Andacht zum 1. August
Aufbruch mit Jesus Christus

Immer wieder standen und stehen Christen vor der Frage: Ist der alte, traditionelle Weg der richtige oder braucht es ganz neue Wege? Für Paulus ist die Sache klar: Sich nach dem ausstrecken, „was da vorne ist“. Foto: Sunlove
Philipper 3, 7-14: Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet. Ja, ich erachte es noch alles für Schaden gegenüber der überschwänglichen Erkenntnis Christi Jesu, meines Herrn.
Um seinetwillen ist mir das alles ein Schaden geworden, und ich erachte es für Dreck, damit ich Christus gewinne und in ihm gefunden werde, dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern die durch den Glauben an Christus kommt, nämlich die Gerechtigkeit, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.
Ihn möchte ich erkennen und die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden und so seinem Tode gleich gestaltet werden, damit ich gelange zur Auferstehung von den Toten. Nicht, dass ich’s schon ergriffen habe oder schon vollkommen sei; ich jage ihm aber nach, ob ich’s wohl ergreifen könnte, weil ich von Christus Jesus ergriffen bin. (...) Eins aber sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist, und jage nach dem vorgesteckten Ziel, dem Siegespreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
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Eva Fricke (46) ist Lehrerin, Kirchenmusikerin und ehrenamtliche Geschäftsführerin der Bibeldorf gGmbH in Rietberg
Philippi liegt in der malerischen Gegend, die von der Via Egnatia und vom Gangitesfluss durchzogen wird. In dieser römischen Veteranenstadt zu siedeln und zu wohnen scheint verlockend zu sein, zumal über den Gangites ein schneller Meereszugang geschaffen war. Bodenschätze, darunter Silber und Gold, Wasserquellen und ein reichhaltiger Waldbestand ermöglichen einen entsprechenden Wohlstand, der durch Handel und Verkehr gesichert wird.
An diesem Ort von Reichtum und wirtschaftlicher Prosperität lassen sich Menschen unterschiedlicher Herkunft mit all ihren kulturellen und kultischen Eigenarten nieder. Fruchbarkeitskulte, römische wie ägyptische Tempelanlagen, alt-italische Göttervorstellungen und auch Kaiserverehrungen werden in Philippi eine große Rolle gespielt haben. Paulus, Silas und Timo-theus gründen in diesem Konglomerat heidnischer Kulte die erste christliche Gemeinde in Europa (Apg. 16, 11-40).
Außerhalb der Stadt am Fluss wird wohl die Synagoge gelegen haben. Hier knüpfen sie Kontakte. Es wird von Philippi berichtet, dass eine gewisse Purpurhändlerin Lydia getauft wird.
Was ist in Philippi geschehen, dass im Philipperbrief jene Episode Erwähnung findet, vielleicht sogar ursprünglich als eigenständiger Brief nach Philippi gesandt wurde?
Es scheint um den rechten Zugang zur Gemeinde – zu Jesus Christus – zu gehen. Ist die Beschneidung Voraussetzung, um zur Gemeinde Jesu dazuzugehören? Müssen für das Beschreiten des neuen (jüdischen) Weges zuerst Schritte traditioneller Identität gegangen werden oder nicht?
Kann irgendjemand für sich Vorrechte aufgrund seiner Herkunft in Anspruch nehmen? Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Paulus in den Traditionalisten seine Gegner fand, die um jeden Preis an Altem, vielleicht Bewährtem festhalten wollten. Veränderungen lösten in ihnen Unruhe und Angst aus.
Paulus’ Argumentation zeigt sich für mich kurz und bündig: „Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist ...“ Paulus hätte – mehr als mitunter die Gegner – auf seine hebräische und pharisäische Herkunft abheben können.
Es wird der Sache aber nicht gerecht. Es geht nun darum, sich neu zu positionieren: Kein Vorrecht, keine traditionellen Gepflogenheiten, keine Eitelkeiten, keine besonderen finanziellen Sonderleistungen – allein Jesus Christus war und ist der Maßstab christlicher Perspektive. „Aber was mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Schaden erachtet.“
Und was hätte Paulus alles anführen können? Paulus aber will für sich Christus gewinnen und für Christus die Menschen aus dem damaligen Philippi ... er will sie für die Auferstehung von den Toten erreichen.
Ich erlebe gegenwärtig sowohl in gesellschaftlichen als auch kirchlichen Bezügen viele Traditionsabbrüche und Umorientierungen. Manchmal wirkt dies alles wie ein Spannungsfeld zwischen Tod und Auferstehung.
Vieles wird argumentativ mit Vorrechten, Gepflogenheiten, Eitelkeiten und unter wichtigen finanziellen Aspekten diskutiert, kritisiert, hinterfragt und verteidigt. Mir scheint, dass Paulus mit seinem Ansinnen in Philippi durchaus Beachtung finden kann und muss.
Wenn es um das Wesentliche unserer christlichen Identität geht, wird neben allen Strukturveränderungen zuerst von Jesus Christus, von der versöhnenden Botschaft von Kreuz und Auferstehung, zu reden sein.
Dieser Beitrag wurde am 31.7.2010 um 00.00 Uhr veröffentlicht.
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