Andacht zum 15. August
Ordnung ist das halbe Leben

Alles wohlgeordnet nach Farbe und Größe. Wenn es doch nur im richtigen Leben auch so einfach wäre. Doch Gott liebt auch die Unordentlichen, die Chaotischen. Denn in seiner Liebe haben sie ihre Ordnung gefunden. Foto: Ilan amith
Epheser 2, 4-10: Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr selig geworden –;
und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch; Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Sarah Schmidt (32) ist Pfarrerin im Entsendungsdienst und arbeitet im Pädagogischen Institut schwerpunktmäßig beim Dienst an den Schulen.
„Ordnung ist das halbe Leben…“ – dieser Spruch hat mir noch nie gefallen. Denn: Ich gehöre zu den Menschen, die nicht gern räumen.
Vor allem räume ich nicht gern vor Umzügen. Da rächt es sich nämlich, wenn man nicht beizeiten und kontinuierlich abgeheftet, aussortiert, weggeworfen hat.
Bei jedem anstehenden Umzug, aber auch beim Aufräumen zwischendurch, das längst mal wieder fällig war, fühle ich mich schuldig. Schuldig vor mir selbst. „Hätte ich doch häufiger die Papiere sortiert!“ – das denke ich dann.
Vermutlich stimmt es ja, dass Ordnung das halbe Leben ist – wer ordentlich ist, verbringt weniger wertvolle Lebenszeit mit Suchen.
Manchmal habe ich das beklemmende Gefühl, in meinem Leben sieht es so aus wie auf meinem Schreibtisch. Da ist einiges in Unordnung geraten.
Diese Erfahrungen machen alle unter uns – die ordentlich wie die unordentlich Veranlagten.
Das ehemals gute Verhältnis zur Nachbarin leidet plötzlich darunter, dass man ein Missverständnis nicht gleich aus dem Weg geräumt hat. Freundschaften bekommen nicht genug Aufmerksamkeit, weil so wenig Zeit dafür bleibt. Sämtliche zwischenmenschliche Beziehungen, ob in der Familie, unter Freunden oder im Beruf, brauchen Pflege. Doch wir haben nicht immer die Kapazitäten dafür.
An anderer Stelle schaffen wir dann auf ungute Weise Ordnung: Wir stecken Menschen in Schubladen – aus denen wir sie so schnell nicht wieder herausholen wollen. Legen vielleicht Kontakte ab, auf die wir keine Lust mehr haben. Werfen eine Beziehung weg, weil sie in unseren Augen zu viel Kraft kostet.
„Ordnung ist das halbe Leben…“ – für einen gilt das ganz bestimmt nicht: Für den, der eine ganz andere Ordnung hat. Für Gott.
Seine Ordnung lässt sich nicht mit unseren Maßstäben fassen. Unsere Schubladen „gut“, „schlecht“, „richtig“ und „falsch“ stoßen an ihre Grenzen. Dabei stehen gerade wir selbst im Blick seiner Ordnung.
Gott hat sein Werk schon vollbracht. Dieses Werk sind erstaunlicherweise WIR selbst, wie uns der Predigttext sagt. Wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken.
Während wir unserer Wahrnehmung nach noch immer tief im Chaos stecken, hat Gott uns schon ordentlich einsortiert – wie einen Schatz, den er besonders hütet: wir sind auferweckt und mit Christus im Himmel eingesetzt.
Doch wir leben zunächst unser irdisches Leben, müssen das meistern. Wir sollen in „guten Werken wandeln“ – so nennt es der Schreiber des Epheserbriefs. Das heißt wohl auch: Wir haben Verantwortung für unser Leben.
Wir müssen uns immer wieder bemühen, die Unordnung in unserem Leben in Ordnung zu bringen. Natürlich stoßen wir dabei an unsere Grenzen. Natürlich gelingt uns das nicht immer: Konflikte offen anzugehen, Streit zu schlichten, auf andere wieder zuzugehen und von den eigenen Vorurteilen Abstand zu nehmen.
Manchmal verlieren wir dabei den Überblick – und das bestimmt nicht nur in unserem Haushalt, sondern auf sämtlichen Feldern unseres Lebens.
Gerade für solche Situationen baut uns der Predigttext auf.
Wenn wir uns gelähmt fühlen, gelähmt in all dem, was wir anderen schuldig bleiben und geblieben sind, vielleicht auch uns selbst schuldig bleiben, gelähmt, weil wir nicht wissen, wo wir überhaupt anfangen sollen mit dem Aufräumen, dann sagt der Predigttext uns zu:
Gott hat uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht!
Gott will uns immer wieder aus unserer Starre lösen.
Gott will uns so, wie wir sind: nämlich sein Werk.
Na – wenn das keine „Ordnung des Lebens“ ist!
Dieser Beitrag wurde am 14.8.2010 um 21.49 Uhr veröffentlicht.
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Du Gott der Ordnung, hilf mir in meiner Unordnung. Gib mir offene Augen zu sehen, was in meinem Leben durcheinander geraten ist. Gib mir einen wachen Verstand, Lösungen zu finden. Gib mir helfende Hände, die das Rechte tun. Gut, dass DU alles überblickst, dass ich einen Platz in deiner Ordnung habe. Amen. |
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