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Andacht für den 28. Februar

Bei aller Zerrissenheit: Frieden

Mein Spiegelbild – gefällt mir das, was ich sehe? Oder schaue ich lieber weg? Gott wendet sich nicht ab von uns. Das lässt hoffen. Foto: jokerphoto

Mein Spiegelbild – gefällt mir das, was ich sehe? Oder schaue ich lieber weg? Gott wendet sich nicht ab von uns. Das lässt hoffen. Foto: jokerphoto

Römer 5, 1-5, (6-11) in Auswahl: Da wir nun gerecht geworden sind durch den Glauben, haben wir Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesus Christus; durch ihn haben wir auch den Zugang im Glauben zu dieser Gnade, in der wir stehen, und rühmen uns der Hoffnung der zukünftigen Herrlichkeit, die Gott geben wird.

Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung, Hoffnung aber lässt nicht zuschanden werden; denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist.


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Christian Heine-Göttelmann (43) ist Superintendent des Kirchenkreises Gütersloh

Wer einmal in den Spiegel geschaut hat, kann nicht mehr an Gott glauben“, soll Elizabeth Taylor gesagt haben. Ende der 50er Jahre galt sie als die schönste Frau der Welt. Andy Warhol widmete ihr einige seiner Werke und für den Film Cleopatra erhielt sie die bis heute höchste Filmgage.

Was kann sie mit diesem Ausspruch gemeint haben?

Die Alkoholexzesse der späten Jahre oder die Veränderung durch den Gehirntumor wären vielleicht eine Erklärung. Vielleicht spricht sie aber auch etwas an, was der moderne Mensch so grundsätzlich in sich trägt: Die Unzufriedenheit und Friedlosigkeit.

Die Suche nach dem richtigen Platz im Leben, dem letzen Sinn meines Tuns, den wertvollen menschlichen Beziehungen. Lebe ich da im Einklang mit mir und der Welt oder fühlt sich doch alles irgendwie schräg an?

Wenn ich mich im Spiegel anschaue, denke ich auch manchmal: und… war’s das? Bist du so gemeint? Und der andere Spiegel: die Tageszeitung, die mir den Spiegel vorhält: Dieser Tage lese ich: „Im Oktober 2009 wurde der 36. deutsche Soldat in Afghanistan getötet.“

Die politische Diskussion um den Einsatz der Mittel für Frieden hält an, ebenso wie die Einsicht, dass er wie auch immer kaum machbar sein wird. Der vorgehaltene Spiegel zeigt Haiti – Bilder von Zerstörung. Und die Frage nach Gott im Weltgeschehen wird schon gar nicht mehr gestellt.

Zerrissenheit, Unzufriedenheit und Friedlosigkeit – und da hinein der Römertext. Wir sind gerecht, wir haben Frieden, wir rühmen uns der Bedrängnisse… ? Sollte man Paulus mal den Spiegel vorhalten? Weiß der eigentlich, wovon er spricht?

Paulus selbst kannte wohl die Zerrissenheit, seine eigene Unzufriedenheit mit sich, seine Ungeduld und er kannte die Friedlosigkeit seiner Umgebung. Er selbst wurde verfolgt, gefangen gehalten, am Ende hingerichtet. Er selbst hat Menschen verfolgt.

Er spricht von seinem Stachel im Fleisch.

Manche Mediziner heute diagnostizieren bei ihm eine Form der Epilepsie. Paulus kennt „Bedrängnis“ – körperlich und seelisch. Im Rückblick scheint er daraus Kraft gezogen zu haben: Geduld gelernt mit sich und den Mitmenschen. Eine alte Übersetzung von 1909 übersetzt „Bewährung“ mit „Erfahrung“. Er hat Erfahrung gesammelt in seinen dunklen Stunden, gelernt, aus solchen Erfahrungen Hoffnung zu schöpfen gegen den Augenschein. Welche Erfahrung mag das sein?

Schon in den heiligen Schriften des Judentums ist von Friede (Shalom) und Gerechtigkeit die Rede. Hier ist Shalom alles, was Gott dem Menschen gibt, alles, was er zum Leben braucht: Wohlsein, Gesundheit, Zufriedenheit, Einverständnis zwischen den Völkern. Paulus nimmt diesen Gedanken auf: Gott gibt Shalom.

Die sogenannte Sünde ist die Sorge um die eigene Gerechtigkeit. Das Rennen um die Auflösung unseres als schräg erlebten Seins in der Welt. Wir können unsere Zerrissenheit und die der Systeme um uns herum nicht auflösen. Erst in der „Aura“ des Friedens Gottes, beginnt der Mensch heil zu werden. „Friede sei mit Euch“.

Dieser Dunstkreis Friede hat sich noch nicht in alle Ecken ausgebreitet. Christen und Juden warten auf seine Erfüllung in der Zukunft, beginnen aber jetzt so zu leben, als sei er angebrochen.

Es geht um die Teilhabe an Gottes Friede. Werkzeug dieses Friedens werden zu wollen. Alles aus dem Weg räumen zu wollen, was den Shalom aufhält. Gerecht – nicht im Sinne von „alles richtig“ zu machen – sondern heil zu werden unter der sich ausbreitenden Liebe.

Den frühen Christen sind diese Gedankenspiele des Paulus zum Teil fremd geblieben: Im Kolosser und Epheserbrief ist davon nicht mehr zu lesen.

Mir imponiert das trotzdem: dass Paulus in den Spiegel schauen kann und an Gott glaubt. Dass die täglichen Misserfolge seine Hoffnung nicht zerstört haben. Dass er sich in diesem Frieden Gottes geborgen fühlt und aus dieser Haltung heraus die Welt verändern will, Beziehungen gestaltet, für ein friedliches Zusammenleben der Menschen eintritt und hilft, wo er gebraucht wird.

Solch eine Haltung ist ein Geschenk – in der Tat. In diesem Sinne: Friede sei mit Euch.

Dieser Beitrag wurde am 27.2.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.

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Gott des Friedens, erhalte mir das Feingefühl und Mitgefühl, für Menschen in Widersprüchen und Leid. Schenke mir das Gespür für ein Leben unter deinem Frieden und deiner Liebe und mache mich zum Werkzeug deiner befriedenden Liebe. Amen.

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