Andacht zum 6. November
Der „Starke“ – entmachtet

Von der Ameise lernen, wie Stärke und äußerer Schein zusammenhängen. Am Kreuz Jesu wird es real: Der „Starke“ wird von einem äußerlich ganz Schwachen besiegt. Gott stellt die menschlichen Maßstäbe auf den Kopf. Foto: Eric Isselee
Lukas 11, 14-23: 14 Und er trieb einen bösen Geist aus, der war stumm. Und es geschah, als der Geist ausfuhr, da redete der Stumme. Und die Menge verwunderte sich. 15 Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt die bösen Geister aus durch Beelzebul, ihren Obersten.
16 Andere aber versuchten ihn und forderten von ihm ein Zeichen vom Himmel. 17 Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet und ein Haus fällt über das andre. 18 Ist aber der Satan auch mit sich selbst uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr sagt, ich treibe die bösen Geister aus durch Beelzebul. 19 Wenn aber ich die bösen Geister durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 20 Wenn ich aber durch Gottes Finger die bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen. 21 Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden. 22 Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute. 23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.
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Thomas Lux (36) ist Prediger des Sauerländischen Gemeinschaftsverbandes in Siegen
Jesus hat eben noch über das Gebet geredet: „Bittet, so wird euch gegeben.“ Er begründet dies mit einem Beispiel aus dem zwischenmenschlichen Bereich: Ein Vater gibt seinem Sohn nichts, was für ihn schädlich ist. Dann wird Gott seinen Jüngern – also auch uns – erst recht nur Gutes geben. Denen, die Gott vertrauensvoll bitten, wird eines besondere Gabe zuteil: Gottes Heiliger Geist!
Der Predigttext schließt bewusst daran an („und“). Der Heilige Geist wird hier „Finger Gottes“ genannt. Und wieder gebraucht Jesus einen Vergleich, dieses Mal nicht aus dem Leben von Familien, sondern von Staaten.
Die Heilung eines Stummen bildet dafür den Anlass (vgl. Markus 9,29). Die Heilung geschieht durch das Austreiben eines bösen Geistes. Wenn Menschen sich nicht artikulieren können, kann das verschiedene Gründe haben. In diesem Fall war der Mann von einem bösen Geist besessen. Jesus schmeißt ihn aus dem Leben des Mannes.
Die Mission Jesu ist es, das Reich Satans zu zerstören. Gottes Reich soll entstehen. Dies tut er, indem er böse Geister austreibt und endgültig, indem er an Karfreitag in das Reich des „Starken“ eindringt und es von innen vernichtet. Jesus kommt als der Noch-Stärkere – Gott ist stärker als der Tod! – und nimmt dem „Starken“ die Beute (Vers 22) ab: Menschen etwa, die an ihn gebunden sind, von Besessenheit Gefangene – wir selber?
In unseren Tagen reden wir wenig von bösen Geistern. In der Regel versuchen wir körperlichen oder psychischen Schwierigkeiten medizinisch zu begegnen. Doch unsere Sprache kennt noch die Situation, dass ein Mensch von einer Idee oder anderem besessen ist. Können Ideen nicht auch dämonisch sein? Wer oder was besetzt oder besitzt uns? Kann es sein, dass wir manchmal auch von uns selbst besessen sind?
Jesus schmeißt den bösen Geist aus dem Leben des Mannes. Und das Wunderbare geschieht: Der Verstummte kann wieder reden. Was wohl seine ersten Worte waren? Dass er Gott lobt, wird zwar im Text nicht erwähnt, aber es ist naheliegend.
Durch die Austreibung und damit verbundene Heilung entzündet sich ein Streit: „Warum kann der das?“ Und dahinter steht die Frage: „Darf der das? Und falls ja, warum?“ Ist hierbei auch Neid über das eigene Unvermögen mit im Spiel?
Dabei ist Jesu Gesprächspartnern das Austreiben von bösen Geistern weniger fremd als uns heute. Denn auch unter ihnen gab es die Praxis des Exorzismus. Was macht Jesus anders als ihre „Söhne“? Jesus wendet keine Magie an. Die braucht er nicht. Bei Jesus reichen Worte, denn Gottes Kraft, Gottes Heiliger Geist ist in ihm.
Diesen Heiligen Geist will Gott der Vater auch uns geben, wenn wir ihn darum bitten: Den Geist der Kraft, stärker als alle Finsternis, den Geist der Liebe zu Gott und zu unserem Nächsten und den der Besonnenheit, damit wir erkennen, dass es Gottes Geist ist, der durch uns die Finsternis vertreibt (2. Timotheus 1,7). Er selbst ist dann am Werk – durch uns.
Ein Lied des Evangelischen Gesangbuchs greift dies auf (EG 66,3):
Jesus ist kommen, der starke Erlöser, / bricht dem gewappneten Starken ins Haus, sprenget des Feindes befestigte Schlösser, / führt die Gefangenen siegend heraus. Fühlst du den Stärkeren, Satan, du Böser? / Jesus ist kommen, der starke Erlöser.
Dieser Beitrag wurde am 5.11.2011 um 21.00 Uhr veröffentlicht.
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| Gebet |
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Danke Jesus, dass du stärker bis als Sünde, Tod und Teufel. Du bist in diese Welt gekommen, um mich aus der Macht der Finsternis zu retten. Lass du mich auch heute frei davon mit dir leben. Lass mich ein Licht in dieser Welt sein – für dich – durch deinen Heiligen Geist. Amen. |
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