Andacht für den 11. Juli
Getauft: Durch den Tod ins Leben

Anrührender Moment. Das Kind verfolgt mit wachen Augen alles mit, was da geschieht. Was unser aller Augen nicht sehen, ist die Dramatik der Taufe: Sie ist ein Tauchgang durch den Tod hindurch, hinein in ein neues Leben. Foto: travis manley
Römer 6, 3-8 (9-11) in Auswahl: Oder wisst ihr nicht, dass alle, die wir auf Christus Jesus getauft sind, die sind in seinen Tod getauft?
4 So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit, wie Christus auferweckt ist von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm verbunden und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein.
6 Wir wissen ja, dass unser alter Mensch mit ihm gekreuzigt ist, damit der Leib der Sünde vernichtet werde, sodass wir hinfort der Sünde nicht dienen. 7 Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. 8 Sind wir aber mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden, (...)
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Viktoria Keil (44) ist Pfarrerin in der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Barntrup, Lippe
Bei dem Gedanken an eine festliche Taufe kommen mir Bilder in den Sinn: Ich denke an wachsame Säuglinge im Arm ihrer Eltern, die aufmerksam jede meiner Bewegungen verfolgen, die das Licht der Taufkerze nicht aus den Augen lassen.
Manchmal patscht eine wendige kleine Kinderhand neugierig ins Taufwasser der Taufschale. Die Taufe wird vollzogen – der Taufspruch genannt. Gottes Begleitung wird spürbar durch seine Segenszusage.
Paulus sieht die Taufe anders (Vers 3). An dieser Stelle der zahlreich erlebten Taufen müsste ich der festlich und gesegneten Tauffamilie sagen: Was wir hier feiern, ist kein Freudenfest, sondern ein Begräbnis.
Und ich ahne, wie erschreckt manche Eltern und Paten wären! Das passt doch gar nicht in unser fröhliches Fest, zu den hoffnungsvollen Wünschen für eine Zukunft, für die wir Gott bitten möchten, uns zu stärken.
Das klingt eher nach Schreckensvision als nach Segenszusage! Wenn wir an dieser Stelle der Bedeutung der Taufe feststecken würden, dann würden viele Eltern sorgenvoll ablehnen. Die Taufe ihres Kindes wäre eine Hürde zum Christsein, die nur mit großer Anstrengung überwunden werden kann. Manche würden auf die Kindertaufe schockiert verzichten.
Paulus zeigt in Vers 4-7 den zweiten Aspekt auf: Wir durchleben alle Stationen des Lebens Jesu in der Taufe: Tod und Auferstehung. Wir leben in Christus, d.h. wir kommen in den Genuss der Freiheit, für die Jesus sein Leben eingesetzt hat. Die Freiheit von der Sünde wird in der Taufe in unser Leben hineinkopiert.
Dabei ist Sünde nicht so harmlos verstanden wie eine Kalorienbombe mitten in der Fastenzeit oder ein mehr oder weniger schwerwiegendes Fehlverhalten, das zu einem Bußgeldverfahren führt. Sünde ist eine grundsätzliche Verdrehtheit des Menschen zum Bösen. Der Mensch kommt aus dem Sumpf aus eigener Kraft nicht heraus.
Am Beispiel der Umweltkatastrophe vor der Küste Lousianas können wir erkennen, wie uns die Sünde packt. Wir sind alle verstrickt in die weltweite Ausbeutung der Ölvorkommen. Jeder setzt sich ins Auto und verbraucht damit Öl. Selbst wenn wir mit dem Fahrrad unterwegs sind, können wir nicht verhindern, dass die Reifen aus Öl hergestellt werden. Wir sind alle verstrickt in die Struktur der Ausbeutung und Vernichtung des Lebens an der Küste Amerikas.
Wir sehen uns als Opfer, als kleine Rädchen, die doch nichts ausrichten.
An dieser Stelle stellt uns Getaufte der Paulustext in ein ganz anderes Licht: Wir sind keine Spielball der Mächte, kein Opfer des Schicksals, sondern frei geworden von der Sünde.
Wir bekommen durch die Taufe ein neues Leben. So können wir befreit leben. Das, was Jesus nach der Auferstehung für uns bewirkt, verändert unser Leben (Vers 8).
Uns können die Mächte nichts mehr anhaben. Ein irisches Segenswort für die Taufe veranschaulicht das. Für die Zukunft wünschen wir den Täuflingen: Gott gebe dir für jeden Sturm einen Regenbogen, für jede Träne ein Lachen, für jede Sorge einen Menschen, sie zu teilen, für jeden Seufzer ein schönes Lied und eine Antwort auf jedes Gebet.
Rückblickend sehen wir, die mit ihrer Taufe schon lange leben: Es gibt Stürme, die hauen uns um (wie die Ölkatastrophe vor der Küste Lousianas), aber wir geben nicht auf, darauf zu vertrauen, dass Gott uns hilft, mit allen Mitteln gefährliche Ölförderungsmethoden für die Zukunft zu verhindern. Dann wird der Regenbogen sichtbar.
Bei mir ist schon manche Träne geflossen, aber ich finde wieder zum Lachen. Ich habe Sorgen – aber da sind Menschen, die meine Sorgen mit mir teilen. Ich muss seufzen, weil es nicht einfach ist, der Einsatz ist oft so hoch und das Ergebnis so mager, aber da ist ein Lied, das mir hilft.
Ich habe manches Mal gebetet und lange keine Antwort gehört und dann kommt die Antwort so klar. Keine Welt- oder Schicksalsmächte halten unser Leben in ihrer Hand, sondern Christus, auf den wir getauft sind.
Dieser Beitrag wurde am 10.7.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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| Gebet |
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Unser Gott, du berührst unser Leben in der Taufe, das verändert uns. Du legst uns die Kraft der Aufstehung deines Sohnes ins Herz und machst uns fähig, den Verstrickungen der Sünde mit einem Befreiungsschlag zu begegnen. Mach uns bereit, aus dieser Freiheit zu leben und auf unserem Lebensweg täglich mit deinem Segen unterwegs zu sein. Amen. |
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