Woche vom 31. Januar bis 6. Februar
Führt Gott Krieg?
Sonntag: Psalm 119, 73-80, Montag: 5. Mose 9, 1-6, Dienstag: 5. Mose 9, 7-21, Mittwoch: 5. Mose 9, 22-29, Donnerstag: 5. Mose 10, 1-9, Freitag: 5. Mose 10, 10-22, Samstag: 5. Mose 11, 1-12
Wir sahen bereits die Einschränkungen: Israel ist nicht etwa deshalb von Gott „unter Vertrag genommen“, „auserwählt worden“ wie es heißt, weil es zahlreicher oder mächtiger oder frömmer oder überhaupt irgendwie besser gewesen wäre als sie.
Der Grund für Gottes Erwählen ist einzig seine Entscheidung und bleibt unergründlich. Was für Israel heißt: Die rechte Frömmigkeit ist das Leben in Gottes Freiheit, ohne Überheblichkeit, sondern im Nachdenken, mit Augenmaß und in Dankbarkeit.
Luther übersetzt „Wir sollen Gott fürchten und lieben!“ Wobei die Furcht nicht die niederdrückende Angst oder gar Verzweiflung ist, sondern Ehrfurcht, Respekt vor Gottes Wohltaten und Güte.
Vertragstreue zu Gott
Auch der Gehorsam ist nicht das Aufgeben des eigenen Willen oder der Verantwortung. Biblischer Gehorsam ist das freie und verantwortliche Handeln, Vertragstreue zu Gott gewissermaßen. Jesus wird sagen: Ihr seid Beauftragte, aber auch Bevollmächtigte, die mit ihren anvertrauten Talenten sinnvoll umgehen und Gewinn an Leben erwirtschaften sollen.
Es gibt aber auch eine Kehrseite in dieser Geschichte, die vielen zu schaffen macht. Von Anfang der Landnahme an ist nämlich klar, dass sich das Volk Israel keineswegs in ein unbesetztes Land begibt. Es hat schwere, entsetzliche Kämpfe gegeben, ehe Israel das Land übernehmen konnte.
Brutale, blutige Eroberung
Gewiss, es gab manchmal auch ein schiedlich-friedliches Miteinander, das durch Verhandlungen zustande gekommen war, aber sehr häufig eben auch diese brutale und blutige Eroberung mit ungezählten Opfern und unermesslichem Leid.
Und was uns heute besonders problematisch erscheint: Die Berichte – wie hier in 9,1ff – schildern das so, als ob Gott selbst diesen Kampf geführt habe, hinter dem die Eindringlinge nur nachrücken brauchten, um zum Sieg zu kommen.
Führt Gott Krieg, gibt es Gotteskriege?
Waren es denn nicht Menschen, die da kämpften? Und waren etwa die Opfer nicht genauso Geschöpfe Gottes?
Es mag ja sein, dass auch diese Völker wie überhaupt alle Menschen zu gottlosem Treiben entartet waren, aber die Frage, woher die das denn wissen konnten, bleibt unreflektiert. So bekommen sie keine Chance zur Besserung, zur Buße und Umkehr, wie später selbst das heidnische Ninive.
Oder wie zuvor Sodom und Gomorrha, für die Abraham beherzt Fürbitte einlegte: Herr, wenn nur zehn Gerechte dort wohnen… Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 7.2.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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