Andacht für den 7. Februar
Taufspruch an die Pinnwand

Segnender Zuspruch der Nähe Gottes – von Anfang an. Erwachsenen kann die Tauferinnerung Halt geben und Zuversicht in Gottes Treue.Der eigene Taufspruch sollte darum nicht in der Schublade verstauben. Er gehört mitten hinein in unser Leben. Foto: fede
Hebräer 4, 12-13: Denn das Wort Gottes ist lebendig und kräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, und dringt durch, bis es scheidet Seele und Geist, auch Mark und Bein, und ist ein Richter der Gedanken und Sinne des Herzens.Und kein Geschöpf ist vor ihm verborgen, sondern es ist alles bloß und aufgedeckt vor den Augen Gottes, dem wir Rechenschaft geben müssen.
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Prof. Christian Grethlein (55) ist Professor für Praktische Theologie (Religionspädagogik) an der Evangelisch-Theologischen Fakultät in Münster
Die Situation, in die hinein der Hebräerbrief spricht, ist uns vertraut. Die Menschen sind „harthörig“ gegenüber Gottes Wort (5, 11). Sie missachten den Gottesdienst (10, 25).
Und doch – das zeigt ein Blick in den griechischen Urtext – sind die Verse ein Gedicht: Ein Gedicht über das „Wort Gottes“. Gleich in fünffacher Weise, also hymnisch, wird das Wort Gottes beschrieben: Es ist lebendig und richtet.
Offenkundig enthält das Wort Gottes eine Kraft, die Leben ermöglicht und orientiert – auch in scheinbar trüben, gottvergessenen Zeiten. Es führt den Menschen zu einer „Ruhe“ (4, 11), die – wie die Psalmen zeigen – am besten in dichterischer Sprache formulierbar ist.
Die ganze Geschichte der Kirche kann als ein großes Bemühen verstanden werden, die Lebenskraft und Orientierung durch Gottes Wort anschaulich zu machen.
Auch heute noch wird jedem Menschen bei seiner Taufe ein solches Wort zugesprochen – ganz persönlich unter Auflegung segnender Hände. Bei der Konfirmation tritt ein neues Wort hinzu – nicht selten von den jetzt Herangewachsenen selbst ausgesucht.
Auch der gemeinsame Weg von Mann und Frau wird in der Trauung durch ein Wort Gottes begleitet. Zur Erinnerung werden alle diese Worte auf den entsprechenden Urkunden festgehalten. Und schließlich markiert ein Wort Gottes das Ende unseres Lebens als Christen.
Nicht selten ist dies der Tauf-, Konfirmations- oder Trauspruch. Sie dienen dem Pfarrer bzw. der Pfarrerin häufig dazu, das Handeln Gottes in dem Leben des Verstorbenen sichtbar zu machen.
Es lohnt sich, noch einmal die uns persönlich in Taufe, Konfirmation und vielleicht Trauung zugeeigneten Worte aus der Bibel zu erinnern oder nachzuschlagen. Oft sind sie wie Brennspiegel, in denen sich wesentliche Linien unseres Lebens bündeln. Sie enthüllen Gottes gute Begleitung, auch in schweren Zeiten, aber korrigieren auch Bisheriges.
Dahinter steht die Einsicht: Wir sind Gott nicht verborgen (Vers 13). Sein Wort eröffnet uns die Möglichkeit, uns selbst klarer zu erkennen, besser zu verstehen. Denn wir sind Gottes Geschöpfe und stehen von daher in einer unmittelbaren Verbindung zu ihm.
Hieran werden wir erinnert, wenn wir das uns persönlich in den genannten kirchlichen Handlungen zugeeignete Wort Gottes in Erinnerung rufen. Dabei ist es hilfreich, in doppelter Weise nachzusinnen: dem lebendigen und kräftigenden Impuls und der korrigierenden Orientierung.
Beides leistet Gottes Wort. Allerdings ist zu beachten: Die das Leben kräftigende Einsicht steht voran. Zuerst darf ich wieder gewiss werden, dass Gott mir mein Leben geschenkt hat und erhält – ich hoffe sogar über den Tod hinaus.
Erst dann kann die orientierende Seite von Gottes Wort in den Blick kommen. Auch sie ist nötig. Denn offenkundig vergesse ich immer wieder, dass Gott mich geschaffen hat und mich im Leben begleitet.
Schon seit längerem fällt mir in Büros und Arbeitszimmern auf, dass an der Wand oder an einem Pinn-Brett Sprüche hängen – manchmal lustige, manchmal ernste. Sie hängen neben den ebenfalls angeschlagenen Terminen und erinnern manchmal die Menschen an Wichtiges, das über das Tagesgeschäft hinausreicht.
Wie wäre es, wenn Sie Ihren Tauf- oder Konfirmationsspruch abschreiben und an das Pinn-Brett heften? Manchmal werden andere Zettel sich über ihn schieben – dann ist es vielleicht Zeit, auszusortieren und sich wieder auf das Wesentliche, Gottes Wort, zu besinnen.
Vielleicht könnte für ein Ehepaar der Trauspruch sogar eine Hilfe für die Ehe sein? Er wurde ihm in einem besonderen Moment ihres Lebens zugeeignet – Wort Gottes für ihre Ehe.
Ein solches Wort Gottes erinnert daran, wie viel wir von Gott geschenkt erhielten. Und es stellt kritisch die Frage, was wir daraus gemacht haben. Zu beidem will der Hebräerbrief uns veranlassen. Dabei können die uns persönlich in Gottesdiensten zugeeigneten Sprüche Hilfen sein.
Sie sind persönlicher Ausdruck des Segens Gottes, der uns begleitet.
Dieser Beitrag wurde am 6.2.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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