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Andacht zum 8. August

Gemeinsam Zeugen sein

Gebet an der Klagemauer: Die Westmauer blieb nach der Zerstörung vom Tempel übrig. Heute trauern Juden und Christen gleichermaßen an diesem jüdischen Trauertag. Denn Gott lässt sein Volk auch in der Not nicht im Stich. Foto: Gerd-Matthias Hoeffchen

Gebet an der Klagemauer: Die Westmauer blieb nach der Zerstörung vom Tempel übrig. Heute trauern Juden und Christen gleichermaßen an diesem jüdischen Trauertag. Denn Gott lässt sein Volk auch in der Not nicht im Stich. Foto: Gerd-Matthias Hoeffchen

Römer 9, 1-8. 14-16: Ich sage die Wahrheit in Christus und lüge nicht, wie mir mein Gewissen bezeugt im heiligen Geist, dass ich große Traurigkeit und Schmerzen ohne Unterlass in meinem Herzen habe.

Ich selber wünschte, verflucht und von Christus getrennt zu sein für meine Brüder, die meine Stammverwandten sind nach dem Fleisch, die Israeliten sind, denen die Kindschaft gehört und die Herrlichkeit und der Bund und das Gesetz und der Gottesdienst und die Verheißungen, denen auch die Väter gehören, und aus denen Christus herkommt nach dem Fleisch, der da ist Gott über alles, gelobt in Ewigkeit. Amen. Aber ich sage damit nicht, dass Gottes Wort hinfällig geworden sei.

Denn nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen; auch nicht alle, die Abrahams Nachkommen sind, sind darum seine Kinder. Sondern nur „was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht genannt werden“ (1. Mose 21,12) das heißt: Nicht das sind Gottes Kinder, die nach dem Fleisch Kinder sind; sondern nur die Kinder der Verheißung werden als seine Nachkommenschaft anerkannt. Was sollen wir nun hierzu sagen? Ist denn Gott ungerecht? Das sei ferne! Denn er spricht zu Mose (2.Mose 33,19): „Wem ich gnädig bin, dem bin ich gnädig; und wessen ich mich erbarme, dessen erbarme ich mich.“ So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.


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Dieter Eggers (65) ist Pfarrer i.R. und Synodalbeauftragter für das christlich-jüdische Gespräch im Kirchenkreis Gütersloh


Tischa be-Aw – jüdischer Trauertag über die Zerstörung des Tempels in Jerusalem (70 n. Chr.).

Geht uns Christen dies etwas an? Trauert die Christenheit etwa mit? Eher ist der heutige Israelsonntag über Jahrhunderte Ausdruck des Triumphes der Kirche über die Synagoge. Tempel und Jerusalem sind zerstört – Israel von Gott verstoßen und enterbt! Die Kirche ist das neue Israel! So die Geschichte dieses bitteren Trauertages über Jahrhunderte!

Als wenn Paulus es geahnt hätte, greift er dieses Thema in seinem Brief an die Gemeinde in Rom auf und ruft mit großer Emotionalität und Leidenschaft der Gemeinde in Rom zu: Gottes Treue zu seinem Volk Israel ist nicht verhandelbar! Daran erinnert der Apostel, wenn er in Vers 4 und 5 von den Gnadengaben Israels schreibt und sie mit einem strahlenden Gotteslob bestätigt.

Seine eigene Verbundenheit mit Israel und die Israels mit Gott bleibt unter Schmerzen bestehen. Die Identität, Unmittelbarkeit und Stärke Israels, seines Glaubens und seiner Existenz haben Christen zu würdigen, zu achten und zu preisen.

Ja, sie sind eingeladen, sich mit Israel dankbar darüber zu freuen und auch am christlichen Verhältnis zu Kindschaft, Herrlichkeit, Bundesschlüssen, Gabe der Tora, Gottesdienst und Verheißungen zu arbeiten. Die Christenheit hat auf diesem Wege Fortschritte gemacht, auch hier in den westfälischen Gemeinden und Synoden.

In vielen jüdisch-christlichen Begegnungen und Gesprächen ist eine Atmosphäre gewachsen, die auf ein neues verständnisvolles Miteinander von Juden und Christen hoffen lässt. „Du gehst mich an“ lautet der Titel einer Ausstellung, in der Juden und Christen in Westfalen auf dem Weg zu einem neuen Verhältnis sind.

Der Titel ist Programm und es bleibt zu hoffen, dass jüdische Nachbarn heute und in Zukunft uns, die Christen, etwas angehen. Durch aufmerksames Miteinander können dann Christen und Juden voneinander lernen.

Der Konflikt, in dem Paulus sich in seiner Person sieht und der in den weiteren Versen unseres Textes angesprochen ist, mündet im letzten Vers im freien Erbarmen Gottes.

Es kommt also nicht auf unser menschliches Tun an, Gott wird sich erbarmen über Christen und Juden. In seiner Hand liegen ihre Gegenwart und Zukunft.

Es mag dann uns Christen frei machen, zu lernen und in die Tat umzusetzen, dass Christsein nur heißen kann, mit Israel Christ zu sein. Können wir dann am Israelsonntag einfühlsam denken an die Zerstörung des Tempels in Jerusalem und die Bitternis dieses Tages für die jüdische Welt vergessen machen?!

So werden Juden und Christen wahre Zeugen für den einen Gott, der für uns der Vater Jesu Christi ist. »Gott sei gelobt in Ewigkeit. Amen.«

Dieser Beitrag wurde am 7.8.2010 um 15.00 Uhr veröffentlicht.

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Gebet

Gott Israels, Vater Jesu Christi, deine Treue ist der Grund, der uns trägt, dein Erbarmen schenkt uns neue Anfänge. Lass uns aufmerksam auf dich und Seite an Seite mit Israel deinem Wort und Willen folgen. Amen.

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