Andacht für den 7. März
Leben gegen den Trend

Mal etwas ganz Verrücktes tun, erfordert Mut. Die anderen werden vielleicht über mich spotten. Als Christ gegen manche gesellschaftlichen Trends zu leben, braucht ebenfalls Mut. Doch es gibt Orientierungshilfe. „So folgt nun Gottes Beispiel ...“, erm
Epheser 5, 1-8a: So folgt nun Gottes Beispiel als die geliebten Kinder und lebt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.
Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört. Auch schandbare und närrische oder lose Reden stehen euch nicht an, sondern vielmehr Danksagung.
Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das sind Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes. Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; (...). Darum seid nicht ihre Mitgenossen. Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn.
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Von Andrea Pfeifer (42) und Frank Leßmann-Pfeifer (46). Das Ehepaar lebt und arbeitet in Prag und teilt sich dort die Pfarrstelle der Deutschsprachigen Evangelischen Gemeinde
An unserem ersten Weihnachtsmorgen in Prag erlebten wir einen ziemlichen Schock. Die Müllabfuhr kam, wie an jedem Donnerstag, so eben auch an diesem 25. Dezember 2008. Andere Erfahrungen folgten – zum Beispiel, dass der Karfreitag ein ganz normaler Arbeitstag ist.
Jetzt leben und arbeiten wir seit anderthalb Jahren in der Tschechischen Republik, einem Land, das als eines der am stärksten säkularisierten Länder Europas gilt. Nur etwa 35 Prozent der Bevölkerung gehören einer christlichen Kirche an; evangelisch sind circa 200 000 der zehn Millionen Einwohner.
Gesellschaftlich ist die Stimme der Kirchen – besonders im Vergleich zu Deutschland – so gut wie irrelevant. Den meisten Menschen ist es schlichtweg egal, was Christen denken, reden oder tun.
Vor einiger Zeit sagte jemand aus der Gemeinde: „Vieles, was ich zuhause immer ganz selbstverständlich getan habe, wird hier in Tschechien zu etwas Besonderem.“ Sonntags nicht einkaufen, Tischgebet, Kirchenmitgliedschaft, seine Kinder taufen lassen … – all das ist „besonders“ hier in Prag.
Die christliche Gemeinde lebte als kleine Minderheit in der Weltstadt Ephesus an der Westküste der heutigen Türkei. Es war eine Stadt, in der es alles gab: Genuss, Kultur, verführerische Attraktionen für jeden Geschmack und Tempel für alle religiösen Bedürfnisse. Vieles war erlaubt – solange es privat blieb und die römische Macht nicht in Frage stellte. Wie übersehbar war dagegen der unsichtbare Gott der Christen und wie unscheinbar war die christliche Gemeinde!
Vom Lebensstil der großen Mehrheit inmitten dieser Metropole spricht der Verfasser des Epheserbriefes, als handle es sich dabei um eine gefährliche Infektion. Er hat Angst, dass das in der Taufe neu geschenkte Christenleben verloren geht. Also: strenge Abgrenzung! Die anderen, das sind für ihn die „Kinder des Ungehorsams“. Bleibt im Licht! Haltet euch fern vom Treiben eurer heidnischen Nachbarn oder Verwandten! Verspielt nicht euer Heil!
Da wird geworben und gedroht und heftig moralisiert, ganz nach dem Motto „schlechter Umgang verdirbt gute Sitten“. Über dieses Moralisieren kann man die Nase rümpfen, man kann in der Polemik gegen die vermeintliche heidnische Unmoral ein verklemmtes Christentum sehen oder sogar erste Schritte in ein Sektierertum, das sich gegen das Leben derer „da draußen“ hermetisch abriegelt.
Andererseits hat das frühe Christentum vor allem dadurch gewirkt, dass die Gemeinden einen anderen Lebensstil pflegten. Dass man dort nicht das tat, was gerade angesagt war. Stattdessen: Ausrichten an der Liebe Gottes, Nachfolge des Herrn. Leben gegen den Trend.
Wer heute nach dem Besonderen eines christlichen Lebensstils in einer säkularen Gesellschaft sucht, kann gute Gründe gegen die abgrenzende und moralisierende Denkweise des Epheserbriefs anführen. Er oder sie wird sich aber an den beiden Polen ausrichten können, die uns in diesem Text vor Augen gestellt werden: Leben in der Liebe und Danksagung.
Christliche Identität besteht ja nicht zuerst in dem, was ich lasse oder vermeide. Sie beginnt mit der Entdeckung, unendlich geliebt zu sein. Und sie setzt sich fort in der Erkenntnis, dass Gott mir zutraut, der Bewegung seiner Liebe in meinem Leben nachzufolgen. Ich kann vieles tun, was auch andere tun – und manches lassen, was bei vielen Menschen üblich ist.
Kriterium dessen, was sich mit der Gottesliebe verträgt, ist die Danksagung: Kann ich Gott für das danken, was ich tun will? Christinnen und Christen, die als Minderheit in einer nichtchristlichen Gesellschaft leben, werden nicht zu knapp und nicht zu leise Gott ihren Dank erweisen. Sie versuchen ihr Leben ohne Berührungsängste zu leben, in engagierter, wacher Gelassenheit.
Und wenn dann daraus etwas wächst, womöglich sogar gegen den Trend – Gott sei Dank.
Dieser Beitrag wurde am 6.3.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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Guter Gott, himmlischer Vater, wir dürfen als deine geliebten Kinder leben. Du schenkst uns die Freiheit zu tun, was dem Guten dient und zu lassen, was deiner Liebe entgegensteht. So wollen wir dir unseren Dank erweisen – für Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn. Amen. |
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