Woche vom 20. bis 26. November
Klugheit und Wachsamkeit

Das Ende steht ganz nahe bevor! So glaubten die frühen Christen. Heute scheinen solche Befürchtungen aus selbstgemachten Gründen manchmal nicht weniger realistisch. Foto: Arman Zhenikeyev
Ewigkeitssonntag: Psalm 126; Montag: Matthäus 24, 32-44; Dienstag: Matthäus 24, 45-51; Mittwoch: Matthäus 25, 1-13; Donnerstag: Matthäus 25, 14-30; Freitag: Matthäus 25, 31-46; Samstag: Jesaja 40, 1-11
Das Ende steht ganz nahe bevor! So glaubten die frühen Christen. Mit gutem Grund! Ging ihre Welt doch aus den Fugen. Nicht nur in Jerusalem blieb kein Stein auf dem anderen. Das Wertgefüge der Welt, alles Gewohnte und Gelernte war im Umbruch. Der endgültige Einsturz schien nur eine Frage der Zeit.
Gericht und Gnade sind Gott vorbehalten
Es hat später viele Völker gegeben, deren Welt in ähnlicher Weise ins Wanken geraten war. Die Weltkriege sind nur jüngere Beispiele in einer langen Geschichte! Wie die Urgemeinde haben ähnlich leidgeprüfte Generationen später aber auch erkannt, dass ihre Welt nicht die ganze Welt war.
Ihre eigene Endzeit war noch nicht die Endzeit des Kosmos.
Aber machte das für die, die zu ihrer Zeit buchstäblich am Ende waren, einen Unterschied?
Wie oft mögen in solchen Zeiten die Worte Jesu gebetet worden sein, die Matthäus vom Kommen Christi überliefert? Wie oft war die Zusage 24,35 letzter Trost und letzte Hoffnung zugleich: „Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen!“
Die Entscheidung zwischen Gericht und Gnade ist zwar Gott vorbehalten, und sein Handeln ist genau wie bei Hiob auch für Christen selten ganz zu entschlüsseln.
Klugheit und Wachheit sind angeraten
Aber eines gilt: Auch die Zeit des Wartens und der Katastrophen darf niemals die Zeit des Augenverschließens oder gar eines „Nach mir die Sintflut!“ sein. Klugheit und Wachsamkeit werden den Christen angeraten. Wenn es drunter und drüber geht, sind Christen nicht von verantwortlichem Handeln in der jeweiligen Gegenwart entbunden.
Deswegen steht an dieser Stelle das Gleichnis von den anvertrauten Zentnern, in dem nur der Knecht verurteilt wird, der seine Talente vergraben hat.
Oder das vom Weltgericht (25, 31), in dem Jesus darauf hinaus will, jeden Einzelnen in Not wie ihn selbst zu behandeln: „Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Mitmenschen, das habt ihr mir getan!“(25, 40).
Das ist Handeln, das am Ende auch vor Gott Bestand hat!
Man hat aus diesem Text später die „Evangelischen Räte“, also die Handlungsempfehlungen nach dem Evangelium für christliches, das heißt menschliches Handeln entwickelt.
Es sind keine revolutionären Sätze, die da stehen, sondern eigentlich Selbstverständlichkeiten.
Denjenigen, die nicht danach gehandelt haben, war das Versäumnis und die Schuld, die sie damit aufgehäuft haben, gar nicht mal bewusst. Bis heute liegt in dieser Oberflächlichkeit die eigentliche Katastrophe, die den Untergang der Menschlichkeit verursacht.
Mit dem Advent beginnt im Leseplan das Buch des zweiten Jesaja. Mit dem bewegenden Zuruf „Tröste, tröste mein Volk!“. und den „Gottesknechtsliedern“ gehört es zu den bekanntesten Schriften der Bibel.
Trösten heißt „ermutigen“, Wege bahnen durch Wüsten, nicht bemitleiden!
Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 26.11.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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