Woche vom 7. bis 13. Februar
Bitterer Nachgeschmack
Sonntag: Psalm 119, 81-88; Montag: 5.Mose 11, 13-32; Dienstag: 5.Mose 12, 1-12; Mittwoch: 5.Mose 15, 1-11; Donnerstag: 5.Mose 15, 12-18; Freitag: 5.Mose 16, 1-17; Samstag: 5.Mose 16, 18-20
Im großen Komplex der Kapitel 12-26 geht es um allerlei Gesetze und Verordnungen. Bei manchen ist doch eine recht genaue Kenntnis der zeitgeschichtlichen Besonderheiten erforderlich, um den göttlichen und menschlichen und dann eben auch zeitlosen Sinn dieser Bestimmungen wirklich begreifen zu können.
Und hier wirkt sich auch die schon erwähnte Tatsache aus, dass das Buch Deuteronomium erst zusammengestellt wurde, als es den Tempel gab, der zur Zeit des Mose noch gar nicht im Blick war.
Noch nicht einmal Jerusalem war erobert. Diese Stadt bestand zwar schon zu Abrahams Zeiten, als dort der König von Salem residierte, dem der Patriarch huldigte.
David macht Jerusalem zur Hauptstadt
Und ganz nahe an der uralten Stadtsiedlung ist auf dem heutigen Tempelberg auch der Ort, wo Isaaks Opferung geschehen sein könnte. Jerusalem wurde jedoch erst durch David zur Hauptstadt Israels, und erst unter seinem Sohn Salomo wurde hier der Tempel als zentrales Heiligtum gebaut.
Bis dahin kamen die zwölf Stämme an mehreren heiligen Stätten zusammen: Bei Sichem zum Beispiel, auf den Gipfeln von Ebal und Garizim (11,29), jenen uralten Opferstätten, oder in Bethel, dem „Haus Gottes“ oder in Dan ganz im Norden des Landes.
Zwischen Gott und den Menschen spielte das Opfer insgesamt eine zentrale Rolle, und das wird bis in die Zeit der Propheten so bleiben. Bei Samuel beginnt dann: Gehorsam ist besser als Opfer (1. Sam 15, 22), bei Hosea geht es weiter: Ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer (Hos 6, 6) und in den Sprüchen wird ermahnt: Recht tun ist dem Herrn lieber als Opfer (Spr 21, 3).
Die bittere Kehrseite: Alle Andergläubigen raus!
Auf die Ermahnungen in Kapitel 11 geht der jüdische Brauch zurück, die kleinen Toratexte vor die Stirn und auf den Arm zu binden und an jede Haustür, damit immer bewusst bleibt: Es gibt keinen Raum, keinen Ort, keinen Menschen, überhaupt nichts, wo dieses von Gott gegebene Gesetz nicht gilt.
Dieser Totalitätsanspruch Gottes hat bei den Israeliten allerdings auch eine Kehrseite, die man klar sehen muss, auch wenn sie für unser heutiges Verständnis schwer zu verkraften ist.
Die Einwanderer werden aufgefordert, alle Andersgläubigen zu vertreiben und ausnahmslos alle religiösen Stätten zu zerstören: Das sollt ihr ausrotten! Da ist von Toleranz oder friedlichem Miteinander verschiedener Kulte oder auch nur ansatzweise von einem „Dialog über Gott und die Götter“ überhaupt nicht die Rede.
Das ist eine Radikalität, die erschrickt. Es gab nur ein unversöhnliches Entweder – Oder. Im Laufe der Geschichte und der Praxis des alltäglichen Lebens gab es allerdings ganz oft auch Beispiele eines nachbarschaftlichen Miteinanders.
Soll man sagen: Wie heute? Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 14.2.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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