen an. Wobei man sich auch darüber klar sein muss, dass der Zeitfluss heute und damals ein anderer war.


Brief nach Ephesus keine E-Mail

Wir leben gegenwärtig in einer Epoche rasanter Entwicklung aller Kommunikationsmöglichkeiten. Computer und Handy, ja vorher auch Telefon oder Telegramm haben die Wege zwischen den Menschen verkürzt, so dass es uns heute schwer fällt, die Entwicklungen etwa zwischen den Gemeinden der frühen Christenheit überhaupt zu verstehen, die ohne diese Technik in ganz anderen Zeitmaßen verliefen. Ein Brief von Ephesus nach Korinth war oft Wochen unterwegs und konnte im Winter praktisch gar nicht zugestellt werden. Dieser griechische Lebensraum ist in etwa auch die Region, in dem die Johannesbriefe „lebten“.


Ein zentrales Stichwort der Briefe ist die Gottesliebe, die die andere Seite der Bruder- oder Nächstenliebe ist. Die „Liebe Gottes“ kommt im Sinne der „Liebe zu Gott“ (5,3) und in dem der „Liebe von Gott“(4,9) vor. Eine höhere Form der Liebe zu Gott als den Gehorsam gegen Jesu Wort kennt Johannes nicht. Walter Schroeder

Dieser Beitrag wurde am 29.8.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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