Andacht für den 15. Januar
Offenes Gottesgeheimnis

Ein Schlüssel zum Geheimnis? Vielleicht. Es gibt noch viel Unentdecktes im Verborgenen. Das größte Geheimnis, das Geheimnis Gottes, ist entschlüsselt. Gott selbst sorgt durch seinen Geist für Klarheit. Foto: Orlando Florin Rosu
1. Korinther 2, 1-10: 1 Auch ich, liebe Brüder, als ich zu euch kam, kam ich nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit, euch das Geheimnis Gottes zu verkündigen.
2 Denn ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten. 3Und ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern; 4 und mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit, sondern in Erweisung des Geistes und der Kraft, 5 damit euer Glaube nicht stehe auf Menschenweisheit, sondern auf Gottes Kraft.
6 Wovon wir aber reden, das ist dennoch Weisheit bei den Vollkommenen; nicht eine Weisheit dieser Welt, auch nicht der Herrscher dieser Welt, die vergehen. 7 Sondern wir reden von der Weisheit Gottes, die im Geheimnis verborgen ist, die Gott vorherbestimmt hat vor aller Zeit zu unserer Herrlichkeit, 8 die keiner von den Herrschern dieser Welt erkannt hat; denn wenn sie die erkannt hätten, so hätten sie den Herrn der Herrlichkeit nicht gekreuzigt. 9 Sondern es ist gekommen, wie geschrieben steht: „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.“ 10 Uns aber hat es Gott offenbart durch seinen Geist; denn der Geist erforscht alle Dinge, auch die Tiefen der Gottheit.
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Volker Walle (45) ist Gemeindepfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Friedrichsdorf
Paulus will das Geheimnis Gottes verkündigen. Es geht ihm nicht darum, über Gott zu reden. Er hat erkannt: Die Rede von Gott rührt an ein Verborgenes und Geheimes.
Mit Geheimnissen umgehen, das ist keine Stärke unserer Zeit. Wer heute ein Geheimnis hütet, gerät schnell unter Verdacht, etwas verbergen und verstecken zu wollen. Eher gilt es, alles und jedes ans Licht der Öffentlichkeit zu zerren. Da hat es auch das Geheimnis Gottes, um das es Paulus geht, nicht leicht.
Man kommt ihm nur näher, wenn man ihm mit einer inneren Haltung der Ehrfurcht, einer heiligen Scheu, begegnet. Das Geheimnis Gottes bleibt sperrig und unterwirft sich nicht den herrschenden Gesetzen des Marktes. Die Spannung bleibt. Es gilt, dem Geheimnis Gottes ehrfürchtig zu begegnen und es zugleich zur Sprache zu bringen.
Paulus stellt sich dieser Aufgabe. Und dazu hält er fest, worauf er nicht setzt, wenn er die Korinther an seine erste Missionspredigt unter ihnen erinnert: Ich „kam nicht mit hohen Worten und hoher Weisheit“ zu euch.
Nach allem was wir wissen, war Paulus kein großartiger Redner.
Und er hatte auch keine neuen philosophischen Erkenntnisse im Angebot: „Mein Wort und meine Predigt geschahen nicht mit überredenden Worten menschlicher Weisheit“. Glaube macht sich nicht fest an dem, was Menschenweisheit erkennt. Menschenweisheit hat ihren eigenen Wert als Lebensweisheit im Blick auf das, was dem Umgang der Menschen miteinander dient.
Doch Paulus geht es nicht um solche praktische Weisheit, sondern sein Anliegen ist das Geheimnis Gottes.
Und es zeugt von einer Weisheit anderer Art, sich diesem Geheimnis nicht mit menschlicher Weisheit zu nähern. Er lässt eine andere innere Haltung erkennen, wie er sich auf dieses Geheimnis einlässt, wenn er daran erinnert: „Ich war bei euch in Schwachheit und in Furcht und mit großem Zittern.“
Eine solche Einstellung ist nicht attraktiv. Zumindest auf den ersten Blick. Wir wollen doch mit dem, wovon wir in der Kirche reden, überzeugen, Menschen begeistern und gewinnen.
Doch Paulus bleibt nicht bei seiner eigenen Schwachheit stehen. Mit Furcht und Zittern soll vom Geheimnis Gottes die Rede sein. Warum?
Das, wovon das Evangelium redet, ist nicht gewöhnlich und nicht selbstverständlich. Es ist nicht zugänglich über menschliche Weisheit oder Redekunst, es erschließt sich nicht von selbst. Über das Geheimnis Gottes können wir Menschen nicht verfügen. Gott sei Dank!
Paulus genügt es, sich der eigenen Grenzen im Blick auf die eigenen Erkenntnismöglichkeiten bewusst zu bleiben und sich auf den Kern zu konzentrieren: „Ich hielt es für richtig, unter euch nichts zu wissen als allein Jesus Christus, den Gekreuzigten.“
Alles andere lässt Paulus beiseite. Denn in Christus hat uns Gott sein Geheimnis offenbart. Im Gekreuzigten allein liegt der Schlüssel, in ihm wird Gottes Geheimnis verkündigt und zugleich bewahrt.
Dieser Beitrag wurde am 14.1.2012 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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Gott, du Geheimnis der Welt, danke, dass du uns nahe kommst in Jesus Christus. In ihm lässt du uns deine Menschenfreundlichkeit und Nähe zu uns spüren. Schenke uns neu den Mut, von dem wunderbaren Geheimnis deiner Nähe zu uns zu reden. Amen. |
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