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Andacht für den 18. Juli

Nichts zu verlieren – alles zu geben

Nicht einsam, sondern gemeinsam ist ein wesentliches Erkennungszeichen der christlichen Gemeinde. Die Einladung steht: Du wirst gebraucht, Gott zählt auf Deine Mitarbeit – mit Herz und Hand. Foto: Pathathai Chungyam

Nicht einsam, sondern gemeinsam ist ein wesentliches Erkennungszeichen der christlichen Gemeinde. Die Einladung steht: Du wirst gebraucht, Gott zählt auf Deine Mitarbeit – mit Herz und Hand. Foto: Pathathai Chungyam

Apostelgeschichte 2, 41a.42-47: Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen; sie blieben aber beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam aber Furcht über alle Seelen und es geschahen auch viele Wunder und Zeichen durch die Apostel.

Alle aber, die gläubig geworden waren, waren beieinander und hatten alle Dinge gemeinsam. Sie verkauften Güter und Habe und teilten sie aus unter alle, je nachdem es einer nötig hatte. Und sie waren täglich einmütig beieinander im Tempel und brachen das Brot hier und dort in den Häusern, hielten die Mahlzeiten mit Freude und lauterem Herzen und lobten Gott und fanden Wohlwollen beim ganzen Volk. Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.

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Jürgen Eilert (41) ist Theologe, Diplom-Psychologe und Systemischer Therapeut (HSI). Er arbeitet als Dozent am CVJM-Kolleg in Kassel


Lukas erinnert uns daran, dass Kirche nicht aus Immobilien oder Finanzplänen besteht. Kirche besteht aus Menschen. Aus Menschen, die durch das Wort Gottes zueinander gefunden haben. Dieses Wort hat Auswirkungen auf ihre Lebensführung und ihr Tun. Vorher waren sie vereinzelt.

Durch das Wort Gottes aber sind sie zu einer Gemeinschaft zusammengefügt.

Nicht die Gemeinschaft der Mächtigen oder der Gewinner auf Erden. Vielmehr sind sie die Gemeinschaft derer, die sich von Gott lieben lassen wollen. Sie erwarten mehr von Gott als von ihrem menschlichen Kalkül, ihren Ressourcen, ihrem Möglichkeiten, ihrem gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Status.

Ihre Hände sind leer. Aber weil sie leer sind, kann Gott sie füllen. So sind sie arm und reich zugleich. Arm, weil sie – auf Gott geworfen – auch die Furcht Gottes kennen. Reich, weil Gott ihnen gnädig ist und sich an ihnen wunderbar erweist.

Dieses Wunder ist allererst die Umkehr des Herzens.

So jedenfalls zu Zeiten Jesu: Von Gott befreit konnten Christen ihre Güter teilen, einander am Reichtum ihres Lebens teilhaben lassen und denen abgeben, die es nötig haben. Sie hatten nichts mehr zu verlieren und konnten deswegen alles geben.

Sie blieben im Tempel. Aber in ihrer Gemeinschaft öffneten sie auch ihre Wohnungen und Häuser, um zu speisen und Gott täglich zu loben. Dieser Lebensstil machte sie in der Bevölkerung beliebt. Auf die Anhänger Jesu konnte man menschlich bauen. Das war für viele Menschen attraktiv: „Der Herr aber fügte täglich zur Gemeinde hinzu, die gerettet wurden.“

Ein schöner Traum? Heute undurchführbar?

Eine ideologische Perspektive auf die erste Gemeinde? Vielleicht. Wie viel Blut und Herzblut wurde und wird in der Kirchengeschichte (mit Apg 6ff geht es los) und manchmal auch in konkreten Ortsgemeinden sinnlos vergossen, weil wir Adamssöhne und Evastöchter lieber uns selbst bierernst anstatt Jesus Christus beim Wort nehmen?


Da tut es gut, sich zu erinnern.

Familientherapeuten wissen, dass es bei einem Ehekonflikt oder Familienkrach heilsam sein kann, sich gemeinsam an die guten Zeiten oder die Zeit des Anfangs zu erinnern. An der Quelle ist der Fluss noch nicht so verschmutzt wie kurz vor seiner Mündung ins Meer.

Die christlichen Kirchen orientieren sich aus diesem Grund ja auch immer wieder neu an der Heiligen Schrift, die im Quellgebiet des Christentums entstanden ist und von den frühen Gemeinden überliefert wurde.

Diese Erinnerung kann nun einerseits traurig machen, weil wir deutlicher sehen können, wie weit sich Kirchen von ihrer Quelle wegbewegt haben.

Andererseits kann die Erinnung aber auch trösten und orientieren. Mitten im Alltag kann ein Stück Urgemeinde aufscheinen. Vielleicht können viele heute nicht mehr unsere Güter teilen. Aber da gibt es vielleicht diese Kindergottesdienstleiterin, die für ihre Kinder ein bisschen mehr Zeit teilt, als man erwarten würde.

Wir verharren nicht mehr alle Zeit im Tempel. Aber da gibt es vielleicht ein älteres Ehepaar, das regelmäßig und dankbar am abendlichen Gebetskreis teilnimmt. Wir essen vielleicht nicht jedes Mahl in Freude. Aber vielleicht denken Sie bei Ihrem nächsten Mittagessen daran, dass Gott unsichtbar und liebevoll bei Ihnen ist, wenn Sie an ihn denken.

Da werden vielleicht nicht täglich Tausende zur Gemeinschaft hinzugefügt.

Aber vielleicht gibt es da diese drei Jugendkreis-Teens, die sich nach einem Christival-Besuch taufen lassen wollen. Urchristliche Gemeinschaft findet heute statt.


Wir brauchen Augen, um Gottes Wirken sehen zu können. Gott gebe uns solche Augen!

Dieser Beitrag wurde am 17.7.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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Gebet

Gib uns, Herr, Deine Augen. Segne uns, Herr, mit Deinen Händen! Und führe uns zusammen, Herr, als Deine Kirche. Amen.

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