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Woche vom 15. bis 21. August

Der andere Held

Der Hirte: Trost oder überstrapaziertes Bild? Foto: Archiv

Der Hirte: Trost oder überstrapaziertes Bild? Foto: Archiv

Sonntag: Psalm 148
Montag: Johannes 10, 11-21
Dienstag: Johannes 10, 22-30
Mittwoch: Johannes 10, 31-42
Donnerstag: 1. Johannes 1, 1-4
Freitag: 1. Johannes 1, 5-10
Samstag: 1. Johannes 2, 1-6

Das „Hirtenkapitel“ bildet den Schluss dieser Lesereihe im Johannesevangelium. Die Passion Jesu war ja schon in der Osterzeit an der Reihe. Es folgen noch die beiden Briefe aus dem Johannesschrifttum und ab Mitte Oktober passend zum zu Ende gehenden Kirchenjahr die Offenbarung.

Das zehnte Kapitel ist infolgedessen kein Schlusskapitel, sondern eine Art Mitte, während die Schlussreden ab Kapitel 17 so etwas wie der inhaltliche Höhepunkt des Evangeliums bleiben. Wobei man sich erinnern muss, dass der Hirte in Israel fast gleichbedeutend mit König ist.

Diese Helden waren zwar auch gewaltige Kämpfer, aber sie unterscheiden sich von denen, die auf Denkmälern mit voller Rüstung womöglich noch hoch zu Ross dargestellt werden. Der Hirte ist ein „anderer Held“.

Er steht für den vorbildlichen Machthaber und nicht nur den Kümmerer der Seelen. Dieser Herrscher geht mit dem Volk, er regiert nicht nur abgehoben über die Seinen, sondern ist gerade im Alltag mitten unter ihnen.

David, der erste glanzvolle König Israels, war ursprünglich tatsächlich Viehhirte und hatte bei dieser Tätigkeit alles seine Begabungen entfalten und die Fähigkeiten lernen können, die er später im Großen gebrauchen würde. Eine Herde in der Steppe und Halbwüste durch die Widrigkeiten des Klimas sicher zu Wasser und Weide zu führen und dann auch noch mit den wilden Tieren fertig zu werden oder aber mit anderen Nomandengruppen zu verhandeln oder zu kämpfen, die vielleicht zu derselben Wasserstelle unterwegs waren, setzte Geschicklichkeit und Klugheit und Verantwortung voraus.

Jedenfalls war das nicht jene kuschelige Idylle, die man auf späteren Jesusbildern findet. Das Bild von Jesus als dem sanften Hirten hat allerdings sehr die spätere Frömmigkeit geprägt, vielleicht zu sehr, denn etwa das andere Ich-bin-Wort dieses Kapitels (Vers 7) ist dabei ein wenig in den Hintergrund geraten, sehr zu Unrecht, denn Jesus als die Tür zur Gemeinschaft Gottes ist gewiss ein ebenso nachdenkenswertes Bild.

Ein bisschen spitz könnte man auch denken, dass dieses überzeichnete Bild vom guten Hirten später denen in die Hände spielte, die die Gemeinde wie eine Herde blökender und willenloser Schafe behandelten und meinten, nur sie hätten den Überblick und wüssten, wo es lang geht.

Der Auftritt des Hirten Jesus im Tempel führte damals in die Krise. Die Menschen ahnten: Das ist der Messias! Aber sie stellten seine Gottesnähe in Frage, weil sie nicht den Schritt des Glaubens tun wollten, der doch so einfach gewesen wäre. Vielmehr kommt es zu aufregenden Szenen, fast schon zum Aufruhr, bei dem man erneut zu den Steinen greift, um Jesus aus den Augen zu schaffen.

Walter Schroeder

Dieser Beitrag wurde am 22.8.2010 um 00.01 Uhr veröffentlicht.

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