Andacht für den 21. Februar
Bitte näher treten!

Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Fasten, das ist viel mehr als nur »Diät«. Die Evangelische Kirche lädt bis Ostern zur Aktion »Sieben Wochen ohne« ein. Foto: Mars
Hebräer 4, 14-16: Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.
Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht zu dem Thron der Gnade, damit wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden zu der Zeit, wenn wir Hilfe nötig haben.
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Marit Günther (33) ist Pfarrerin in der Ev. Georgs-Kirchengemeinde, Dortmund-Aplerbeck
Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Die letzten „Kamelle“ sind geworfen, das letzte „Strüssje“ gefangen, die „Jecken“ gehen nach Hause. Sieben Wochen bis Ostern liegen vor uns: sozusagen „7 Wochen ohne“, wie seit vielen Jahren die Fastenaktion der Evangelischen Kirche lautet.
Ohne was? Ohne Schokolade, ohne Fernsehen, ohne Rauchen, ohne Alkohol?
Wenn man sich für „7 Wochen ohne“ entscheidet, dann ist das ein Entschluss, den kleinen bis großen Versuchungen im Alltag 40 Tage lang zu widerstehen. Warum eigentlich? Um schlanker zu werden, um gesünder zu leben, um den Fernseher zu schonen?
Sicherlich nette Nebeneffekte, aber eigentlich geht es beim Fasten doch darum zu merken: Es geht auch anders! Die Fastenzeit ist ein Angebot, den Blick neu zu öffnen für die Dinge, die wir gern übersehen. Wir können eigentlich die eine oder andere Versuchung bleiben lassen, um uns selbst, aber auch Gott wieder näher zu kommen.
Statt des Kaschierens unserer eigentlichen Macken mit Frustschokolade, Beruhigungszigarette oder dem „Gläschen danach“ mutig und offen sein, unseren tatsächlichen Schwachpunkten in die Augen zu schauen.
„Darum lasst uns hinzutreten mit Zuversicht“ schreibt der Hebräerbrief.
Gott lädt uns ein „mit unserer Schwachheit“ zu ihm zu kommen und näher zu treten. Näher, als wir es vielleicht wagen würden. Es ist keine hohle Versprechung und es ist auch kein „aber“ zwischen den Zeilen zu erwarten. Es ist sein Ernst: Wir dürfen, nein wir sollen, so wie wir sind, zu ihm kommen. Uns zur Seite steht Jesus:
Durch ihn, den Hohenpriester, können wir näher treten. „Hoherpriester“ als Name für Jesus klingt ungewöhnlich in unseren Ohren. Wir würden es heute vielleicht als eine Art Anwalt bezeichnen, jemand, der für Fehler und Schwächen vor Gott für uns eintritt.
Er weiß um unsere Schwächen und er weiß um unser Bemühen, ein gutes Leben zu führen. Und er kennt unser Spiel, vor uns selbst und allzuviel Nähe manchmal davonlaufen zu wollen. Bloß keine Schwäche zeigen, bloß nichts an sich herankommen lassen.
Und nun sollen wir mutig sein, uns einladen zu lassen, näher zu treten – ohne das Kaschieren unserer Macken mit unseren bewährten Hausmittelchen.
Oh ja, zugegeben, wir brauchen unsere Seelenstreichler, ob sie lila und süß sind oder ob sie einen guten Jahrgang haben und farbenprächtig schwer im Glas schimmern. Aber, es gibt wahrlich noch mehr und wirkungsvolleres, was unsere Seele streicheln kann.
Es kann so viel sein: die längst ausstehende Begegnung mit einem alten Freund, ein offenes Ohr zur richtigen Zeit, das herzerfrischende laute Lachen in der Runde, das Mitgefühl eines Vertrauten, der Überraschungsbesuch, das glückliche Seufzen „Augenblick verweile doch, du bist so schön!“. Begegnungen, die unsere Seele streicheln. Der Einladung Gottes folgen näher zu treten: zu ihm, zu uns und zu unserem Gegenüber.
Gottes Einladung näher zu treten, ohne Schminke und Fassade, erfordert Mut. Stütze und Wegbegleiter ist Jesus Christus. An diesem Bekenntnis, so erinnert uns der Briefschreiber, dürfen wir uns auf unserem Weg wie an einem Wanderstab festhalten: Ich glaube, Gott will, dass wir zu Menschen werden, die wissen, dass er uns nahe ist in all unseren Schwächen und wir aus seiner Liebe niemals fallen können.
„Näher!“, lautet der Lockruf der diesjährigen Fastenaktion der Evangelischen Kirche. Wir sind eingeladen zu „7 Wochen ohne Scheu“. Ein Wagnis, sich aus der Deckung zu begeben und mal wieder Nähe zu wagen und den ersten Schritt zu tun: nebenan, bei sich selbst und bei Gott.
Eigentlich fängt am Aschermittwoch erst alles an: die Passion, übersetzt „Leidenschaft“. Lassen Sie sich einladen zu sieben Wochen ohne Scheu – zur Leidenschaft um näher zu treten!
Dieser Beitrag wurde am 20.2.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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Herr, näher mein Gott zu Dir sollen meine Wege laufen. Näher mein Gott zu Dir, will ich Dir singen. Näher mein Gott zu Dir, darf ich hoffen. Segne mich auf allen meinen Wegen. Amen. |
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