Woche vom 18. bis 24. September
Geisterscheidung
Sonntag: Psalm 78, 32-55; Montag: Matthäus 15, 21-28; Dienstag: Matthäus 15, 29-39; Mittwoch: Matthäus 16, 1-12; Donnerstag: Matthäus 16, 13-20; Freitag: Matthäus 16, 21-28; Samstag: Matthäus 17, 1-13
Jesus ist unterwegs, und es geschehen aufregende Dinge, die für die Menschen durchaus noch mehrdeutig blieben. Sie riefen Zorn hervor und Unsicherheit, Hoffnung und völlige Neuorientierung.
Erneut wird von einer Speisung tausender Menschen berichtet.
Forscher vermuten, dass es sich bei 14,13 und 15,32 vielleicht nur um ein einziges Ereignis handelte. Gerade für spätere Generationen, die den Hunger kennenlernen mussten, wurde es wichtig, dass Jesus den Hunger kannte und teilte.
Aber worin besteht eigentlich das Wunder?
Hat Gott die Nahrungsmittel wunderbarerweise vermehrt? Oder erlebten viele, dass man auch von wenigem satt werden kann? Oder hat Jesus Menschen dazu gebracht, wirklich zu einer Gemeinschaft zu werden und Mitgebrachtes zu teilen?
Und: Bei welcher der drei Möglichkeiten wäre eigentlich das größte Wunder passiert?
Die Geister scheiden sich. Caesarea Philippi ist ein Wendepunkt. Die eigentliche Passion beginnt. Hoch im wunderschönen Norden Israels liegt diese antike Stadt am Fuße des gewaltigen Hermonberges.
Für die Juden überwiegend heidnisches Gebiet, denn dort befindet sich an einer der drei Jordanquellen eine heilige Grotte, die seit Antiochus Epiphanes (= der erschienene Gott!) dem Hirtengott Pan geweiht war.
Genau hier nun baute Herodes wiederum einen Tempel, in dem allerdings der römische Imperator Augustus als Gott (!) verehrt wurde. Der Tetrarch (Fürst) Philippus schließlich nannte diesen Ort „Kaisarea“ als Huldigung an die Weltherrschaft Roms, jener „pax Romana“, die auf den Schwertern der Legionen ruhte.
An diesem Ort stellt Jesus denen, die ihm nachfolgten, die Frage: Wer sagt denn ihr, dass ich sei (16,15)?
Das richtet sich ganz deutlich auch gegen den Anspruch Roms! Bei Jesus gilt: Wer meinen Frieden will, nehme sein Kreuz auf sich (16, 25)! Seine Herrschaftsankündigung ist eine Leidensankündigung (16, 21)!
Das Petrus-Bekenntnis wird mit auffälligen Abweichungen überliefert.
Bei Markus lautet es: Du bist der Christus! (Markus 8, 29). Bei Lukas klingt das griechischer: Wir halten dich für den Gesalbten („Kronprinzen“) Gottes! (Lukas 9, 20) und Johannes schreibt vom „Heiligen Gottes“(Johannes 6, 68).
Bei Matthäus hingegen steht: „Du bist Christus (Messias)“ mit dem Zusatz: „des lebendigen Gottes Sohn“. Will sagen: Jesus – und das war den Juden wichtig – bleibt der Einzigartigkeit Gottes untergeordnet.
Später hat die wachsende Kirche in einem völlig anderen geistigen Umfeld diese „Subordination Jesu“ verwerfen müssen und in dem schwierigen Dogma von der Dreieinigkeit ihren Glauben formuliert. Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 25.9.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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