Woche vom 22. bis 28. Januar
Helfer statt Rächer

Streit untereinander bedeutet immer Sprengkraft in einer Gemeinde. Dagegen kämpft Paulus im Korintherbrief. Foto: Archiv
Sonntag: Psalm 86; Montag: 1. Korinther 6, 1-11; Dienstag: 1. Korinther 6, 12-20; Mittwoch: 1. Korinther 7, 1-9; Donnerstag: 1. Korinther 7, 10-16; Freitag: 1. Korinther 7, 17-24; Samstag: 1. Korinther 7, 25-40
Durch die Gruppierungen drohten der Gemeinde in Korinth richtige Spaltungen. Die sind inzwischen zwar längst Geschichte, aber die grundsätzliche Frage bleibt, wie viel Unterschiede in der Kirche denn überhaupt ausgehalten werden können oder müssen. Denn Spannungen gibt es bis heute, und das aus verschiedenen Gründen: Armut und Reichtum, Mode und Mentalität, andere Gewohnheiten in der Frömmigkeit: In welcher Sprache oder welchen Gewändern wird der Gottesdienst gehalten, welche Lieder werden gesungen, die orientalischen oder die westlichen? Und es reichte bis hin zu grundsätzlich abweichenden Auffassungen in Glaubensfragen.
Natürlich spielten auch bestimmte Personen eine Rolle. Allerdings stehen hinter persönlichen Querelen oft ungelöste Sachfragen. Man muss also – so würde man heute sagen – die Sach- und die menschliche Ebene auseinanderhalten.
Beziehung mit Sprengstoff
Auf ein Beziehungs-Problem ging Paulus bereits in 5,1ff. besonders ein, und das ist das zerstörerische Verhältnis, das ein Gemeindeglied mit der Frau seines Vaters hatte, wobei aus dem Text nicht eindeutig hervorgeht, ob es sich dabei etwa um die zweite Frau eines geschiedenen oder verwitweten Vaters handelte oder gar um die eigene Mutter des Missetäters. Wie auch immer: Ein solche Beziehung ist „Sprengstoff“, der ein glaubwürdiges Gemeindeleben, und zwar sowohl was die Wirkung nach innen als auch die nach außen betrifft, unmöglich macht. Paulus erwähnt die „seelsorgerliche Lösung“ für diesen Fall noch nicht einmal. Es genügt auch nicht die stillschweigende Isolierung des Betreffenden. Die Übergabe an den Satan (5,5) heißt wohl, dass hier ein klarer Ausschluss aus Gemeinde und Kirche stattfinden muss.
Helfer zum Recht anstatt Rächer
Peinlich für eine Gemeinde ist es ferner, wenn es zu Rechtsstreitigkeiten untereinander kommt (6,1ff.): Geldforderungen, Erbstreitigkeiten, Grundstücksgrenzen – der Katalog der Rechtsfälle wird heute nicht sehr viel anders aussehen als damals.
Die Vision des Paulus ist es, dass alle Christen gewissermaßen für die übrige Welt Richter und Schiedsleute, also Helfer zum Recht, nicht jedoch Rächer sein sollten, souverän und wohl wissend, „wes Geistes Kind wir sind!“
Schwierig ist die Position des Apostels zu Ehe und Ehelosigkeit. Kann man die Ehe wirklich nur aus dem Negativ-Argument der sonst drohenden Unkeuschheit verstehen (7,2). Ist das „Single-Dasein“ tatsächlich die geistlich höherwertige Lebensform? Und sind die Beschreibungen der männlichen und weiblichen Charaktereigenschaften sowie die daraus folgenden Rollenverteilungen so ohne Weiteres akzeptabel? Sicher nicht! Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 22.1.2012 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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