Andacht für den 24. Januar
Zerbrechliches in Licht getaucht

Licht in der Finsternis. Das Dunkel, das vorher noch bedrohlich schien, ist jetzt vom Licht erfüllt und verliert seine Schrecken. Wenn der Lichtglanz Gottes in die Herzen fällt, wird alles anders. Bedrängte können aufatmen, Geängstete neuen Mut fasse
2. Korinther 4, 6-10: Denn Gott, der sprach: Licht soll aus der Finsternis hervorleuchten, der hat einen hellen Schein in unsre Herzen gegeben, dass durch uns entstünde die Erleuchtung zur Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes in dem Angesicht Jesu Christi.
Wir haben aber diesen Schatz in irdenen Gefäßen, damit die überschwängliche Kraft von Gott sei und nicht von uns. Wir sind von allen Seiten bedrängt, aber wir ängstigen uns nicht. Uns ist bange, aber wir verzagen nicht. Wir leiden Verfolgung, aber wir werden nicht verlassen. Wir werden unterdrückt, aber wir kommen nicht um. Wir tragen allezeit das Sterben Jesu an unserm Leibe, damit auch das Leben Jesu an unserm Leibe offenbar werde.
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Hans-Jürgen Knipp (53) ist Pfarrer in der Evangelischen Paulus-Kirchengemeinde Castrop
Müssten die Christen nicht erlöster aussehen (wie es der Philosoph Friedrich Nietzsche einmal gefordert hat)? Müsste ihr Licht nicht strahlender leuchten in dieser Welt? Müsste das Bekenntnis der Kirche in unserer Zeit nicht kraftvoller sein, um zu überzeugen?
Als der Apostel Paulus vor Damaskus mit dem Lichtglanz des auferstandenen Jesus konfrontiert wurde, da geschah etwas in ihm. Er erkannte in dem Angesicht Jesu die Herrlichkeit, den Glanz des Gottes, der am Anfang der Schöpfung das Licht aufleuchten ließ.
Dieser helle Schein strahlte bis in sein Innerstes und veränderte sein Leben. Von Gott erleuchtet wollte Paulus andere an diesem Licht Anteil nehmen lassen.
Sein „Damaskuserlebnis“ hat Paulus aber nicht zu einem religiösen Supermenschen gemacht. Er bleibt auch als Christ (und Apostel!) ein fehlbarer, angefochtener, schwacher Mensch. Er muss erfahren, dass der Schatz, den er gefunden hat, ihm nur in „irdenen“ zerbrechlichen Gefäßen zur Verfügung steht.
An Paulus ist (wie an den anderen Christen) wenig Herrlichkeit und viel Schwachheit zu sehen: Bedrängnis, Verfolgung, Niedergeschlagenheit, Unsicherheit, Ratlosigkeit. Die Apostelgeschichte des Lukas zeigt uns, dass Paulus den Weg oft nicht weiß. Allein, zu Fuß, ohne seine Begleiter legt er den Weg von Troas nach Assos zurück, um Klarheit zu bekommen über die nächsten Schritte (vergleiche Apostelgeschichte 20,13).
Gerne wäre Paulus gesünder, stärker, überzeugender, erfolgreicher gewesen. Er muss auch die bittere Erfahrung machen, dass andere ihn nicht als Apostel akzeptieren. Wieder und wieder hat er das alles vor Gott ausgebreitet und die Antwort bekommen: „Lass dir an meiner Gnade genügen“ (2. Korinther 12, 9).
Aber in der Glaubensbeziehung zu Jesus kann Paulus sein Leben (auch seine Niederlagen!) im Licht des neuen Lebens sehen, das einmal aufgeleuchtet ist. In den „Gebrochenheiten“ (manchmal auch „Zerbrochenheiten“) unseres Christenlebens leuchtet von Jesus her eine österliche Hoffnungsperspektive auf.
Ich denke an die ehemalige Leiterin unserer Frauenhilfe, die in diesen Tagen verstorben ist. Mit ihrer Beinprothese noch aus Kriegstagen war sie – trotz allem fröhlich – solch ein „Schatz in zerbrechlichem Gefäß“. Sie hat an ihrem Ort mit der eingeschränkten Kraft, die ihr zur Verfügung stand, andere Menschen begleitet, Grüße gesandt, gute Worte weitergegeben.
Auch die Bibel ist für mich ein „Schatz in irdenen Gefäßen“ – nicht irrtumslos und perfekt, sondern hineingegeben in unsere menschliche Anfechtbarkeit und Widersprüchlichkeit. Und doch leuchtet in ihr das Wort des Lebens. Wer sich auf sie einlässt, wird reichlich beschenkt.
Gott baut seine Gemeinde mit fehlerhaften und unvollkommenen Schwestern und Brüdern. Aber in den Widersprüchen unseres Lebens dürfen wir es glauben: Wir haben einen Schatz! Auch uns leuchtet das Licht, das auf dem Angesicht des auferstandenen Jesus erstrahlte.
Wir können es nur gebrochen weitergeben, in aller Schwachheit, Menschlichkeit und Unvollkommenheit. Nicht a1s „große Lichter“, aber als helle Lichtpunkte in der Dunkelheit, die anderen Mut machen, sich dem Licht zuzuwenden.
Was hatte Paulus zur Antwort bekommen? „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“(2. Korinther 12, 9)
Dieser Beitrag wurde am 23.1.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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Herr, gib mir Mut, für mein kleines Leben auf deine überschwängliche Kraft zu vertrauen. Gib mir Mut zur Liebe trotz Anfeindungen und Verdächtigungen. Gib mir Mut, deine Gemeinde mitzubauen trotz Rückschlagen und Erfahrungen der Vergeblichkeit. Lass dein aufstrahlendes Licht auch auf meinen Weg fallen. Amen. |
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