Woche vom 29. August bis 4. September
Übersetzung - schwieriges Geschäft
Sonntag: Psalm 93; Montag: 1.Johannes 4, 1-6; Dienstag: 1.Johannes 4, 7-21; Mittwoch: 1.Johannes 5, 1-5; Donnerstag: 1.Johannes 5, 6-12; Freitag: 1.Johannes 5, 13-21; Samstag: 2.Johannes 1-13
Wenn man etwa in einem Hauskreis gemeinsam die Bibel liest, entdeckt man immer wieder, dass die verschiedenen Bibelausgaben Abweichungen enthalten.
Das sind sehr häufig einfach Übersetzungsvarianten für einen Begriff, der im Hebräischen oder Griechischen einen anderen Bedeutungsumfang hat als im Deutschen. Wenn Martin Luther den Leuten aufs Maul schaute, dann hörte er ein anderes Deutsch als heute.
Handschriftfung sorgt für Diskussion
Übersetzung bleibt ein ständig weiterlaufender, spannender Prozess. Manchmal gehen die Abweichungen aber auch auf Probleme zurück, die in der Überlieferungsgeschichte der Handschriften begründet sind.
Interessant ist in diesem Fall ein Einschub in 5, 7+8. Bekannt wurde er, der als wichtige Untermauerung der Lehre von der Trinität verstanden wird, als „Comma (=Ein- bzw. Abschnitt) Johanneum“, das erst kurz vor 400 in einigen Handschriften auftaucht, vorher jedoch nirgendwo.
Luther übersetzte die Stelle noch ohne diesen Einschub: „Denn drey sind die da zeugen auff Erden, der Geist und das Wasser und das Blut und die drei sind beysamen“.
Erst ein halbes Jahrhundert später hat ein Frankfurter Drucker das „Comma“ in die Lutherbibel eingefügt, in noch späteren Ausgaben wurde der Text dann eingeklammert oder als Anmerkung erwähnt. Seit 1998 ist er wieder im Fließtext abgedruckt: „Drei sind, die das bezeugen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins. Und drei sind es, die Zeugnis geben auf Erden: der Geist, das Wasser und das Blut, und diese drei sind eins.“
Gut gemeint - schlecht gemacht
Es zeigt sich also, dass spätere Generationen immer wieder am überlieferten Text „gefeilt“ haben. Sie haben gewissermaßen die Erkenntnis und Klärungen, die sich in Glaubensfragen im Laufe der Zeit ergaben, in den vorgefundenen Bibeltext aufgenommen, vielleicht zunächst als eine handschriftliche Anmerkung am Rand. Solche Veränderungen sind gut gemeint, aber sie bergen natürlich die Gefahr des Missverstehens und wohl auch der Verfälschung.
Der 2. und 3. Johannesbrief tragen deutlich Zeichen wirklicher Briefe. Als Absender wird ein Presbyter, ein „Ältester“ genannt. Das ist sicher nicht nur eine Altersbezeichnung, darf also nicht nur mit „der Alte“ übersetzt werden, sondern eher im Sinne vom lateinischen „Senator“, was ja auch von seneo, alt sein, herkommt, das waren gewiss Würdenträger, denen Ehre und Respekt entgegengebracht wurde, aber es waren auch die Bürdenträger für die alltäglichen Sorgen und Aufgaben jener Kirche, die als „ausgewählte Herrin“ und später auch als „Braut Christi“ mit ihren „Kindern“, also den Gemeindegliedern verstanden wurde.
Walter Schroeder
Dieser Beitrag wurde am 2.9.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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