Andacht für den 25. Juli
Deckt das Böse auf!

Christen sollen die Finsternis hinter sich lassen und als Kinder des Lichts leben. Diese neue Existenz wird wunderschöne Früchte hervorbringen – in aller Öffentlichkeit: Güte, Gerechtigkeit, Wahrheit. Foto: s
Epheser 5, 8b-14: „Nun aber sei ihr Licht im Herrn. Lebt als Kinder des Lichts. Die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit. Prüft was dem Herrn wohlgefällig ist und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf.
Denn was von manchen heimlich getan wird, davon auch nur zu reden ist schändlich. Alles aber wird offenbar, wenn’s vom Licht aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht. Darum heißt es: Wach auf, der du schläfst und steh auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten!“
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Prof. Gerhard Wegner (57) ist Praktischer Theologe und Direktor des Sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD in Hannover
Eigentlich ist alles ganz klar. Halte dich an das Gute und meide das Böse! Oder in der Sprache der Bibel: Meide die Werke der Finsternis und stelle Dich in das Licht. Dann wird dich lauter Güte, Wahrheit und Gerechtigkeit umgeben. Dann lebst Du auf der richtigen Seite.
So schreibt es zumindest der Verfasser des Epheserbriefes, wohl ein Schüler des Paulus, um 60 nach Christus. „Steh auf, Du Schlafmütze“, so sagt er, steh auf von den Toten und „lass Dich von Christus erleuchten“. Dann wirst Du sehen, wo wirklich Güte, Wahrheit und Gerechtigkeit ist – und wo sie sich nur tarnt.
Das klingt gut. So könnte man leben.
Aber mir kommen Zweifel: Wenn es doch so einfach wäre und man so verlässlich Gutes und Böses unterscheiden könnte!
Als 1933 Adolf Hitler an die Macht kam, wurde er von den meisten Deutschen bejubelt.
Sie konnten das Böse nicht erkennen; es war gut getarnt und kam mit Versprechen auf soziale Gerechtigkeit, auf eine Gemeinschaft aller Deutschen jenseits der Klassen, auf Kraft und Stärke einher.
Hinterher, 1945, waren viele dann schlauer.
Ganz ähnlich war es auch bei der Wirtschaftskrise 2008. Ihr Auslöser waren gut gemeinte Programme zur Bekämpfung der Armut in den USA. Jeder, auch wenn er wenig Geld hatte, sollte sich ein Haus leisten können. Und so wurden gewaltige Hypotheken ohne wirkliche Sicherheiten vergeben. Und diese Risiken wurden dann weltweit verteilt.
Das konnte nicht gut gehen und riss die ganze Weltwirtschaft ins Verderben.
Auch in diesem Fall war man hinterher – aber eben erst dann – schlauer. 1933 und 2008 gab es Mahner – gar nicht wenige. Aber sie wurden nicht gehört oder an die Seite gedrängt und zu Spinnern erklärt.
Die ganz Klugen, die Macher und Manager und Mächtigen verwiesen stets auf das, was auf der Hand zu liegen schien: Es ginge doch gut voran. Und alle hätten etwas davon. Wie könne man da nur zurückstehen und zaudern? Bedenkenträger und Nörgler nerven nur.
Wer allerdings auch nur oberflächlich in die Bibel blickt, der kann wissen, wie gut getarnt der Teufel in der Gestalt des Verführers auftreten kann.
Da kann man mit den besten Absichten daherkommen und sich gut dabei fühlen. Sie werden von ihm ins Gegenteil verdreht. Er herrscht dadurch, dass er die Fähigkeit zur Unterscheidung von Gut und Böse untergräbt.
Das geschieht z. B. in der Form eines Gruppendrucks, durch den alle Beteiligten zu Lemmingen werden, die gemeinsam ins Unglück laufen. So etwas kommt in Aufsichtsräten, Vorständen großer Unternehmen, aber auch in Betriebsräten oder kirchlichen Kreisen vor.
Jeder redet sich ein: Ohne Vertrauen geht es nicht. Man kann doch nicht alles kontrollieren!
Zwar sind einige dabei, deren Gefühl ihnen sagt, dass etwas nicht stimmt. Aber sie können ja nicht schon wieder dagegen sein: Man kennt sie ohnehin als „schwierig“, weil sie immer so viel nachfragen. Sie selbst haben auch Zweifel und Angst, sich lächerlich zu machen, weil sie vielleicht einiges nicht so gut wissen, wie die Experten. Gründe, mitzulaufen überwiegen eigentlich fast immer dagegen, Widerstand zu leisten.
Und doch gibt es das ja, dass Menschen nein sagen und nicht mitmachen.
„Ihr müsst wissen, was ihr tut: aber mit mir nicht!“ So war es zum Glück auch dann bald nach 1933. Solche Menschen reklamieren ihre Freiheit – auch wenn es Risiken für sie selbst bedeutet – und sind so die einzigen, die wirklich Verantwortung übernehmen.
Sie können das, weil sie sich als im Licht stehend verstehen: im Glauben an Gott und seine Gebote gebunden. Und deswegen immer ein Stück über den Dingen stehend. Das verschafft einen klaren Kopf.
Dann sieht man vielleicht schneller, wenn sich die Finsternis herabsenkt und weiß, was man zu tun hat. Von solchen Menschen hängt alles ab. Sie sind Engel – auch wenn sie einem auf die Nerven gehen.
Dieser Beitrag wurde am 24.7.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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Gott! Schenke mir die Freiheit, Zwängen und Verführungen widerstehen zu können. Hilf mir zu erkennen, wo der Fürst der Finsternis sein Unwesen treibt. Lass mich im Licht Deiner Wahrheit bleiben und Liebe, Güte und Gerechtigkeit üben. Amen. |
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