Andacht für den 10. Januar
Körper – Bau Gottes

Den Körper spüren – im Wind, in der Sonne, in der Stille. Mit allen Sinnen das Geschenk Gottes annehmen und Ihm damit dienen. So kann das Leben zu einem Gottesdienst werden. Foto: Harald07
Römer 12, 1-3: Ich ermahne euch nun, liebe Brüder, durch die Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber hingebt als ein Opfer, das lebendig, heilig und Gott wohlgefällig ist. Das sei euer vernünftiger Gottesdienst.
Und stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist, nämlich das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene. Denn ich sage durch die Gnade, die mir gegeben ist, jedem unter euch, dass niemand mehr von sich halte, als sich's gebührt zu halten, sondern dass er maßvoll von sich halte, ein jeder, wie Gott das Maß des Glaubens ausgeteilt hat.
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Frauke Bürgers (49) ist Studienleiterin der Ökumenischen Werkstatt der Vereinten Evangelischen Mission in Wuppertal
Ich stehe mit einer philippinischen Freundin in einem schön angelegten Garten in Manila, es ist Morgen. Um uns herum tobt die laute und schmutzige Großstadt Manila, im Garten ist es ruhiger.
Wir beten, sie zeigt mir langsame Bewegungen, die durch den Atem geprägt sind und spricht dazu ein Gebet. Die Bewegungen vereinen Körper und Geist. Sie sind langsam und fließend wie ein Tanz. Später erzählt sie mir, dass sie dies jeden Morgen macht.
Die Nacht vorher waren wir im Rotlichtviertel Manilas, wo sie für ein Projekt zuständig ist, waren in Bars, auf der Straße und haben mit den Prostituierten gesprochen. Viele von ihnen sind minderjährig und ihre „Kunden“ entweder reiche Philippinos oder weiße Männer aus dem Westen. Meine Freundin redete mit ihnen und gab ihnen Trost und Unterstützung.
Ich bekomme diese beiden Bilder nicht zusammen, die Aktivistin in der Nacht und die Meditierende am Morgen. Sie erklärt mir, dass bei dieser Art von Gebet sie sich dem Atmen Gottes ganz anvertraut, sie überlässt sich ganz Gott, wird belebt, gefüllt und inspiriert von Gottes Geist.
Und wenn der Geist sie „überschattet“, ist es nur folgerichtig, den Armen die gute Nachricht zu predigen, den Gefangenen Befreiung zu verkündigen und denen Freiheit zu geben, die unterdrückt sind.
Diese Begebenheit bleibt für mich ein Beispiel für einen „vernünftigen Gottesdienst“.
In Römer 12, 1 - 3 ermutigt Paulus, uns Gott ganz hinzugeben. Einem Gott, der uns mit Barmherzigkeit zugewandt ist. Der uns mit Mitgefühl und Liebe anschaut, und weil er uns so anschaut, können wir uns ihm ganz anvertrauen.
Unsere Körper sind für ihn genug, um Gottesdienst zu feiern. Sie sind sein Tempel, eine lebendige und heilige Gabe, in ihnen zeigt sich Gott.
Was für eine Hochschätzung des Leibes! Aber eben mit dem mitfühlenden Blick und nicht mit strengen Blicken, die ich so gut kenne, die meinen Körper immer wieder abwerten. „Du könntest noch schlanker sein, noch sportlicher! Schau doch, was andere können und machen!“ Nicht mit dem Blick der „Körperindustrie“, wo viel Geld verdient wird, um makellos, gesund, fit und immer jung zu sein.
Nein, Gott schaut mit Barmherzigkeit auf uns und so ist es nur ein kleiner Schritt zur Hingabe: Dies heißt im Umgang mit dem Körper, dass wir mit uns achtsam umgehen, es ist ja der Tempel Gottes, aber ihn nicht zu Gott machen sollen. Pflege und Achtsamkeit, eben wie man eine Kirche pflegt und schmückt, aber die Kirche ist eben nicht Gott selbst.
Wenn ich mich durch diese Hingabe von Gott ausrichten lasse, dann fällt mein Blick auch achtsam auf diese Welt, eben mit den mitfühlenden Blicken, die ich von Gott gespürt habe. Und dann kann ich mich dieser Welt nicht gleichstellen und sagen: „Ich kann sowieso nichts ändern, die Welt ist eben so!“
Ich will, dass auch andere Menschen gut leben können. Ich mache mich von den Strukturen unserer Zeit frei und erneuere mein Denken.
Ich suche nach Gottes Willen in meinem Leben: „Wohin hat mich Gott gestellt und mit welcher Aufgabe?“. Immer wieder aus dem Blick der Barmherzigkeit Gottes heraus!
Von meiner philippinischen Freundin habe ich gelernt, diese Frage immer wieder in der Stille vor Gott zu bringen mit meinem ganzen Leib und mit Bewegung. Hier finde ich Antwort auf die Frage, wo mein Platz und meine Aufgabe in der Welt ist, und die Kraft, auch gegen den Strom zu schwimmen und mich nicht der Welt gleichzustellen. So lasse ich mich immer wieder von Gott ausrichten und werde erneuert.
Ein letzter Gedanke: Weil Gott uns seine Gnade geschenkt hat, können wir Maß halten, mit dem was wir tun. Wir werden von Gott nicht überfordert, da er uns Schwestern und Brüder zur Seite gestellt hat, mit denen wir gemeinsam für die Gerechtigkeit in dieser Welt einstehen. So werde auch ich mich nicht überfordern, sondern meine eigenen Grenzen achten.
Gott hat mir ein gewisses Maß an Kraft gegeben, dies anzuerkennen, ist auch ein Zeichen des Glaubens und Vertrauens auf Gott.
Dieser Beitrag wurde am 9.1.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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Lebendiger Gott, erfrische mich wie Tau am Morgen – öffne mich – forme mich – fülle mich – brauche mich. Amen. |
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