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Gott lockt zum Handeln

Es brennt wie Zunder – und doch verbrennt das Buschwerk nicht. Mose wird neugierig, als er dieses rätselhafte Feuer sieht. Gott lockt ihn an, um mit ihm zu reden und ihn für eine große Aufgabe zu gewinnen. Foto: jayfish

Es brennt wie Zunder – und doch verbrennt das Buschwerk nicht. Mose wird neugierig, als er dieses rätselhafte Feuer sieht. Gott lockt ihn an, um mit ihm zu reden und ihn für eine große Aufgabe zu gewinnen. Foto: jayfish

2. Mose 3, 1-10 (11-14) in Auswahl: 1 Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe über die Steppe hinaus und kam an den Berg Gottes, den Horeb. 2 Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde. …

4 Als aber der Herr sah, dass er hinging, um zu sehen, rief Gott ihn aus dem Busch und sprach: Mose, Mose! Er antwortete: Hier bin ich. … 6 Und er sprach weiter: Ich bin der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs. Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen. 7 Und der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. 8 Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand … 9 Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängen, 10 so geh nun hin, ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.


__________________________

Ralf Radix (47) ist Pfarrer und landeskirchlicher Beauftragter für Notfallseelsorge

Es ist eine der bekanntesten Erzählungen im Alten Testament: Die Berufung des Moses am brennenden Dornbusch.

Eine bewegende Geschichte hatte er ja bereits hinter sich: Von seiner Mutter aus Angst vor der Ermordung am Ufer des Nils ausgesetzt, wird er von der Tochter des Pharaos gefunden. Er wächst im Palast in luxuriösen Verhältnissen auf. Als junger Mann nimmt er die Leiden des Volkes Israel in Ägypten wahr. Er tötet einen Aufseher, um der Misshandlung eines israelitischen Sklaven ein Ende zu setzen und muss als Mörder aus Ägypten fliehen. Er fand eine neue Heimat bei den Midianitern am Golf von Akaba, östlich der Sinaihalbinsel, und wird Schafhirte – welch ein Auf- und Abstieg.

So ist das Leben: Eben nicht gradlinig. Es verläuft nicht wie geplant. Oft kommt etwas dazwischen. Unser Leben ist ein stetiges Auf und Ab von guten und weniger guten Erfahrungen und Erlebnissen.
Jetzt steht Moses wieder an einem Wendepunkt seines Lebens. Gott spricht zu ihm durch einen brennenden Dornbusch.

Unverhofft kommt oft. Eher zufällig verlässt Moses das gewohnte Weidegebiet. Und doch ist es kein Zufall, denn Gott hat etwas mit ihm vor. Auf gewöhnlich ungewöhnliche Weise – ein brennender Busch in der Wüste an sich ist noch nichts Unnormales – teilt er es ihm mit.


Der brennende Dornbusch hat viele Gesichter. Durch Menschen und Ereignisse hat Gott zu allen Zeiten Kontakt mit seinen Geschöpfen gesucht und aufgenommen – bis heute. Es kommt darauf an, ob wir uns die Neugier, die Moses zum brennenden Dornbusch hinzieht, bewahrt haben. Es kommt darauf an, ob wir damit rechnen, dass Gott mitten in unser alltägliches, gewöhnliches Treiben hinein mit uns redet.


Gott beginnt seine Ansprache an Moses damit, dass er das Leid seines Volkes gehört und gesehen habe.
Zu diesem Zeitpunkt lebten die Israeliten bereits rund 400 Jahre in Ägypten, davon etwa 200 Jahre in Sklaverei.
Bei den vielen oft lang anhaltenden globalen und persönlichen Krisen, in denen wir Menschen stecken, mag manch einer die Klage in seinem Herzen tragen: „Meine Augen sind trübe geworden, weil ich so lange warten muss auf meinen Gott.“ (Psalm 69, 4).


Zeit ist bei Gott eine andere Größe. „Denn tausend Jahre sind vor dir wie der Tag, der gestern vergangen ist.“ (Psalm 90, 4). Da ist zum einen Geduld von uns gefordert. Vor allem aber können wir vom Volk Israel in Ägypten lernen. Es hat scheinbar nie aufgehört, Gott seine Not im Gebet zu beklagen. Und nun erhält es die Bestätigung: Ich habe das Elend meines Volks gesehen, ihr Geschrei gehört und ihre Leiden erkannt.
Und Gott handelt.


Er beauftragt Moses, sein Werkzeug auf Erden zu sein, mit dem er der Not seines Volkes in Ägypten ein Ende setzt. Und der macht sich auf den Weg.


Es gehört zu Gottes Plan, auch durch unsere Augen, Ohren, Hände und Füße in die Geschehnisse dieser Welt einzugreifen, um die Verhältnisse zum Guten zu verändern. Das Leid der Menschen dringt an unsere Ohren, aber oft bleiben wir stehen und unsere Hände ruhig. Glauben wir, zu ohn-mächtig zu sein, doch nichts ausrichten zu können? Es ist nicht unsere Aufgabe, das zu bewerten. Gerade durch namenlose (Vers 11), unbedeutende (Kapitel 4, 1) und im Reden ungeübte (Kapitel 4, 10) Menschen hat Gott große Umwälzungen vollzogen.

Dieser Beitrag wurde am 28.1.2012 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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Gebet

Guter Gott, lass uns neugierig bleiben auf dein Rufen und Handeln in unserem Leben. Wecke in uns die Bereitschaft, uns von dir senden zu lassen. Amen.

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