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Erhaben - aber nicht fern

Warten auf den einen. Im Advent wird daran erinnert. Heute warten wir auf sein Wiederkommen. Foto: Archiv

Warten auf den einen. Im Advent wird daran erinnert. Heute warten wir auf sein Wiederkommen. Foto: Archiv

Sonntag: Psalm 85, 2-8; Montag: Jesaja 44, 21-28; Dienstag: Jesaja 45, 1-8; Mittwoch: Jesaja 45, 9-17; Donnerstag: Jesaja 45, 18-25; Freitag: Jesaja 46, 1-13; Samstag: Jesaja 49, 1-6

Gerade im Advent können wir gar nicht anders, als diese uralten Abschnitte mit neutestamentlichen Augen zu lesen. Wir warten nicht mehr auf die Geburt des Heilandes, wohl aber auf sein Wiederkommen. Auch die Gemeinde, die ihre Jahre nach der Geburt Christi zählt, ist eine wartende Gemeinde geblieben. Wir wissen, wer gekommen ist, und wissen deswegen auch, wer kommen wird.

In den Zeiten des babylonischen Exils war das anders.

Es ist zwar dieselbe Hoffnung, die im Glauben an Gott begründet ist, und es ist auch noch immer so, dass Christen wie damals die Israeliten im Exil das Gefühl haben, sie lebten in einer fremden Welt.

Aber ihre Hoffnung trägt inzwischen einen Namen: Jesus.

So empfinden Christen bei diesen Prophetenworte, als ob Christus durch sie spräche. Gott handelt um seines Volkes willen, hieß es damals, Gott handelt um seiner Gemeinde willen, wird es später heißen, wobei sowohl das Volk zuvor als auch jenes danach nicht verdient hat, was Gott da tut.

Der will durch die Ausgießung seines heiligen Geistes auf das Dürre (44, 3) die große Erneuerung bewirken. Gott erweist sich als der Erste und Letzte.

Wie lächerlich sind da die menschlichen Götzen! Nehmt doch Vernunft an (44, 19)!, mahnt der Prophet.

Die Vernunft ist hier geradezu der „Bruder des Glaubens“, ganz anders jedenfalls als bei den Wahrsagern und Weissagern und den Weisen im Tor, die wie Narren sind.

Die Befreiung aus Babel ist nur der äußerlich sichtbare Vorgang, in Wirklichkeit hat Gott sein Volk in seinem Inneren erlöst und die Gottesblindheit wie einen Nebel weggenommen.

In 44, 21hatte Luther noch übersetzt „Israel, vergiß Mein nicht!“ Aber das andere ist dafür die Voraussetzung, nämlich Gottes: „Israel, ich vergesse dich nicht!“ Gottes Führung erscheint als Gottes Zuwendung und nie als Willkür.

Mit ähnlichen Worten wie bei Hiob werden die zurechtgewiesen, die Gottes Handeln kritisieren (45, 9).

Sie werden daran erinnert, dass Gott nie nur für ein Volk handelt, sondern immer die ganze Welt, ja den ganzen Kosmos im Blick hat. Kyros hat nur die Aufgabe, Jerusalem wieder aufzubauen und die Gefangenen los zu lassen (45, 13).

Bei aller Nähe und Liebe bleibt Jahwe ein „verborgener Gott“(45, 15), auch wenn Kyros als „Gesalbter“ und als „Hirte“ Jahwes bezeichnet wird.

Gottes Erhabenheit macht ihn nicht zu einem fernen Gott.

Gott erscheint bei Jesaja als derjenige, der seinem Volk lebendig gegenüber steht, im Dialog ist, der ruft und lockt und mahnt. Auch Gottes Walten in der Natur (wie in Kapitel 40) ist hier nicht als theoretisches Nachsinnen über den Ursprung aller Dinge zu verstehen.

Der Schöpfer ist der Herr alles Geschehens hier auf dieser Welt.

Walter Schroeder

Dieser Beitrag wurde am 18.12.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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