Woche vom 20. bis 26. Dezember
Heil - erhofft aber noch nicht erschienen
Sonntag: (4.Advent) Lukas 1, 68-79; Montag: Maleachi 2, 17-3, 5; Dienstag: Maleachi 3, 6-12; Mittwoch: Maleachi 3, 13-18; Donnerstag: (Heiligabend) Maleachi 3, 19-24; Freitag: (1.Weihnachtstag) Psalm 2; Samstag: (2.Weihnachtstag) Lukas 2, 29-32
Maleachi (=mein Bote) ist möglicherweise ein „Kunstname“ für einen, der den „Schicksalsspruch Jahwes gegen Israel“ überbrachte. Der zerstörte Tempel war inzwischen mit der Kraft der Hoffnung wieder aufgebaut worden.
Die Gebäude stehen! Die Gottesdienste sind in Gang, und auch die Stadt Jerusalem hat ihre Ordnung. Aber damals wie heute geht die Zeit weiter.
Trotz dieser guten Voraussetzungen herrscht eine gewisse Müdigkeit und Gleichgültigkeit gerade bei den „Frommen“. Zweifel an der Kraft der Nächstenliebe und überhaupt der Macht Gottes sind aufgekommen.
Dazu treten um den Tempeldienst herum schlimme Zustände zutage: Korruption beim Verteilen der Opfer! Insgesamt zeigt sich der fromme Alltag wie die Krise in einer Ehe, bei der dem „Weib deiner Jugend“ eines fremden Gottes Tochter vorgezogen wird.
Gott ruft zur Umkehr des Lebens
Hinter diesen Anschuldigungen stehen vermutlich die Scheidungen der Heimgekehrten, die womöglich ihre alten Bindungen aufgelöst hatten, um im Exil einheimische Frauen heiraten zu können.
Gegeißelt werden auch die Einstellungen gegenüber Arbeitern, Witwen, Waisen und gegen Fremde, aber auch gegenüber abergläubischen Gebräuchen. Und die alte Frage quält: Ist Gott angesichts solcher Realität gerecht?
Alle Bittprozessionen zu Jahwe, auch wenn sie „seinen Altar mit Tränen bedecken“, nützen nichts, sondern auf die Änderung des Lebens kommt es an.
Aus heutiger Sicht vollzieht sich die Prophetie des Maleachi in engen zeitgeschichtlichen, ja wohl auch national-partikularistischen Grenzen jener Zeit des Wiederaufbaus. Aber wie nach jeder Katastrophe zeigte sich auch hier, dass es nicht genügt, einfach das Alte wieder herzustellen, sondern es muss vor allem Platz für neuen Geist sein. Und dieser Neue ist der Herr, den ihr sucht!
Warum bleibt Gott aus?
Der letzte Prophet des ersten Testamentes ist noch ganz in der Gedankenwelt „vor Christi Geburt“ befangen und gefangen. Er steht für die Hoffnung auf das erwartete, aber noch nicht in Erscheinung getretene Heil.
Immerhin wurde damals auch deutlich, dass die Gründe für das Ausbleiben nicht bei Gott liegen, der seinen Geschöpfen zugewandt ist, sondern allein bei dem Volk und dessen Menschen und damit auch Gott unwürdigem Verhalten.
Diese prophetischen Texte begleiten in diesem Jahr bis Heiligabend und wollen helfen, die weihnachtliche Botschaft auf dem rechten Hintergrund zu verstehen.
Wenn die Sonne der Gerechtigkeit aufgeht und sich unter ihren Flügeln das Heil ausbreitet, ist das auch der große und schreckliche Tag des Herren, dem wir mit jedem Jahr näherrücken. Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 27.12.2009 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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