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Gottes Vertrauensvorschuss

<b>Denken an einen Menschen, der nicht mehr lebt.</b> Seinen Namen nennen – eine Kerze anzünden. Was habe ich von ihm empfangen? Was konnte ich ihm zurückgeben? Bin ich dem gerecht geworden, was Gott von mir erwartet – als treuer Knecht? Foto: Irina Par

Denken an einen Menschen, der nicht mehr lebt. Seinen Namen nennen – eine Kerze anzünden. Was habe ich von ihm empfangen? Was konnte ich ihm zurückgeben? Bin ich dem gerecht geworden, was Gott von mir erwartet – als treuer Knecht? Foto: Irina Par

Lukas 12, 42-48: 42 Der Herr aber sprach: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr über seine Leute setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was ihnen zusteht? 43 Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn er kommt, das tun sieht. 44 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über alle seine Güter setzen.

45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht, und fängt an, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu essen und zu trinken und sich vollzusaufen, 46 dann wird der Herr dieses Knechtes kommen an einem Tage, an dem er’s nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn in Stücke hauen lassen und wird ihm sein Teil geben bei den Ungläubigen.

47 Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn kennt, hat aber nichts vorbereitet noch nach seinem Willen getan, der wird viel Schläge erleiden müssen. 48 Wer ihn aber nicht kennt und getan hat, was Schläge verdient, wird wenig Schläge erleiden. Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.

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Landeskirchenrat Dr. Vicco von Bülow (44) ist Dezernent für Theologie, Gottesdienst und Kirchenmusik der westfälischen Landeskirche

Wir befinden uns im Jahre 50 vor Christus. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bevölkertes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.“

Wir befinden uns im Jahre 2011 nach Christus. In ganz Deutschland liegen seit dem Spätsommer Lebkuchen in den Regalen der Supermärkte, die Adventsbeleuchtung in den Fußgängerzonen strahlt hell, die Adventsmärkte sind fertig aufgebaut.

Manchmal komme ich mir in der evangelischen Kirche so vor wie im Gallischen Dorf des Asterix. Geht Ihnen das auch so? Da fühlt man sich schon etwas allein, wenn nur wir in der Kirche da nicht mitmachen. Wenn wir darauf beharren, dass das neue Kirchenjahr noch gar nicht begonnen hat, sondern erst einmal das alte zu Ende gehen muss. Der letzte Sonntag des Kirchenjahres ist der Ewigkeitssonntag. Und er hat eine so ganz andere Stimmung als der bunte Adventskommerz.

Am Ewigkeitssonntag oder Totensonntag gedenken wir der Toten. Derer, die in diesem Jahr verstorben sind. Und derer, die schon seit einiger Zeit tot sind, aber in unserem Herzen und unseren Gedanken bleiben. Wir lassen uns daran erinnern, dass unsere Zeit nur ein kleiner Teil der Ewigkeit ist. Und dass diese Ewigkeit kein zielloses Im-Kreis-Laufen ist, sondern ein Ziel hat. Bei Gott.

Der Predigttext für den Ewigkeitssonntag hilft uns dabei. Er stammt aus dem 12. Kapitel des Lukasevangeliums. Jesus und seine Jünger reden über die Zeit, wenn er nicht mehr bei ihnen sein wird. Jesus erzählt vom treuen und klugen Verwalter, den der Herr über alle seine Güter setzen wird. Aber auch von seinem Gegenbild: Dem Knecht, der seine Verantwortung für die anderen Knechte und Mägde missbraucht. Der die Güter seines Herrn verprasst und damit auch dessen Güte verliert. Die Schilderung ist drastisch: Der Herr wird diesen Knecht in Stücke schlagen.

Keine Geschichte, die zu den Adventsmärkten und Schoko-Nikoläusen passt. Aber eine, die uns etwas zu sagen hat, auch wenn wir ihr nicht in allen bildlichen Details folgen können. Die Aussage ist verheißungsvoll und bedrohlich zugleich: Das, was ich anderen antue, bleibt nicht ohne Folgen. Gott hat mich mit einem Vertrauensvorschuss ausgestattet. Er traut mir zu und beauftragt mich damit, meine Mitmenschen entsprechend mitmenschlich zu behandeln.

Der Sonntag dieser Woche bietet die Möglichkeit zur Rückschau. Wie bin ich mit den Verstorbenen umgegangen, derer ich jetzt gedenke? Bin ich dem göttlichen Vertrauensvorschuss gerecht geworden? Habe ich mich den Toten gegenüber als treuer Knecht Gottes erwiesen? Oder habe ich auf ihre Kosten gegessen, getrunken und mich vollgesoffen? Eine Selbstprüfung, die nicht immer angenehm sein mag. Die aber auch manches Gute zu Tage fördern kann, das ich vielleicht schon fast vergessen hatte.

Nutzen wir die Zeit dafür. Sie ist jetzt dran.

Und danach feiern wir freudig den Advent. Das Kommen des Herrn, auf den die Zeit zuläuft. Und die Ewigkeit.

Dieser Beitrag wurde am 19.11.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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Gebet

Gott, Du traust mir zu, mit anderen Menschen menschlich umzugehen. Dafür danke ich Dir. Du weißt, dass ich das nicht immer geschafft habe. Ich erkenne es gerade in der Erinnerung an die Menschen in meiner Umgebung, die im vergangenen Jahr verstorben sind. Vergib mir, wo ich ihnen nicht gerecht geworden bin. Und stärke mich, Deinen Auftrag zur Mitmenschlichkeit zu erfüllen. Amen.

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