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Andacht für den 8. Januar

Sprung in der Schüssel

Wunderbare Feldblumen am Wegesrand. Sie brauchen nicht viel, um ihre Pracht zu entfalten. Ein wenig Sonne und natürlich Wasser. Manchmal hilft auch eine gesprungene Schüssel. Davon wird in der Andacht erzählt. Foto: Jaroslav Machacek

Wunderbare Feldblumen am Wegesrand. Sie brauchen nicht viel, um ihre Pracht zu entfalten. Ein wenig Sonne und natürlich Wasser. Manchmal hilft auch eine gesprungene Schüssel. Davon wird in der Andacht erzählt. Foto: Jaroslav Machacek

1. Korinther 1, 26-31: 26 Seht doch, liebe Brüder, auf eure Berufung. Nicht viele Weise nach dem Fleisch, nicht viele Mächtige, nicht viele Angesehene sind berufen. 27 Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er die Weisen zuschanden mache; und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, damit er zuschanden mache, was stark ist; 28 und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist, damit er zunichte mache, was etwas ist, 29 damit sich kein Mensch vor Gott rühme.

30 Durch ihn aber seid ihr in Christus Jesus, der uns von Gott gemacht ist zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung, damit, wie geschrieben steht: „Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!“

_______________________

Dagmar Grolman (44) ist Gemeindepädagogin und lebt in Herne


Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll.

Zwei Jahre lang geschah dies täglich: Die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.

Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau: „Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.“
Die alte Frau lächelte. „Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht? Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Fehlers bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.“ (Verfasser unbekannt)

Hätte ich zu Beginn der Geschichte wählen können, wäre ich gerne die makellose Schüssel gewesen: perfekt, zuverlässig, stark und mit einem ständigen Leistungshoch.
Überrascht musste ich dann allerdings zur Kenntnis nehmen, dass am Ende der Erzählung die unvollkommene Schüssel zu Ehren kommt.

Ähnlich ungewöhnlich und verrückt, dabei aber auch herrlich und herzerfrischend ist das, was Paulus den Korinthern, Ihnen und mir in den obenstehenden Bibelversen zumutet.
„Sondern was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt … und was schwach ist vor der Welt, das hat Gott erwählt…“ (Vers 27)

Und das mir, die ich gerne die Größte, Tollste, Schnellste, Schlauste, Schönste sein will. Mir, die ich mich lautstark brüste mit dem, was ich erreicht und geschafft habe. Mir, die ich anderen gegenüber keine Schwächen eingestehen will. Mir, die ich mich distanziere von denen, die weniger zu bieten haben, als ich; mir, die ich auch schon mal herabsehe auf Gestrandete und Dummköpfe.

„und das Geringe vor der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt, das, was nichts ist…“ (Vers 28)
Und das mir, die ich selber oft ein Dummkopf bin und an den einfachsten Dingen scheitere. Mir, die ich ängstlich bin und auf meinen eigenen Vorteil bedacht. Mir, die ich mir selbst und anderen nicht vergeben kann.
Gott wendet sich denen zu, um die ich einen großen Bogen mache, denen mit einem Sprung in der Schüssel; er wendet sich mir zu in meiner Schwachheit und Begrenztheit. Und er wendet sich nicht nur zu. Er hat „erwählt“, heißt es in bei Paulus. Er hat Sie und mich ausgesucht, an seinem Reich mitzubauen.

Genauso, wie die alte chinesische Frau die Unvollkommenheit der einen Schüssel nutzt und einsetzt für etwas Großes, Schönes, will Gott uns gebrauchen mit all dem, wo wir uns selber im Weg stehen, mit unseren kleinen und großen Macken.

„Wer sich rühmt, der rühme sich des Herrn!“ (Vers 31)
Hier geht es nicht um falsche Bescheidenheit. Es geht um die einzige mögliche Konsequenz aus Paulus’ Worten. Wir brauchen nicht stolz von uns zu sprechen, sondern können dankbar von dem Gott erzählen, der dafür sorgt, dass Gutes durch uns entstehen kann und Blumen wachsen.

Dieser Beitrag wurde am 7.1.2012 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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Gebet

Danke, Gott, dass du so ein wunderbarer und großer Gott bist, danke für deine Liebe zu uns Menschen. Danke, dass du uns brauchen willst in deiner Welt. Hilf uns, nicht zu vergessen, dass du der bist, der uns Begabungen und Können geschenkt hat. Amen.

Kommentare lesen
Lehmann schrieb am 17.01.2012 10:46:

Herzlichen Dank für diese anschauliche und auch zum Vorlesen wunderbar geeignete Andacht.

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