Woche vom 5. bis 11. Februar
Lebendige Erinnerung
Sonntag: Psalm 124; Montag: 1. Korinther 10, 14-22; Dienstag: 1. Korinther 10, 23 - 11, 1; Mittwoch: 1. Korinther 11, 2-16; Donnerstag: 1. Korinther 11, 17-22; Freitag: 1. Korinther 11, 23-26; Samstag: 1. Korinther 11, 27-34
Ein weiterer wichtiger Schlüsselsatz fällt: „Alles ist erlaubt, aber es frommt (nützt) nicht alles (10, 23).“ Es gibt auch die zerstörerische Freiheit (die nicht aufbaut 10, 23). Die eigene Freiheit ist an das Gewissen gebunden. Das Gewissen ist dabei nicht eine fremde, andere Stimme Gottes in mir, sondern das eigene Ich in der Verantwortung vor seinem Schöpfer. Da kann und darf niemand Verantwortung und auch Zuständigkeit von sich abwälzen.
In Kapitel 11 ist die Haltung des Paulus für heutiges Verständnis schwierig: Ist Jesus etwa nicht Gott und mit ihm auf gleicher Stufe? Wie ist das Verhältnis der beiden zueinander?
Und ferner: Ist der Mann wirklich des „Weibes Haupt“, obwohl doch Gott den Menschen als Mann und Frau geschaffen hat (1. Mose 1)? Und ist die Frage der Kopfbedeckung im Gottesdienst oder Haartracht tatsächlich von solchem Gewicht, wenn man das im Licht der christlichen Freiheit betrachtet? Oder geht es nur um einen Unterschied zu den Juden, wo die Männer beim Gebet immer einen Hut tragen?
Ein Stuhl blieb frei
Der Apostel geht auf eine weitere Anfrage der Korinther ein und wird gleich zornig. Denn beim Abendmahl ist es zu Entwicklungen gekommen, die Paulus ab sofort zu ändern befiehlt. Auch hier stehen die Spannungen innerhalb der Gemeinde im Hintergrund. Es wirkten sich die sozialen Unterschiede aus.
Das Abschiedsmahl Jesu mit seinen Jüngern war ein „richtiges“ Abendessen, allerdings ein sehr festliches zum Passah. Alle aßen gemeinsam die traditionellen Speisen, und es blieb sogar ein Stuhl frei für Arme (oder den Messias!).
In Korinth kam man offenbar so zusammen, dass jede Familie oder (nationale?) Gruppierung das eigene Abendbrot nach Geschmack und Geldbeutel mitbrachte und dann auch für sich verzehrte, so dass die einen viel, die anderen aber wenig oder gar nichts hatten.
Das gab natürlich zwangsläufig Ärger, vor allem dann, wenn sich dieses Essen dann im sakramentalen Abendmahl fortsetzte.
Erinnerung an erstes Abendmahl
Die korinthischen Missstände haben dazu geführt, dass später zwischen normaler Gemeindemahlzeit und Sakrament streng unterschieden wurde, was andererseits aber auch dahin führte, dass das Abendmahl sich zeitweise zu einer „entrückten, düsteren Feierlichkeit“ entwickelte.
Paulus erinnert an die Einsetzungsworte, die er wahrscheinlich schon so in den Urgemeinden Palästinas vorgefunden hat.
Das Abendmahl hat demnach nichts mit einer Totengedenkfeier zu tun, sondern ist lebendige Gemeinschaft mit Jesus, geradezu ein Akt der Verkündigung seiner Anwesenheit. Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 11.2.2012 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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