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Arm sein wie Jesus?

Alle Christen arme Schlucker? Sicher nicht. Aber der eigene Reichtumg bleibt ein Stoperstein auf dem Weg der Nachfolge.

Alle Christen arme Schlucker? Sicher nicht. Aber der eigene Reichtumg bleibt ein Stoperstein auf dem Weg der Nachfolge.

Sonntag: Psalm 104; Montag: Matthäus 19, 13-15; Dienstag: Matthäus 19, 16-30; Mittwoch: Matthäus 20, 1-16; Donnerstag: Matthäus 20, 17-28; Freitag: Matthäus 20, 29-34; Samstag: Matthäus 20, 29-34

Das Gleichnis vom reichen Jüngling sitzt wie ein Stachel im Bewusstsein von Christen vieler Epochen. Es wäre auch falsch, den Vergleich mit dem Nadelöhr abzuschwächen, so als ob Jesus damit nur eine enge Straße in Jerusalem gemeint hätte, was übertragen bedeute: Ein bisschen wohlhabend darf ein Christ schon sein.

Die besondere Zuspitzung ergab sich bei dem jungen Mann vor allem dadurch, dass er seinen „Katechismus“ sehr gut kannte und durchaus ehrlich und nicht überheblich sagen konnte: Das alles habe ich gehalten und befolgt.

Nein, Jesus meint in der Tat: Bei den Menschen ist es unmöglich, unter der Last des Reichtums das ewige Leben zu erlangen. Immerhin: Gott kann das möglich machen!


Das Gleichnis von den „Arbeitern im Weinberg“ oder besser vom „gütigen Weinbergsbesitzer“ ist ebenfalls sehr zugespitzt und greift das Problem der sozialen Gerechtigkeit auf. Auch wenn es sich wohl nicht als Muster für Tarifverhandlungen eignet, steckt doch sehr deutlich die Aufforderung Jesu darin: Nehmt euch diesen Mann als Vorbild! Und die Mahnung: Gebt den Menschen zuerst, was sie brauchen, und dann das, was sie verdienen! behält ihren aufrüttelnden Charakter bis heute. Es geht um eine Umkehrung der Werte und des Denkens, wenn Jesus sagt: Die Ersten werden die Letzten sein! Aber das ist eben nicht eine Frage der eigenen Erwählung (wie man später durch eine deutende Ergänzung des Verses 20,16 meinte), sondern der eigenen Entscheidung.


Armutsideal bleibt Herausforderung
Das Gerechtigkeitsempfinden und das Armutsideal, das aus diesen Jesusworten erwuchs, haben sich im Laufe der Kirchengeschichte immer wieder ausgewirkt. Der Begründer des christlichen Mönchtums, der Ägypter Antonius, ist in die Einsamkeit der Wüste gegangen, nachdem er den Abschnitt vom reichen Jüngling im Gottesdienst gehört hatte. Der Verzicht der Mönche und Nonnen auf persönliches Eigentum und im Mittelalter dann die Bettelorden haben auch auf die übrige Gesellschaft ausgestrahlt und viele Reiche dazu gebracht, etwa Stiftungen zu gründen und Opfer zu geben. Auch die politischen „Väter“, die die sozial-ethische Bindung des Eigentums im deutschen Grundgesetz(GG 14,2) verankert haben, ja überhaupt die Vertreter der Idee einer Sozialen Marktwirtschaft stehen auf diesen Wurzeln.

In der Reformationszeit hat Martin Luther das Mönchtum scharf kritisiert. Das mönchische Ideal christlichen Lebens wurde in seinen Fehlentwicklungen und Missbräuchen entlarvt. Der Familienvater, der Handwerker und Bürger, aber auch der gütige Landesvater wurden christliche Leitbilder. Walter Schroeder

Dieser Beitrag wurde am 2.10.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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