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An den Wassern Babylons

Trauer um die verlorene Heimat. Foto: Wikipedia

Trauer um die verlorene Heimat. Foto: Wikipedia

Sonntag: Psalm 107; Montag: Jesaja 40, 12-25; Dienstag: Jesaja 40, 26-31; Mittwoch: Jesaja 41, 1-7; Donnerstag: Jesaja 41, 8-14; Freitag: Jesaja 42, 1-9; Samstag: Jesaja 42, 10-17

Es gibt drei gleichnamige Autoren, die im Jesajabuch zusammengefasst sind. Dem zweiten, dem Deutero-Jesaja, werden die Kapitel 40-55 zugeordnet. Er führt in die letzte Zeit des Exils nach Babylon. Eine Zeitenwende kündigt sich an: Das bislang vorherrschende assyrische Großreich wird durch den Perserkönig Kyros (559-530 v.Chr.) abgelöst werden, der im (heutigen) iranischen Bergland bereits seinen Siegeszug begonnen hat.

An den Wassern Babylons

Für die israelischen Exulanten, die in Babel inzwischen seit über zwei Generationen ihre nationale Identität und ihren Glauben bewahrt haben, bekommt die nie völlig erloschene Hoffnung einen neuen Namen: In Kyros, der selbst doch auch „nur“ ein heidnischer Machthaber ist, sieht die Gemeinde das Werkzeug Gottes für eine neue Zeit!

Nicht irgendeines fremden Gottes, sondern Jahwes, den die Israeliten als Gott ihrer Väter, als Garant ihres Königtums und als den kennengelernt haben, der in Jerusalem, im Tempel, das Unterpfand seiner Nähe und Gnade errichtet hat.

Sie werden nicht mehr länger an den Wassern Babylons sitzen und weinen (Psalm 137), sondern auf geebneten und gebahnten Wegen( Jesaja 40,3) zurückkehren.

Die Zeit der Klagelieder (etwa auch Jeremia 29) oder die schrecklichen Depressionen des Hesekiel werden ein Ende haben. Ja, es wird soweit kommen, dass Israel im Rückblick die schwere und lange Zeit des Exils als eine Schule des Glaubens betrachten kann.

Es wird der alte Glaube bleiben, an dem sie festhalten, aber es wird nach den Erfahrungen in der Verbannung kaum etwas beim Alten bleiben. Es wird ein erneuerter Glaube sein.

Gottesknecht als Symbolfigur

Jesajatexte sind nicht nur in ihrer äußeren Gestalt mit erstaunlicher Genauigkeit erhalten – wie die Schriftrollen von Qumran seit 1948 zeigen. Sie haben sich über die Jahrtausende auch für Christen eine Eindringlichkeit, ja Aktualität bewahrt, die den zeitlichen Graben mitunter vergessen lässt.

Eine besondere Rolle spielen bei Deutero-Jesaja die Lieder vom Gottesknecht: 42,1-9; 49,1-6; 50,4-9; und 52,13-53,12. Jener „ebed-jahwe“ –wie es hebräisch heißt, ist Sklave Gottes, sein Leibeigener, das ist aber hier weniger im Sinne von Rechtlosigkeit gemeint, sondern mehr im Sinne der Vertrauensstellung eines Mitarbeiters (wie später bei Paulus).

Dabei muss das nicht nur eine einzelne Persönlichkeit bedeuten.

Der Gottesknecht wird zur Symbolfigur, ja er personifiziert das ganze Volk! Bemerkenswert sind auch seine Eigenschaften und die Art seines Wirkens: In der Stille und ohne Gewalt handelt er. Seine Waffe ist das Recht, das auch für die Heiden gilt. Walter Schroeder

Dieser Beitrag wurde am 4.12.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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