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Andacht für den 17. Januar

Raus aus der Oberflächlichkeit

Hände in vertrauensvoller Berührung. So soll Christsein gelebt werden: Handgreiflich, zupackend, voller Anteilnahme. Und mit uneingeschränkter Gastfreundschaft, die sagt:  Ihr seid uns willkommen, selbst dann, wenn ihr Feinde seid. Foto: Claus Mikosc

Hände in vertrauensvoller Berührung. So soll Christsein gelebt werden: Handgreiflich, zupackend, voller Anteilnahme. Und mit uneingeschränkter Gastfreundschaft, die sagt: Ihr seid uns willkommen, selbst dann, wenn ihr Feinde seid. Foto: Claus Mikosc

Römer 12, 9-16: Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor. Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn.

Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. Segnet, die euch verfolgen; segnet und flucht nicht. Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug.

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Dr. theol. h.c. Gerrit Noltensmeier (68), Landessuperintendent i.R. der Lippischen Landeskirche und bis 2009 Mitglied des Rates der EKD

Im Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Rom lesen wir vom Glauben und vom Frieden mit Gott. Von der Gerechtigkeit, die Gott schenkt, hat er geschrieben und von der Gewissheit des Herzens.

Ein großer Brief, der seine geistliche Kraft zumal in Zeiten bewies, in denen die Kirche Christi im Oberflächlichen verkam, in den Wirren der Zeit den Kurs verlor, in denen Vergewisserung und Orientierung geboten waren. Und sind.

Und nun wirbt der Apostel um den gelebten Glauben im Geist befreiter Menschlichkeit, um die Früchte des Glaubens im Alltag der Welt, um Herzen, die sich dem Brennen des Heiligen Geistes öffnen. In Rom und andernorts. Und nüchterne, geschwisterliche Liebe erfährt neue Kraft und Ermutigung.

Mahnungen?! Einer sagt: „Ich kann nicht ermahnen, weil ich selbst nicht ermahnt sein will.“ Und viele reden von der Reserviertheit gegenüber solchen Worten, von Scheu und Zurückhaltung, von großer Distanz. Ach? Gibt es eine Zurückhaltung, die anderen die werbende Einladung, die Liebe nicht untergehen zu lassen, schuldig bleibt?

Gibt es eine Verschlossenheit des Fühlens und Denkens, die sich selbstkritischer Prüfung und befreiender Erneuerung im Licht mahnenden Bittens hartnäckig verweigert?

Gewiss. Dieses Werben kommt doch nicht selbstgerecht, hochmütig, säuerlich und lebensfeindlich daher. Nein, der Weg, der der Gemeinde, den Einzelnen gewiesen wird, ist „hell und weit“ und liebevoll markiert. Eigene Bedürftigkeit soll nicht übersehen und hilflos enttäuscht werden.

Die Erwartungen anderer bleiben nicht frustriert. Große Gaben werden lebendig. Neue Lebensmöglichkeiten warten auf die „Armen, die doch viele reich machen“.

Wo die Liebe in seichter und angepasster Bequemlichkeit verkommt, wirbt der Apostel um Aufrichtigkeit und Deutlichkeit. Die Liebe kann Ja und Nein sagen. Zuvorkommend ist sie, rechnet nicht und hinkt nicht hinterher.

Wo Trägheit und Geistlosigkeit drohen, wirbt der Apostel um nüchterne Leidenschaft, um Geduld und Beharrlichkeit. Wo abgestumpfte Gleichgültigkeit einander entfremdet, soll Fröhlichkeit anstecken und Kummer gemeinsam getragen sein.

Ach ja und Gastfreundschaft öffnet den Fremden die Türen. Wo Schweigen und Verschweigen lasten, wo die Monotonie der Selbstgespräche langweilt, lädt er ein zum Gebet. Nachhaltig. Und der törichten Vermessenheit gilt es zu wehren. Jeder Satz lädt ein zu verweilen, vielleicht nachzuschreiben, zu bedenken, Wort für Wort.

Das Mahnen mit Erinnerungen, mit erlebten Wirklichkeiten, mit unverwüstlichen Hoffnungen zu verbinden. Die Gemeinde Christi lässt erstaunliche Entdeckungen machen. Da gibt es wunderbar begabte Leute. Das fortgesetzte Lamentieren wird in seine Schranken verwiesen.

Manche meinen, das sei vergeblich. Aber es gibt doch ein dringliches Bitten, ein einladendes Werben, eine Mühe um unser Leben, die uns nicht ungeschoren und unberührt und verstockt bleiben lassen. Das gibt es wirklich.

Manche sagen, das sei nicht originell. Na und? Solches Mahnen und Werben wird aus tiefen und frischen Quellen gespeist: Es verdankt sich der Treue Gottes auf dem Weg mit seinem Volk durch die Zeit. Es verdankt sich der Begegnung mit Christus. Und dann gibt es auch Nachdenkliches, Einleuchtendes gleichsam am Wegesrand, was Takt des Herzens, kluge Menschlichkeit uns rät und anbietet.

Manche sagen gar, das alles sei doch selbstverständlich. Aber nein. Wo die Selbstsucht zur gelebten Selbstverständlichkeit wird, wo die schnelllebige Gier an und in die Abgründe treibt, wo die Gnadenlosigkeit gerühmt und die Verantwortungslosigkeit zum Tagesgeschäft gehört, braucht es das Aufgebot der großen Einladung, von, ja, sagen wir es ruhig, „Anspruch und Zuspruch.“

Eine eigentümliche Selbstlosigkeit lässt eine verlockende Freiheit ahnen. Ich höre es gern.

Dieser Beitrag wurde am 16.1.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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Gebet

Guter Gott, für gute Gaben danken wir dir. Um neue Kraft bitten wir dich. Auf die Kraft deines Geistes hoffen wir. Lass uns nicht allein in Hochmut und Verzagtheit, in Verblendung und Einsamkeit. Amen.

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