Andacht für den 5.September
Gott ist ein Papa

Papa und natürlich auch Mama sind doch die Besten. Und sie können das Vertrauen wachsen lassen, das wichtig ist, um sich dem Vater im Himmel zuzuwenden. Foto: pressmaster
Römer 8, 14-17: Welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder. Denn ihr habt nicht einen knechtischen Geist empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen kindlichen Geist empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!
Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind. Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben und Miterben Christi, wenn wir denn mit ihm leiden, damit wir auch mit zur Herrlichkeit erhaben werden.
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Dr. Gerald Wagner (33), ist Pfarrer und leitet das Pilgerbüro und ist theologischer Referent des Ev. Erwachsenenbildungswerkes Westfalen Lippe e.V.
Ein älterer Herr klopft an die Tür der Amtsstube. Es ist Gott. Er spricht auf dem Jugendamt vor. Und beantragt: Adoption. Darauf der zuständige Beamte: „Wen möchten Sie denn adoptieren?“ Der Antragsteller: „Alle Menschen sollen meine Kinder werden.“ Der Sachbearbeiter pfeift leise durch die Zähne.
Es entspinnt sich ein Gespräch. Und Gott fängt an zu erzählen. Er legt dar, was ihn als Vater ausmacht – so stelle ich mir die Szene weiter vor. Was ist das für ein Vater, der die Menschen zu seinen Kindern zählt? Zwei Charakterzüge treten dabei zu Tage. Beide sind ein Segen.
Das Erste – im Predigttext nicht zu überlesen: Gott zieht das Urvertrauen eines kleinen Kindes auf sich. Er ist es wert, zärtlich ‚Abba‘ angeredet zu werden. Luther hat auf der Wartburg ‚Abba, lieber Vater‘ übersetzt. Heute müsste man sagen: Gott ist ein ‚Papa‘. Mit all den Gefühlen, die dazu gehören. Aber dieses Wort für den eigenen Vater kannte Luther noch nicht. Die deutsche Sprache hat es nachweislich erst 100 Jahre nach Luther eingeführt. Sie entlehnte es beim Französischen. Vielleicht, weil dieses leidenschaftlicher ist. Gott als Papa, als emotionaler Vater. Hier könnte man auch einsetzen: Gott als Mama.
Wir wollen dem zweiten Charakterzug Gottes auf die Spur kommen: Seiner Zuverlässigkeit, die das Leben fördert. Um die zu verstehen, reisen wir in die antike Welt. Damals benahm sich mancher Vater gegenüber den Kindern, wie der Herr über den Knecht. Das Entscheidende dabei war nicht, dass der bestimmte und manches Mal zuschlug. Gewalt war und ist traurige Wirklichkeit der Familie. Vielmehr war Zentrum des antiken Herr-Knecht-Verhältnisses, dass ein solcher Vater willkürlich zwischen Zuneigung und Ablehnung schwanken durfte. Man wusste einfach nie, wo man gerade dran war. Keine Regeln erkennbar – nirgends. Das war von demjenigen vielleicht sogar manches Mal gut gemeint. Aber wenn Väter – und Mütter – dauerhaft nicht festlegbar sind, dann wird die Entwicklung der Kinder ausgebremst. Orientierung bleibt aus, und die Lust am Abgrenzen vergeht. Mit dem überdeutlichen Wort des Predigttextes: Das Leben wird zum ‚Fürchten’.
Schon der antike Autor Lukrez schrieb: Wenn ihr Götter wie diese Väter habt, dann schafft sie schnellstens ab! Im Predigttext heißt es: Ihr werdet als Kinder Gottes gerade nicht willkürlich wie Knechte behandelt. Ihr steht nicht unter einem ‚knechtischen Geist‘. Bei Gott weicht das ‚Fürchten‘ aus der Kindheit. Und mit berechenbaren Regeln zieht das Leben ein. Das ist das zweite, mindestens genauso wichtig: Gott ist ein zuverlässiger Vater.
Um noch einmal im Bild des Jugendamtes zu reden: Der Beamte ist fast überzeugt. Aber er möchte abschließend wissen, was die Kinder Gottes von dieser Adoption haben. Die Antwort findet sich im römischen Recht, das dem Römerbrief zu Grunde liegt. Es ist pures Evangelium.
Zunächst tilgt nämlich eine Adoption nach römischem Recht alle vorher aufgeladenen Schulden. Kind Gottes sein bedeutet: Ich kann neu anfangen! Die Kinder Gottes werden als Christen nicht kleiner als sie vorher waren. Kinder Gottes wachsen als Freie über sich hinaus! Freiheit ist der erste Gewinn der Kinder Gottes.
Aber es kommt noch besser: Dem römischen Kind gehört alles, was seinem Adoptivvater eignet. Der berühmte Fall der Rechtsgeschichte: Das Eigentum von Julius Cäsar geht mit der Adoption auf den späteren Kaiser Augustus über. Also: Den Kindern Gottes wird alles zum Besitz, was Gottes ist. Seine ganze Schöpfung ist ihre. ‚Alles was mein ist, ist Dein‘, spricht der Vater. Was für ein Geschenk Gottes! Was für Lebensmöglichkeiten! Was für eine Verantwortung!
Bleibt also dem Beamten des Jugendamtes das Schlusswort. Vom Predigttext des Römerbriefes überzeugt, spricht er: „Dem Antrag Gottes auf Adoption ist in allen Fällen stattzugeben!“ In der Sprache der Bibel: Amen.
Dieser Beitrag wurde am 4.9.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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Gott, an diesem Tage möchte ich Dir sagen: Ich danke Dir, dass Du mein Vater bist! Amen. |
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