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Schrei nach Hilfe

Das uns anvertraute Kind, mit dem wir Schönes und Schweres teilen. Wir fühlen mit ihm und setzen alles in Bewegung, damit es ihm gut geht. Nichts anderes treibt einen verzweifelten Vater zu Jesus. Foto: dabobabo

Das uns anvertraute Kind, mit dem wir Schönes und Schweres teilen. Wir fühlen mit ihm und setzen alles in Bewegung, damit es ihm gut geht. Nichts anderes treibt einen verzweifelten Vater zu Jesus. Foto: dabobabo

Markus 9, 17-27: 17 Einer aber aus der Menge antwortete: Meister, ich habe meinen Sohn hergebracht zu dir, der hat einen sprachlosen Geist. 18 Und wo er ihn erwischt, reißt er ihn; und er hat Schaum vor dem Mund und knirscht mit den Zähnen und wird starr. Und ich habe mit deinen Jüngern geredet, dass sie ihn austreiben sollen, und sie konnten’s nicht.

19 Er aber antwortete ihnen und sprach: O du ungläubiges Geschlecht, wie lange soll ich bei euch sein? Wie lange soll ich euch ertragen? Bringt ihn her zu mir! 20 Und sie brachten ihn zu ihm. Und sogleich, als ihn der Geist sah, riss er ihn. Und er fiel auf die Erde, wälzte sich und hatte Schaum vor dem Mund. 21 Und Jesus fragte seinen Vater: Wie lange ist’s, dass ihm das widerfährt? Er sprach: Von Kind auf. 22 Und oft hat er ihn ins Feuer und ins Wasser geworfen, dass er ihn umbrächte. Wenn du aber etwas kannst, so erbarme dich unser und hilf uns! 23 Jesus aber sprach zu ihm: Du sagst: Wenn du kannst – alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt. 24 Sogleich schrie der Vater des Kindes: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! 25 Als nun Jesus sah, dass das Volk herbeilief, bedrohte er den unreinen Geist und sprach zu ihm: Du sprachloser und tauber Geist, ich gebiete dir: Fahre von ihm aus und fahre nicht mehr in ihn hinein! 26 Da schrie er und riss ihn sehr und fuhr aus. Und der Knabe lag da wie tot, sodass die Menge sagte: Er ist tot. 27 Jesus aber ergriff ihn bei der Hand und richtete ihn auf, und er stand auf.

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Pastor Günther Barenhoff (62) ist Sprecher des Vorstands der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe


Es ist gut, dass es heute für Menschen, die an Epilepsie erkranken, vielfältige Hilfen gibt.
In den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel gibt es zum Beispiel eine lange und gute Tradition der medizinischen, pflegerischen und menschlichen Hilfen, insbesondere auch für Kinder.


Es ist gut, dass bei dem Miterleben eines epileptischen Anfalls, der natürlich auch heute noch Furcht und Hilflosigkeit auslösen kann, niemand mehr auf den Gedanken kommt, hier sei ein Geist, ein Dämon am Werk, den es auszutreiben gilt.


Es ist gut, dass in Folge des ungeheuren medizinischen Fortschritts die Ursachen vieler Krankheiten erklärbar und damit auch behandelbar sind und nicht mehr nach einem direkten Zusammenhang von menschlicher Schuld und Krankheit geforscht wird.


Es ist nicht gut, dass auch in Folge dieses medizinischen Fortschritts der Mensch sich zunehmend die Entscheidung anmaßt, welches Leben lebenswert ist und welches nicht mehr.


Es war nicht gut, dass angesichts eines an Epilepsie erkrankten Jungen, Jünger und Schriftgelehrte offensichtlich in einen Streit darüber gerieten, was man durfte und nicht durfte, ob man helfen konnte oder nicht helfen konnte.
Die Reaktion Jesu darauf ist verständlich, aber doch ungewöhnlich für ihn: O du ungläubiges Geschlecht. Wie lange soll ich euch ertragen?


Damit ist der Punkt angesprochen, warum uns Markus diese Heilungsgeschichte weitererzählt hat.
Es geht nicht primär darum, wie Jesus diesen Jungen heilt und ihn wieder auf die Füße stellt. Es geht nicht darum, den Unterschied zwischen Jesus und den Jüngern deutlich zu machen.

Es geht um das Verhältnis von Glauben und Unglauben.

Und da rückt für mich dieser von Leid und Sorgen geplagte Vater in den Mittelpunkt.
Weil er identisch ist. Weil er ehrlich ist. Es sind wohl die leidvollen Erfahrungen, dass ihm und seinem Sohn eher nicht geholfen werden konnte, die ihn geprägt haben.


Darum wagt er nur diese Bitte: Wenn du aber kannst, so erbarme dich unser.
Aber diese Antwort Jesu, alle Dinge sind möglich, dem, der da glaubt, das ist zu viel für ihn.
Die bisherigen Lebens- und Glaubenserfahrungen decken dies nicht.
Darum kann er nur noch schreien: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!
Glauben können ist nicht das Ergebnis einer Leistung.


Glauben wird uns geschenkt. Manchmal wie bei diesem extrem belasteten Vater auch auf sehr ungewöhnliche Weise.

Darum: Auch ich darf rufen. Besonders in den Grenzsituationen des Lebens schreien: Ich glaube; hilf meinem Unglauben!

Und in der Nachfolge Jesus können auch wir es sein, zum Beispiel in den diakonischen Diensten unserer Kirche: Menschen die Hände reichen, ihnen helfen, damit sie wieder aufrecht stehen und gehen können.

Dieser Beitrag wurde am 15.10.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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Gebet

Guter Gott. Für den Glauben, dass wir mit allen unseren Sorgen und Nöten zu dir beten können, danken wir. Um den Glauben, der stärker ist als unsere Zweifel, bitten wir dich. Amen.

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