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Andacht für den 2. Oktober

Gemeinde wird herrlich durch Teilen

Für jeden ein Stück vom Ganzen,  so reicht es für zehn. Auch wenn die Gier eine andere Rechnung aufmacht – Jesus nimmt seiner Nachfolger in die Pflicht. Die Wundergeschichte beginnt mit dem Teilen.     Foto:  monropic

Für jeden ein Stück vom Ganzen, so reicht es für zehn. Auch wenn die Gier eine andere Rechnung aufmacht – Jesus nimmt seiner Nachfolger in die Pflicht. Die Wundergeschichte beginnt mit dem Teilen. Foto: monropic

Jesaja 58, 7-12: 7 Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen. 9 Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, 10 sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 11 Und der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken.

Und du wirst sein wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. 12 Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward; und du sollst heißen: „Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne“.


_________________________


Burkhard Weber (57) ist Direktor der Evangelistenschule Johanneum, Wuppertal

Gemeinde wird herrlich durch Teilen.

Dieser Satz kam mir sofort in den Sinn, als ich über das Erntedankfest und die Aufforderung „Brich dem Hungrigen dein Brot“ aus dem Buch Jesaja nachdachte. „Gemeinde wird herrlich durch Teilen“ – das war der von mir nie vergessene Leitgedanke für eine Predigt, die der Herner Superintendent Fritz Schwarz (1930-1985) gehalten hat. Es war wenige Jahre vor seinem frühen Tod. Der Anlass war das Erntedankfest, das auf einem der letzten wenigen Bauernhöfe in Herne mitten im Ruhrgebiet mit einem Festgottesdienst gefeiert wurde.


Fritz Schwarz war damals schon bekannt als Theologe, der Kirche und Wissenschaft „aufmischte“.

Der missionarische Gemeindeaufbau war sein Thema, genauso die Evangelisation, genauso das „einfache Evangelium“ von Jesus, genauso die geistliche Erneuerung der Kirche. Also alles „fromme“ Themen. Manche sagten damals (sei es aus Bewunderung, sei es aus Abwehr), der Herner Superintendent sei der „Gemeindeaufbau-Papst“ in Deutschland.

Natürlich erwarteten die Leute, dass Fritz Schwarz beim Erntedankfest genau in dies Horn blasen würde.

Er tat es nicht. Er erfüllte nicht die Erwartungen. Denn er hatte nicht über seine angeblichen Lieblingsthemen, sondern über Jesaja 58 zu predigen. Er bog den Text nicht um. Er bediente nicht die Erwartungen der Hörer, sondern stellte sich der Herausforderung des Textes.

Das war unbequem. Manche der Zuhörer waren erbost.

Ich arbeite als Direktor der Evangelistenschule Johanneum, die in diesem Jahr 125 Jahre besteht und Menschen für die Verkündigung des Evangeliums ausbildet. Gern würde ich etwas schreiben über theologische Ausbildung, über Evangelisation und geistliche Erneuerung unserer Kirche. Aber ich kann dies nicht an diesem Text vorbei. Es ist nämlich auch ein evangelistischer Text.


Es geht um ein Leben aus Dank. Der Dank an Gott wird sichtbar am sozialen Handeln. Das Evangelium soll durch Wort und Tat bei den Menschen ankommen.

Die Aufforderungen in Jesaja 58 sind wörtlich gemeint. Darum will ich sie nicht vergeistlichen.
Die Aufforderungen zum Teilen, zum diakonischen Handeln und zum Einsatz für Gerechtigkeit stehen unter einer großen Verheißung: Gemeinde kann anders werden.

Die Aufforderungen sind konkret. Martin Luther: „Die Verheißungen werden nicht darum gegeben, dass wir dabei schnarchen, faulenzen und schlafen oder das tun sollen, was genau gegen diese Verheißung ist; sondern wir sollen dabei arbeiten, wachsam sein und Frucht bringen.“

Und jetzt?

Jetzt ist das Tun dran. Nicht das Diskutieren. Nicht die geistliche Beschwichtigung. Nicht die Ausflucht in andere Lieblingsthemen. Mir selbst ist das klar. Ich habe drei (kleine!) Konsequenzen gezogen: Ich habe noch einmal mein Gehaltskonto überprüft und den „Zehnten“ angepasst. Ich habe bei einer Einladung an Gäste nur die Hälfte vom Geplanten aufgetischt und das Gesparte dahin gegeben, wo Menschen hungern.

Ich habe mir vorgenommen, mit anderen darüber zu sprechen, wie unser Teilen von einer Privatinitiative zum gemeinsamen Handeln von Gemeinde und Gesellschaft werden kann.

Zugegeben, nur drei sehr kleine Konsequenzen. Ich bin und bleibe fasziniert von den Verheißungen Gottes für seine Gemeinde. Ich bin und bleibe beunruhigt von der Deutlichkeit, wie wir nach Gottes Willen Erntedank feiern sollen.

Dieser Beitrag wurde am 1.10.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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Gebet

Du, unser Gott, sagst uns, wie wir nach Deinem Willen leben sollen. Danke, dass Du konkret redest. Hilf uns, dass wir konkret antworten. Amen.

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