Andacht für den 11. Dezember
Die Kraft des Lobens

Wie können wir mit Gott in Beziehung treten? Im Rufen, im Klagen, im Bitten, aber dann immer wieder im Loben. Weil er sich dem Menschen bedingungslos zuwendet. Gott gibt seinen geliebten Geschöpfen die Würde. Foto: Vibe images
Römer 15, 4-13 (Auswahl): 4 Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, damit wir durch Geduld und den Trost der Schrift Hoffnung haben. 5 Der Gott aber der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid untereinander, Christus Jesus gemäß, 6 damit ihr einmütig mit einem Munde Gott lobt, den Vater unseres Herrn Jesus Christus.
7 Darum nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob. 8 Denn ich sage: Christus ist ein Diener der Juden geworden um der Wahrhaftigkeit Gottes willen, um die Verheißungen zu bestätigen, die den Vätern gegeben sind; 9 die Heiden aber sollen Gott loben um der Barmherzigkeit willen, wie geschrieben steht (Psalm 18,50): „Darum will ich dich loben unter den Heiden und deinem Namen singen.“ (...) 12 Und wiederum spricht Jesaja (Jesaja 11,10): „Es wird kommen der Spross aus der Wurzel Isais und wird aufstehen, um zu herrschen über die Heiden; auf den werden die Heiden hoffen.“ 13 Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.
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Dieter Tometten (57) ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Soest
Was ist nun? Zeigst du uns, wie es mit uns und der Welt weitergeht? Oder muss man auf einen anderen warten? Im Evangelium zum 3. Advent (Matthäus 11, 2-6) fragt so Johannes. Er erfährt: Sichtbare Tatsachen sprechen für Jesus.
Was die Jünger mit Jesus live erlebten, bestätigt Paulus mit der Predigt auch für diesen Advent. Er stützt sich auf das, was er tatsächlich erlebt. Dass Menschen aller Völker mit den Juden zusammen Gott loben, ist – nicht nur für ihn – eine Tatsache. Paulus erkennt aus der Heiligen Schrift, dass diese Erlebnisse richtungweisend sind. Denn sie bestätigen und erfüllen die uralten Verheißungen Gottes. Er zitiert sie extra aus der Thora, den Psalmen und den Propheten. Das bedeutet: Auf Gott kann man zu Recht seine Hoffnung setzen.
Das Lob als Tatsache? Es lohnt sich, vertrautes Misstrauen abzuschütteln und damit zu rechnen, dass Lob als echte Anerkennung und Würdigung gilt. Als unverfälschte Bezeichnung von Ausgezeichnetem, als Empfehlung und Orientierung. Wer Gutes erkennt, darf es loben. Wer Gutes leistet, darf sich Lob gefallen lassen. Das Lob und seine ehrlichen Inhalte sind zu schön, als dass wir darauf verzichten könnten. Gesundes Selbstvertrauen wächst daran ebenso wie echte Gemeinschaft. Der Stimmung tut es auch gut.
Aufrichtig loben, damit wäre manche Beziehung, manche Familie, Arbeitsteam, Nachbarschaft und manche Gemeinde einen guten Schritt weiter. Lob als Adventsidee!
Dass Gott gelobt wird, hat durchaus mit Gottes Leistung zu tun. Menschen vielerlei Herkunft und Glaubens – aus allen Völkern – haben erlebt, dass Gott für sie etwas getan hat, was ihnen außerordentlich gut tat. Die Ausdrucksweisen sind so unzählig wie die Erlebnisse. Gemeinsamer Kern ist: Gott hat sich ihnen im oft fatal erscheinenden Gefüge ihres Lebens, ihrer Zeit, ihrer Welt persönlich zugewandt – in Christus angenommen. Vielleicht erwuchs daraus Stärke. Vielleicht geschah Hilfe. Unverletztlich aber blieb ihre Würde als geliebtes Geschöpf Gottes, wie in Jesus Christus erkennbar.
Menschen empfehlen Gott weiter, weil Gott ihnen unverletzliche Würde verleiht. Sie empfehlen Gott anderen, die sich in ihrer Würde vielleicht mehr als verunsichert fühlen. Vielleicht sehen sie sich klein gemacht oder machen sich selber klein. Vielleicht sind sie an den Rand gedrängt. Vielleicht werden sie gar nicht erst hereingelassen in ein lebenswertes Leben. Vielleicht stehen sie irgendwie neben sich selber. Und bekommen eine Empfehlung von Menschen, die eigene, tragfähige Erfahrungen mit der Anerkennung durch Gott gemacht haben. Der Advent ist voll von kleinen und großen Zeichen, die man dafür auswählen kann, ohne dass es aufdringlich zu werden braucht. Zeichen der Hoffnung, des Verstehens und der Geduld.
Auf den ersten Blick wirkt der Paulustext als Aufforderung, der noch zu folgen ist. Aber Paulus spricht den Tatsachen größte Tragweite zu. Er orientiert sich an ihnen, um sie nicht gleich wieder zu diskreditieren. Also gegenseitige Würdigung, einander annehmen wie Christus uns angenommen hat, Gott nicht gegen andere ausspielen. So konkret wie möglich... Einfach gelten lassen, dass Gottes Verheißung seiner Barmherzigkeit für alle Völker Raum verschafft.
Dieser Beitrag wurde am 10.12.2011 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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Gott, du, lieb, einfallsreich, geduldig, beharrlich – danke für deinen Blick auf mich, da, wo ich gerade stehe. Das baut mich auf. Lass mich mit deinen Augen auf die Menschen sehen, für die ich etwas sein kann. Lass mich was Gutes für sie sein, gut in deinen Augen. Amen. |
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