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Andacht für den 14. Februar

Nicht aus eigener Kraft

Eine bunte Mischung von Menschen. Verschiedenheit ist Bereicherung für alle. Schön, wenn die Vielen sich nicht voneinander abgrenzen, sondern zueinander finden, als Kinder Gottes. Viele Glieder – ein Leib. Foto: Doctor Kan

Eine bunte Mischung von Menschen. Verschiedenheit ist Bereicherung für alle. Schön, wenn die Vielen sich nicht voneinander abgrenzen, sondern zueinander finden, als Kinder Gottes. Viele Glieder – ein Leib. Foto: Doctor Kan

1.Korinther 13, 1-13: Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle. Und wenn ich prophetisch reden könnte und wüsste alle Geheimnisse und alle Erkenntnis und hätte allen Glauben, sodass ich Berge versetzen könnte, und hätte die Liebe nicht, so wäre ich nichts.

Und wenn ich alle meine Habe den Armen gäbe und ließe meinen Leib verbrennen1 und hätte die Liebe nicht, so wäre mir’s nichts nütze. Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;


sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. Die Liebe hört niemals auf, wo doch das prophetische Reden aufhören wird und das Zungenreden aufhören wird und die Erkenntnis aufhören wird.

Denn unser Wissen ist Stückwerk und unser prophetisches Reden ist Stückwerk. Wenn aber kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören. Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind und war klug wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war.

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

__________________________________


Hans-Georg Ahl (56) ist Pfarrer in der Evangelischen Kreuz-Kirchengemeinde Lüdenscheid


Wenn sich Brautpaare diese Verse oder den Vers 13 des 1. Korintherbriefs als Trautext aussuchen, was ja ziemlich oft vorkommt, dann muss man eigentlich als erstes sagen, dass das nicht aus eigener Kraft funktionieren kann. Und damit hat man dann ja eine gute Basis, um über das Stadium guter Vorsätze hinaus zu kommen.

Das Hohelied der Liebe. So steht es in der Lutherbibel über diesem Kapitel. Welche Liebe aber ist hier gemeint? Das griechische Wort „agape“ findet man in der profanen griechischen Literatur ganz selten, denn es ist ein Wort, das fast ausschließlich für Gottes Liebe steht und die, die er uns als Christen ermöglicht.

Wenn man die Verse 4-7 in Ruhe liest merkt man, dass wir Menschen von Natur aus zu solcher Liebe gar nicht fähig sind. Um gute Vosätze und um Worte mit hoher literarischer Qualität geht es Paulus in diesem Kapitel mit Sicherheit nicht.

Wenn man das Kapitel 13 im Zusammenhang des ganzen 1. Korintherbriefs liest, merkt man deutlich: jetzt kommt das allerwichtigste. Paulus hat diese Gemeinde in Korinth gegründet und man merkt dem Brief das Herzblut an, das ihn mit dieser Gemeinde verbindet.

Es war eine Gemeinde mit großen Gegensätzen: Hafenarbeiter und Kaufleute, ehemalige Prostituierte und ihre Kunden, Sklaven und ihre Herren, streng nach dem jüdischen Gesetz lebende Menschen und Charismatiker, denen es am wichtigsten war im Heiligen Geist gut drauf zu sein.

Also eine ungeheuer spannende Gemeinde mit vielen Fragen und enormem Konfliktpotenzial. Und in den ersten 12 Kapiteln hat Paulus zu vielen dieser konkreten Fragen Stellung bezogen. Dabei hat er immer wieder versucht, von der Mitte, von Jesus, vom Kreuz her zu diesen Fragen Stellung zu beziehen.

Es gibt viele Gaben, aber nur einen Geber, den Heiligen Geist. Es gibt viele Glieder, aber nur einen Leib. Und damit das funktioniert, das Miteinander in der Gemeinde, das Zusammenbleiben trotz aller Gegensätze, das Ertragen, dass andere in der Gemeinde anders denken, reden, leben als ich – dafür brauche ich Gottes Liebe.

Denn so wie Gott mit mir langmütig und freundlich ist, mit mir keinen Mutwillen treibt, mir das Böse nicht nachträgt sondern, im Gegenteil, sich freut, wenn es mir gut geht und mir etwas gelingt, genau so soll ich anderen begegnen. Soll? Nein, kein Imperativ. Sondern: ich kann, er ermöglicht es mir. Denn: wem viel vergeben ist, der liebt viel. So hat es Jesus gesagt.

Dieser Beitrag wurde am 13.2.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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Gebet

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man sich hasst, dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt, dass ich verbinde, da, wo Streit ist, dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht, dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt, dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält, dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert, dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt. Herr, lass du mich trachten: nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich andere tröste; nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich andere verstehe; nicht, dass ich geliebet werde, sondern dass ich andere liebe. Amen.
(EG 416, nach Franz von Assisi)

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