Woche vom 1. bis 7. August
Ein unerhörte Geschichte
Sonntag: Psalm 42
Montag: Johannes 7, 40-52
Dienstag: Johannes 7, 53 - 8, 11
Mittwoch: Johannes 8, 12-20
Donnerstag: Johannes 8, 21-29
Freitag: Johannes 8, 30-36
Samstag: Johannes 8, 37-45
Die Begegnung Jesu mit der Ehebrecherin (7, 53-8, 11) ist von keiner der alten Handschriften vor dem 5. Jahrhundert bezeugt, auch nicht von den wichtigen Bodmer Papyri P66 und P75 , die um 200 oder kurz danach geschrieben und erst 1956 bis 1961 veröffentlicht wurden. Sie gelten in gewisser Weise als Schlüsseldokumente der frühen Textgeschichte.
Gerade der Papyrus Nr. 66 dokumentiert ansonsten das Johannesevangelium bis 14, 30 ohne Lücke und den Rest zumindest fragmentarisch, so dass der fragliche Abschnitt eigentlich enthalten sein müsste, der fällt zudem auch sprachlich aus dem Rahmen.
Erst danach gibt es Handschriften, die diesen Text hier eingefügt haben oder aber ihn schon nach 7, 36 einsetzen, einige sogar erst nach 21, 25. Ob dieser Einschub also möglicherweise vom Verfasser dieses späteren Schlusswortes stammt (21, 24), mag dahingestellt bleiben.
Man muss festhalten: Zum ältesten vorhandenen Textbestand gehört dieser brisante Abschnitt nicht. Warum? Kann es sein, dass man diese Geschichte sehr früh „ausgeblendet“ hat, weil sie so viel „gesellschaftliche Sprengkraft“ in sich hatte?
In der jungen Christenheit, wo die intakten Familien wieder die Bausteine wurden, aus denen sich die Gemeinde baute, störte dieser Bericht. Erst Jahrhunderte später wurde er wieder entdeckt und neu eingefügt.
Viele inhaltliche Argumente sprechen dafür, dass es sich bei der Begegnung mit der Ehebrecherin um ein tatsächliches Ereignis im Leben Jesu handelt. Entlarvend ist ja auch, wie sich das öffentliche Interesse nahezu ausschließlich auf die Frau fokussiert.
Weder der Ehemann tritt in Erscheinung noch wird die Frage, warum denn die Ehe zerrüttet war, beantwortet. Auch der andere beteiligte Mann wird nicht identifiziert.
Und wie ging es weiter? Ging die damalige Gesellschaft wirklich davon aus, dass nach diesem Vorfall alles beim Alten bleiben konnte und die Frau einfach zurückkehrte, oder kam es zu einer Scheidung und gar zu einer neuen Ehe? Gab es Kinder?
Erst am Ende des Mittelalters, als die Reformation und mit ihr die Neuzeit bereits heraufdämmert, wird dieses Thema auch von der Kunst aufgenommen. Die Cranach-Zeit geht sogar soweit, dass Jesus die Hand der Frau ergreift, eine Geste von unerhörter Provokation!
Aber diese Entwicklung hat nicht hindern können, dass im Namen der Kirche weiterhin bei Ehebruch vor allem Frauen verleumdet und gar als Hexen verbrannt wurden.
Also genau das Gegenteil von dem geschah, was Jesus damals wollte, als er für die Frau einen neuen Anfang möglich machte.
Dieser Beitrag wurde am 8.8.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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